News aus aller Welt
Start
AfD-Regierung? Bätzing spricht über Notfallpläne der Kirche
Regional · 11.09.2026 21:43

AfD-Regierung? Bätzing spricht über Notfallpläne der Kirche

Kurz: Bischof Georg Bätzing äußert sich zu einer möglichen AfD-Regierungsbeteiligung und offenbart existierende Notfallpläne der katholischen Kirche für den Ernstfall

Was geschehen ist: Die Haltung der Kirche zu einer möglichen AfD-Regierung

Der Limburger Bischof Georg Bätzing hat sich anlässlich seines zehnjährigen Amtsjubiläums am Freitag öffentlich zu einer brisanten politischen Konstellation geäußert: Was passiert, wenn die AfD in einem Bundesland wie Sachsen-Anhalt eine Landesregierung stellt? Bätzing, der bis Februar dieses Jahres als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) fungierte, stellte klar, dass er eine inhaltliche Debatte mit den sogenannten Ideologen der Partei ablehnt. Er sehe keine Basis für einen Dialog mit den Vertretern der Partei, da ihm die inhaltliche Grundlage für ein solches Gespräch fehle. Dennoch unterstrich er, dass eine offizielle Regierungsbeteiligung der AfD die Situation grundlegend verändern würde. In einem solchen Szenario hält Bätzing den Kontakt zur Landesregierung für unvermeidlich, um die institutionelle Existenz der Kirche sowie ihre vielfältigen karitativen Angebote zu sichern. Diese Äußerungen markieren eine deutliche Zäsur in der bisherigen kirchlichen Haltung, die sich nun auf ein Szenario vorbereitet, das bisher als theoretisch galt, aber angesichts der politischen Entwicklungen zunehmend in den Fokus der kirchlichen Strategieplanung rückt.

Die Einzelheiten: Notfallpläne und der Vergleich zur DDR-Zeit

Bätzing konkretisierte seine Überlegungen mit einem historischen Vergleich zur Zeit der SED-Diktatur in der ehemaligen DDR. Damals habe die Kirche offiziell zwar nicht mit dem sozialistischen Regime kommuniziert, doch inoffizielle Drähte seien lebensnotwendig gewesen, um die kirchliche Arbeit und die soziale Infrastruktur aufrechtzuerhalten. Übertragen auf die heutige Zeit bedeutet dies, dass die Kirche für den Fall von staatlichen Repressionen durch eine AfD-geführte Regierung bereits Notfallpläne in der Schublade hat. Sollte eine solche Regierung etwa die Staatsleistungen an die Kirchen streichen oder den Einzug der Kirchensteuer blockieren, sei die Kirche bereit, juristisch dagegen vorzugehen. Bätzing betonte, dass solche Maßnahmen rechtlich nicht haltbar seien. Er ist sich bewusst, dass Gegner der Kirche darauf spekulieren könnten, durch langwierige Rechtsstreitigkeiten die kirchlichen Einrichtungen finanziell auszutrocknen. Um diesen sogenannten Aushungerungsprozess zu verhindern, hat die Deutsche Bischofskonferenz bereits Zusagen getroffen, im Notfall finanziell einzuspringen. Zudem wird überlegt, Partnerschaften zwischen west- und ostdeutschen Bistümern zu intensivieren, um die betroffenen Regionen solidarisch zu unterstützen und die Menschen vor Ort nicht allein zu lassen.

Hintergrund: Die Unvereinbarkeit von AfD-Politik und christlichen Werten

Der Bischof ließ keinen Zweifel daran, dass die politische Agenda der AfD in einem fundamentalen Widerspruch zu den Grundwerten der katholischen Kirche steht. Bätzing beschrieb die Partei als eine Gruppierung, die für alles stehe, was die Kirche explizit nicht unterstütze. Der Fokus der Kirche liege auf einem pluralistischen Gesellschaftsmodell, in dem Menschen unterschiedlicher Herkunft und Lebensentwürfe friedlich zusammenleben können. Demgegenüber stehe die AfD für eine Politik, die er als destruktiv für den gesellschaftlichen Zusammenhalt empfinde. Auch in der Außen- und Europapolitik zeigt sich der Graben: Während die Kirche für ein geeintes und starkes Europa eintritt, das die Ukraine in ihrem Verteidigungskampf gegen die russische Aggression unter Wladimir Putin unterstützt, vertritt die AfD Positionen, die Bätzing als gefährlich für die europäische Zukunft einstuft. Er warf der Partei vor, ihre Wählerschaft gezielt mit Heilsversprechen und Lügen zu gewinnen, anstatt sich den komplexen Herausforderungen der Zeit mit ehrlichen und tragfähigen Lösungen zu stellen.

Die Beteiligten: Akteure und institutionelle Verantwortlichkeiten

Zentraler Akteur in dieser Debatte ist Georg Bätzing, der Bischof von Limburg, der durch seine langjährige Tätigkeit als DBK-Vorsitzender über eine hohe politische und kirchliche Autorität verfügt. Er vertritt in dieser Frage nicht nur seine eigene Meinung, sondern verweist explizit auf die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) als Institution, in der diese Notfallpläne bereits diskutiert und vorbereitet wurden. Ein weiterer wichtiger Akteur ist der aktuelle DBK-Vorsitzende, der Bischof von Münster, Heiner Wilmer, der das Amt im Februar dieses Jahres von Bätzing übernommen hat. Die betroffenen Akteure auf der anderen Seite sind die politischen Entscheidungsträger der AfD, deren Handeln Bätzing als inkompatibel mit christlichen Werten einstuft. Auch die Wählerinnen und Wähler der AfD werden von Bätzing adressiert, wobei er betont, dass er durchaus bereit sei, mit diesen Menschen in den Dialog zu treten, jedoch mit dem expliziten Ziel, sie von einer Wahl der Partei abzubringen.

Einordnung: Die strategische Neuausrichtung der Kirche

Einzuordnen ist das so: Die Kirche bereitet sich auf eine mögliche politische Realität vor, in der sie nicht mehr auf eine liberale demokratische Grundhaltung der Regierung vertrauen kann. Den Berichten zufolge ist dies ein vorsorglicher Schritt, um die Handlungsfähigkeit der kirchlichen Sozialarbeit unter Druck nicht zu verlieren. Bätzings Äußerungen verdeutlichen, dass die Kirche zwischen zwei Polen navigiert: Einerseits der moralischen Ablehnung der AfD als politischer Kraft, andererseits der pragmatischen Notwendigkeit, als Institution in einem Rechtsstaat zu überleben, selbst wenn dieser von Kräften geführt wird, die der Kirche feindlich gegenüberstehen. Die explizite Erwähnung der DDR-Vergangenheit dient dabei als historischer Referenzpunkt, um zu verdeutlichen, dass die Kirche auch in schwierigen politischen Systemen Wege der Existenzsicherung gefunden hat. Es ist eine klare Absage an eine Politik der Ausgrenzung, gepaart mit einer deutlichen Warnung vor den Folgen einer AfD-Regierung für die soziale Stabilität in Deutschland.

Offene Fragen: Was bleibt ungeklärt?

Der Quelltext lässt einige Fragen offen, die für die praktische Umsetzung der Notfallpläne von entscheidender Bedeutung wären. So wird nicht detailliert erläutert, wie genau die finanzielle Unterstützung der Bistümer im Falle eines gestoppten Kirchensteuereinzugs aussehen würde. Welche konkreten Rücklagen oder Umschichtungsmechanismen innerhalb der DBK dafür vorgesehen sind, bleibt unklar. Auch die Frage, wie die inoffiziellen Drähte zu einer AfD-Regierung konkret aussehen könnten, ohne die moralische Glaubwürdigkeit der Kirche zu untergraben, wird nicht beantwortet. Es bleibt offen, welche rechtlichen Hürden bei einer Klage gegen staatliche Eingriffe in die Kirchenfinanzierung zu erwarten sind und wie lange ein solches Verfahren tatsächlich dauern würde. Zudem wird nicht spezifiziert, welche anderen gesellschaftlichen Gruppen oder Institutionen in diese Notfallpläne einbezogen werden könnten, um eine breitere Allianz gegen eine mögliche Aushungerungspolitik zu bilden. Die Lücke zwischen der theoretischen Ankündigung und der operativen Umsetzung bleibt somit bestehen.

Wie es weitergeht: Ausblick auf die kirchliche Strategie

Die Kirche setzt auf eine Strategie der Vorbereitung und der moralischen Abgrenzung. Während Bätzing betont, dass er weiterhin das Gespräch mit AfD-Wählern sucht, um Überzeugungsarbeit zu leisten, bleibt die institutionelle Vorbereitung auf den Ernstfall eine Priorität der Bischofskonferenz. Es ist davon auszugehen, dass die Diskussion über die Unvereinbarkeit von AfD-Politik und christlichem Menschenbild in den kommenden Monaten innerhalb der kirchlichen Gremien weiter intensiviert wird. Die Ankündigung, Partnerschaften zwischen Bistümern zu stärken, deutet darauf hin, dass die Kirche ihre interne Solidarität festigen will, um für kommende politische Herausforderungen gewappnet zu sein. Konkrete Termine für weitere Beratungen oder die Finalisierung der Notfallpläne wurden im Rahmen des Jubiläums nicht genannt, doch die klare Positionierung Bätzings signalisiert, dass die Kirche das Thema nicht länger als Randnotiz behandelt, sondern als eine zentrale Herausforderung für ihre künftige Rolle in der deutschen Gesellschaft betrachtet.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/strasse-menschen-gebaude-zug-10092912/ · Foto: Omar Ramadan
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-afd-regierung-baetzing-spricht-ueber-notfallplaene-der-kirche-100.html