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Fußball - Bundesliga-Präsident Watzke hofft auf freiwilligen Rücktritt von Fifa-Chef Infantino
Schlagzeilen · 01.09.2026 19:43

Fußball - Bundesliga-Präsident Watzke hofft auf freiwilligen Rücktritt von Fifa-Chef Infantino

Kurz: DFL-Präsident Hans-Joachim Watzke fordert einen freiwilligen Rückzug von FIFA-Chef Gianni Infantino, um eine Zerreißprobe für den Weltfußball abzuwenden.

Ein Appell an die Vernunft: Watzke fordert Rückzug

In einer deutlichen Stellungnahme gegenüber dem Deutschlandfunk hat der Präsident der Deutschen Fußball Liga (DFL), Hans-Joachim Watzke, eine klare Erwartungshaltung gegenüber dem amtierenden FIFA-Präsidenten Gianni Infantino formuliert. Watzke, der in seiner Funktion als DFL-Chef und UEFA-Vizepräsident tief in die Strukturen des internationalen Fußballs eingebunden ist, sprach sich für einen freiwilligen Rückzug des FIFA-Funktionärs aus. Der Kern seiner Argumentation ist die Sorge vor einer tiefgreifenden Zerreißprobe, die dem globalen Sport drohen könnte, sollte es nicht zu einer personellen Veränderung an der Spitze des Weltverbandes kommen. Watzke betonte, dass die aktuelle Situation eine Belastungsprobe darstelle, die durch einen proaktiven Schritt Infantinos hätte entschärft werden können. Auf die explizite Nachfrage, ob er ein solches Szenario tatsächlich für realistisch halte, zeigte sich Watzke vorsichtig optimistisch und bezeichnete einen freiwilligen Rückzug zumindest als eine denkbare Option. Diese Äußerung unterstreicht den wachsenden Druck, dem sich die FIFA-Führung derzeit ausgesetzt sieht, und markiert eine deutliche Positionierung der deutschen Fußballführung im internationalen Kontext.

Der Fall Balogun und der Vertrauensverlust

Als zentralen Auslöser für den massiven Vertrauensverlust in die Amtsführung von Gianni Infantino nannte Watzke den sogenannten Fall Balogun. Bei diesem Vorfall hatte die FIFA eine bereits ausgesprochene Rotsperre gegen den US-amerikanischen Spieler Balogun überraschend zurückgenommen. Besonders brisant ist dabei laut Watzke der Umstand, dass diese Entscheidung erst nach einer direkten Intervention des damaligen US-Präsidenten Donald Trump getroffen wurde. Dieser Vorgang habe Infantino in der öffentlichen Wahrnehmung und innerhalb der Fußballgremien massiv geschadet. Die Einmischung der Politik in sportrechtliche Entscheidungen habe das Ansehen der FIFA schwer beschädigt und Zweifel an der Unabhängigkeit des Weltverbandes gesät. Watzke verdeutlichte, dass solche Vorfälle das Vertrauen in die Integrität der FIFA-Entscheidungsprozesse nachhaltig untergraben haben. Die geschilderten Ereignisse dienen als Beleg für eine Amtsführung, die nach Ansicht des DFL-Präsidenten zunehmend an Glaubwürdigkeit eingebüßt hat und nun die Stabilität der gesamten Fußball-Weltordnung gefährdet.

Widerstand gegen Investitionspläne und europäische Geschlossenheit

Ein weiterer wesentlicher Punkt der Kritik betrifft die umstrittenen Investitionspläne, die Infantino im Sommer präsentiert hatte. Diese sahen vor, Anteile an der Weltmeisterschaft an externe Investoren zu verkaufen, was innerhalb der europäischen Fußballverbände auf massiven Widerstand stieß. Watzke lobte in diesem Zusammenhang ausdrücklich die Einigkeit, die der europäische Fußball in dieser Frage an den Tag gelegt hat. Es sei von entscheidender Bedeutung gewesen, eine schriftliche und unmissverständliche Zusicherung der FIFA zu erwirken, dass diese Pläne nicht nur verworfen wurden, sondern auch in Zukunft nicht mehr zur Debatte stehen. Watzke betonte, dass dies keine bloße Formsache war, sondern eine notwendige Bedingung für die weitere Zusammenarbeit. Ohne diese explizite Garantie, so der UEFA-Vizepräsident, hätten die europäischen Nationen ernsthaft in Erwägung gezogen, die kommende Weltmeisterschaft zu boykottieren. Diese geschlossene Haltung der europäischen Verbände habe letztlich dazu geführt, dass die FIFA von ihren umstrittenen Vorhaben Abstand nehmen musste, was einen wichtigen Erfolg für die europäische Fußballpolitik darstellt.

Einordnung der Boykott-Debatte und künftige Strategie

Einzuordnen ist die Haltung von Hans-Joachim Watzke als ein Versuch, die Stabilität des Fußballs zu wahren, ohne dabei die demokratischen Prozesse innerhalb der FIFA komplett zu ignorieren. Watzke stellte klar, dass er eine neuerliche Boykottdrohung für den Fall einer möglichen Wiederwahl Infantinos explizit ausschließt. Er differenzierte dabei scharf zwischen der inhaltlichen Kritik an den Investitionsplänen und der Person Gianni Infantino. Der ursprüngliche Boykottaufruf sei rein sachbezogen und auf die wirtschaftlichen Pläne fokussiert gewesen, keinesfalls jedoch als persönlicher Angriff gegen den FIFA-Präsidenten zu verstehen. Sollte Infantino in einem regulären Wahlprozess erneut im Amt bestätigt werden, müsse man dieses Ergebnis als Teil der demokratischen Spielregeln akzeptieren. Den Berichten zufolge ist Watzkes Strategie also nicht auf eine dauerhafte Blockadehaltung ausgelegt, sondern auf die Durchsetzung inhaltlicher Korrekturen innerhalb des bestehenden Systems. Er signalisiert damit, dass die europäische Seite zwar hart in der Sache verhandelt, aber dennoch bereit ist, die institutionellen Strukturen des Weltverbandes zu respektieren, solange die grundlegenden Prinzipien des Fußballs gewahrt bleiben.

Offene Fragen und der weitere Ausblick

Der Quelltext lässt einige wesentliche Fragen unbeantwortet, die für die zukünftige Entwicklung von entscheidender Bedeutung sind. So bleibt unklar, wie genau der Prozess eines freiwilligen Rücktritts innerhalb der FIFA-Statuten verankert ist und welche internen Kräfte innerhalb des Weltverbandes Infantino derzeit noch stützen. Auch die konkreten Reaktionen anderer europäischer Verbände oder der FIFA selbst auf Watzkes Äußerungen werden im vorliegenden Material nicht thematisiert. Zudem bleibt offen, welche alternativen Führungspersönlichkeiten für eine Nachfolge Infantinos in Betracht kämen, falls dieser dem Appell tatsächlich folgen sollte. Hinsichtlich der weiteren Schritte bleibt festzuhalten, dass der europäische Fußball vorerst an einer konstruktiven, aber wachsamen Haltung festhält. Es gibt keine angekündigten Termine für weitere Boykott-Beratungen oder außerordentliche Sitzungen. Die Situation bleibt somit in einem fragilen Zustand, in dem die europäische Seite zwar ihre Forderungen klar formuliert hat, die finale Entscheidung über den Verbleib Infantinos jedoch weiterhin in den Händen der FIFA-Mitglieder liegt. Die kommenden Monate werden zeigen müssen, ob der öffentliche Druck aus Europa ausreicht, um eine personelle Erneuerung an der Spitze des Weltverbandes herbeizuführen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/spielen-aktivitat-fussball-sport-9405210/ · Foto: Omar Ramadan
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/bundesliga-praesident-watzke-hofft-auf-freiwilligen-ruecktritt-von-fifa-chef-infantino-102.html