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Selenskyj hofft auf Kriegsende bis Herbst
Politik · 03.08.2026 20:31

Selenskyj hofft auf Kriegsende bis Herbst

Kurz: Präsident Wolodymyr Selenskyj setzt auf eine Kombination aus militärischem Druck und Diplomatie, um den Krieg gegen Russland bis zum Herbst zu beenden.

Strategischer Druck auf Moskau

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat das Ziel formuliert, den russischen Angriffskrieg gegen sein Land bis zum Herbst zu beenden. Vor den ukrainischen Botschaftern in Kiew betonte er, dass der Druck auf den Kreml massiv erhöht werden müsse, um eine Bereitschaft zu Friedensverhandlungen zu erzwingen. Die Strategie der Regierung stützt sich dabei auf ein Zusammenspiel aus gezielten militärischen Aktionen, internationalen Sanktionen und einer verstärkten diplomatischen Offensive.

Ein wesentlicher Bestandteil dieser Bemühungen ist der Einsatz von Drohnen, die auf mittlere und lange Distanzen operieren. In den vergangenen Wochen lief eine 40-tägige Phase intensiver Geheimdienstoperationen, die unter anderem auf die Logistikinfrastruktur des russischen Versandhändlers Wildberries abzielten. Kiew begründet diese Angriffe mit dem Vorwurf, dass das Unternehmen Güter bereitstelle, die direkt für die russische Kriegsführung genutzt würden; Moskau weist diese Anschuldigungen zurück.

Internationale Kooperation als Rüstungsfaktor

Um die eigene Verteidigungsfähigkeit zu stärken, setzt die Ukraine auf innovative Partnerschaften. Das Land teilt sein Know-how in der Drohnentechnologie mit befreundeten Staaten. Im Gegenzug erhält Kiew finanzielle Mittel, die gezielt in die heimische Rüstungsproduktion fließen. Laut Angaben des Präsidenten konnten auf diese Weise bereits Abkommen mit neun Ländern geschlossen werden, während weitere Verhandlungen aktiv vorangetrieben werden.

Ein zentrales Projekt der internationalen Zusammenarbeit ist die Entwicklung des Raketenabwehrsystems „Freyja“, das gemeinsam mit europäischen Partnern realisiert wird. Dennoch bleibt der Bedarf an bestehenden Systemen hoch: Selenskyj erneuerte erst kürzlich seine Forderung nach weiteren Patriot-Flugabwehrsystemen, um den Schutz der ukrainischen Städte gegen russische Luftangriffe zu gewährleisten.

Die Realität an der Front

Trotz der diplomatischen und strategischen Ambitionen hält der russische Angriffskrieg unvermindert an. Die täglichen Berichte aus den Kampfgebieten zeichnen ein düsteres Bild der Sicherheitslage. In der Südostukraine forderte ein Angriff auf eine Tankstelle mehrere Todesopfer und Verletzte. Auch die Großstadt Saporischschja wurde Ziel massiver Attacken; nach Angaben des Regionalgouverneurs Iwan Fedorow schlugen innerhalb kurzer Zeit acht Gleitbomben in Wohngebieten ein, was zu zahlreichen Opfern unter der Zivilbevölkerung führte.

Die Ukraine reagiert auf diese Aggressionen mit Gegenangriffen. Dabei wurden jüngst Ziele im russischen Gebiet Krasnodar sowie auf der annektierten Halbinsel Krim attackiert. Diese militärischen Auseinandersetzungen verdeutlichen die Intensität des Konflikts, die trotz der politischen Hoffnungen auf ein baldiges Ende kaum nachlässt.

Vorbereitungen auf einen weiteren Winter

Die diplomatische Lage bleibt festgefahren. Selenskyj wirft der russischen Führung vor, den Krieg bewusst in die Länge zu ziehen. Beobachter gehen davon aus, dass der Kreml eine weitere Mobilisierungswelle plant, die möglicherweise nach den Parlamentswahlen Mitte September eingeleitet werden könnte. Angesichts der ausbleibenden Anzeichen für eine Verhandlungsbereitschaft aus Moskau hat der ukrainische Präsident seine Diplomaten angewiesen, sich auf ein langanhaltendes Szenario einzustellen.

Die Anweisung an die Botschafter ist unmissverständlich: Sie sollen weltweit technische Unterstützung und Rüstungsgüter akquirieren. Die Vorbereitungen auf einen weiteren Kriegswinter haben bereits begonnen, da die Regierung davon ausgeht, dass die militärische Unterstützung aus dem Ausland auch in den kommenden Monaten über den Fortbestand des ukrainischen Widerstands entscheiden wird. Das Ziel, den Krieg bis zum Herbst zu beenden, bleibt zwar der erklärte politische Wunsch, doch die militärische Realität zwingt Kiew zur langfristigen Planung.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/kriegsgeschadigte-strassen-von-aleppo-in-syrien-38247295/ · Foto: Mehdi Khoshnejad
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/europa/krieg-ukraine-selenskyj-angriffe-100.html