Einschränkungen bei der Streaming-Qualität
Nutzer von Disney+ in Deutschland erleben derzeit eine deutliche Reduzierung der Bildqualität. Seit dem vergangenen Wochenende sind hochauflösende Inhalte in 4K sowie das dynamische HDR-Format flächendeckend aus der Plattform verschwunden. Selbst Kunden, die das kostenpflichtige Premium-Abonnement gebucht haben, erhalten Filme und Serien lediglich in einer Auflösung von 1080p (Full HD) und im Standard-Farbraum (SDR).
Die entsprechenden Kennzeichnungen für Ultra-HD-Inhalte und HDR-Unterstützung wurden in der App über verschiedene Gerätetypen hinweg entfernt. Während Disney auf seinen offiziellen Hilfeseiten bisher keine expliziten Informationen zu dieser Änderung bereitstellt, wird das Premium-Abo weiterhin mit 4K beworben. Eine direkte Stellungnahme des Unternehmens zu den aktuellen Vorfällen steht bislang aus.
Mögliche Hintergründe: Patentstreitigkeiten als Ursache
Obwohl eine offizielle Bestätigung fehlt, deuten die Entwicklungen auf einen anhaltenden juristischen Konflikt hin. Bereits in der Vergangenheit hatte Disney+ in Deutschland schrittweise HDR-Formate wie Dolby Vision, HDR10+ und 3D-Inhalte aus dem Programm genommen. Als Grund führte der Streaming-Dienst damals laufende Gerichtsverfahren vor einem deutschen Patentgericht an.
Im Zentrum steht ein Rechtsstreit mit dem US-Unternehmen InterDigital. Das Landgericht München hatte bereits im November des vergangenen Jahres eine einstweilige Verfügung erlassen, da Disney+ beim Streaming von Videos mit dynamischem HDR gegen Patentrechte verstoßen haben soll. Im Juli dieses Jahres folgte eine weitere Entscheidung durch die Düsseldorfer Lokalkammer des Einheitlichen Patentgerichts (UPC), die sich spezifisch auf die HEVC-Encodierung bezieht. Diese Technologie ist essenziell für die effiziente Übertragung hochauflösender Videodaten.
Auswirkungen auf das Premium-Abonnement
Das Premium-Modell von Disney+ ist in Deutschland mit monatlich 16 Euro beziehungsweise 160 Euro im Jahresabo das teuerste Angebot des Dienstes. Die Abgrenzung zum günstigeren Standard-Tarif für 11 Euro basiert primär auf den technischen Zusatzleistungen: 4K-Auflösung, HDR-Unterstützung und Dolby Atmos. Durch den Wegfall der Bildverbesserungen bleiben für Premium-Nutzer aktuell nur noch die Audio-Optionen und die Anzahl der parallelen Streams als exklusive Vorteile übrig.
Handlungsoptionen für betroffene Kunden
Angesichts der Diskrepanz zwischen der beworbenen Leistung und der tatsächlichen Verfügbarkeit sehen Verbraucherschützer die Plattform in der Pflicht. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen vertritt die Ansicht, dass Disney+ als Vertragspartner dafür verantwortlich ist, die zugesagte Qualität zu liefern. Da die technischen Einschränkungen für den Endkunden nicht selbst verschuldet sind, raten Experten betroffenen Abonnenten dazu, eine Minderung des monatlichen Beitrags in Erwägung zu ziehen.
Da es derzeit keinen automatisierten Prozess oder einen standardisierten Musterbrief für Rückforderungen gibt, müssen sich Kunden individuell an den Kundensupport von Disney wenden, um Ansprüche geltend zu machen. Es bleibt abzuwarten, wie Disney auf die anhaltenden rechtlichen Herausforderungen reagieren wird und ob die hochauflösenden Formate nach einer möglichen Einigung oder technischen Anpassung wieder in das deutsche Angebot zurückkehren.