News aus aller Welt
Start
Roman über Baumärkte: Kollege weiß Bescheid, ist auf dem Weg zu Ihnen!
Kultur · 16.08.2026 21:09

Roman über Baumärkte: Kollege weiß Bescheid, ist auf dem Weg zu Ihnen!

Kurz: Denis Pfabes neuer Roman 'Die Möglichkeit einer Ordnung' seziert den Baumarkt als Mikrokosmos moderner Gesellschaft und Ort des Optimierungszwangs.

Was geschehen ist – die Kernmeldung ausführlich

Der Autor Denis Pfabe hat mit seinem dritten Roman unter dem Titel „Die Möglichkeit einer Ordnung“ ein Werk vorgelegt, das den modernen Baumarkt als zentralen Schauplatz wählt. Das Buch, das im Rowohlt Berlin Verlag erschienen ist, beleuchtet den großflächigen Einzelhandel nicht nur als Ort des Konsums, sondern als Kathedrale der modernen Behaustheit. Im Zentrum der Erzählung steht Levin Watermeyer, ein Mitarbeiter in der Abteilung für Gartenmöbel, dessen Arbeitsalltag von skurrilen Kundenkontakten, internen Hierarchien und dem ständigen Druck zur Selbstoptimierung geprägt ist. Pfabe nutzt dieses spezifische Milieu, um ein breiteres Bild einer Gesellschaft zu zeichnen, die sich in einem permanenten Optimierungszwang befindet. Während draußen die Welt zunehmend chaotisch erscheint, verspricht der Baumarkt eine trügerische Ordnung und Selbstwirksamkeit durch die Erneuerung von Fugen oder den Kauf technischer Gadgets. Der Roman verwebt dabei den Mikrokosmos des Marktes mit den persönlichen Schicksalen der Angestellten und den äußeren Bedrohungen, denen sich ein solches Unternehmen in einer hart umkämpften Branche gegenübersieht. Es ist eine Erzählung über das Überleben, die Digitalisierung und die Absurditäten des modernen Berufslebens, die gleichermaßen unterhaltsam wie gesellschaftskritisch daherkommt.

Die Einzelheiten – Zahlen, Namen, Orte und Zitate

Der Roman spielt in einem „BAUMARKT“, in dem Levin Watermeyer als Spezialist für Gartenmöbel arbeitet. Zu seinen Kollegen zählen unter anderem „Holger aus Sanitär“, der „Zuschnitt-Günther“ und Bobby, ein Sicherheitskontrolleur, der sich mit einem Segway durch die Gänge bewegt. Die Führungsebene wird durch den Marktleiter Jan Seehafer repräsentiert, der unter dem ständigen Druck der Quartalszahlen steht und die Angst vor einer Versetzung nach Standorten wie Sterkrade-West, Detmold-Nord oder Isselburg-Anholt fürchten muss. Ein weiterer zentraler Charakter ist Pina Sommerfeldt, die ein Doppelleben als Drogenkurierin und Tabledancerin führt. Die äußere Bedrohung für den Markt geht von Rolf Tampe aus, einem Naturschützer, der auf einem E-Bike nach einer geschützten Gelbbauchunke sucht, um die Erweiterungspläne des Marktes zu stoppen. Der Roman, der 336 Seiten umfasst und 25 Euro kostet, wurde von Denis Pfabe verfasst, der 1986 in Bonn geboren wurde. Pfabe bringt eigene Erfahrungen ein, da er selbst als gelernter Kaufmann längere Zeit im Baumarkt tätig war, bevor er sich vor etwa zehn Jahren dem Schreiben widmete. Die Erzählung ist gespickt mit technischen Details über die Ausrüstung einer Arbeitsweste, von Klebeband bis hin zu Euroloch-Ausreißschutz-Aufklebern.

Hintergrund – Vorgeschichte und bisheriger Verlauf

Die Entstehung des Romans ist eng mit der persönlichen Biografie des Autors Denis Pfabe verknüpft. Seine langjährige Tätigkeit im Baumarktsektor dient als authentisches Fundament für die detaillierte Schilderung der Arbeitsabläufe und der spezifischen „Baumarkt-Philosophie“. Der Markt selbst befindet sich in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage, da die Branche hart umkämpft ist. Ein wesentlicher Hintergrundfaktor ist das Scheitern der konkurrierenden Kette „Wächter“, deren Untergang unter dubiosen Umständen im Roman thematisiert wird. Diese Pleite schwebt wie ein Damoklesschwert über den Akteuren des „BAUMARKTS“. Zudem wird der Wandel der Arbeitswelt durch die Digitalisierung als zentrales Konfliktfeld beschrieben. Altgediente Mitarbeiter, die über Jahrzehnte hinweg klassische Baumarktartikel wie Dübel oder Dachrinnen verkauft haben, sehen sich nun mit komplexen Anfragen zu Smart-Home-Technologien konfrontiert. Fragen zur Kompatibilität von LED-Duschbrausen mit Systemen wie Apple Homekit oder die Notwendigkeit, Bridges über Home Assistant zu emulieren, überfordern die Belegschaft. Dieser Druck führt dazu, dass die einst klare Struktur des Arbeitsalltags zunehmend in sich zusammenbricht, was schließlich im physischen und psychischen Zusammenbruch des Protagonisten Watermeyer gipfelt.

Die Beteiligten – Personen und Institutionen

Die handelnden Personen im Roman sind in ein enges Geflecht aus betrieblichen Hierarchien eingebunden. Levin Watermeyer fungiert als Identifikationsfigur, dessen Perspektive den Leser durch den Alltag führt. Jan Seehafer verkörpert als Marktleiter den Typus des „Young Leader“, dessen Aufstieg in der Unternehmenshierarchie durch das Tragen von Hemden mit hohem Polyesteranteil und das Erlangen der bunten Weste symbolisiert wird. Die Belegschaft ist vielfältig und reicht von spezialisierten Handwerkern bis hin zu Sicherheitskräften. Pina Sommerfeldt stellt eine ambivalente Figur dar, die durch ihr Doppelleben und ihre Interaktionen mit Kunden sowie Vorgesetzten die moralischen Grenzen des Marktes auslotet. Auf der Gegenseite steht der Naturschützer Rolf Tampe, der als externe Kraft die Interessen des Umweltschutzes gegen die ökonomischen Expansionspläne des Unternehmens vertritt. Institutionell steht der „BAUMARKT“ als Unternehmen im Zentrum, das sich gegen die Konkurrenz behaupten muss. Der Rowohlt Berlin Verlag fungiert als Herausgeber des Werkes, das im Jahr 2026 veröffentlicht wurde und den Baumarkt als Spiegelbild einer Gesellschaft im Wandel präsentiert.

Einordnung – Die Bedeutung des Werkes

Einzuordnen ist das Werk als eine literarische Auseinandersetzung mit dem modernen Optimierungszwang. Den Berichten zufolge gelingt es Pfabe, die Kleinteiligkeit des Einzelhandels als Metapher für eine Gesellschaft zu nutzen, die versucht, das Chaos der Welt durch die Kontrolle über materielle Dinge zu bändigen. Der Baumarkt wird hierbei als ein Ort inszeniert, der zwar Antworten auf die „offenen Fragen der Behaustheit“ verspricht, aber letztlich an seinen eigenen inneren und äußeren Zersetzungskräften leidet. Die Einordnung der Sexualität im Roman, die als „baumarktartig“ beschrieben wird, deutet auf eine Entfremdung hin, bei der menschliche Beziehungen zunehmend durch Apps oder Utensilien vermittelt werden. Der Roman wird als unterhaltsame und gewitzte Lektüre charakterisiert, die jedoch eine gewisse Schwere in der Darstellung der Arbeitswelt nicht verleugnet. Die schmissigen Formulierungen Pfabes, die gelegentlich ins Metaphorische abgleiten, unterstreichen den Anspruch des Autors, über die bloße Milieustudie hinaus eine gesellschaftliche Diagnose zu stellen. Es ist ein Buch über die Sehnsucht nach Ordnung in einer Welt, die sich zunehmend der Kontrolle entzieht.

Offene Fragen – Was der Quelltext nicht beantwortet

Der Quelltext lässt einige Aspekte der Handlung und der Hintergründe offen. Zwar wird der Niedergang der „Wächter“-Baumärkte erwähnt, doch bleibt unklar, welche spezifischen „dubiosen Umstände“ zu dieser Pleite führten. Auch die genaue Natur der „unerhörten Vorkommnisse“, wie etwa der Dreh eines Pornos in der Gartenabteilung, wird nur oberflächlich angerissen, ohne die Konsequenzen für die Beteiligten oder die Unternehmensführung im Detail zu beleuchten. Ebenso bleibt offen, wie die Geschichte von Pina Sommerfeldt endet, insbesondere in Bezug auf ihre riskante Tätigkeit als Drogenkurierin. Der Text erwähnt, dass nicht alle Plotverästelungen „ganz überzeugend weitergeführt“ werden, nennt jedoch keine konkreten Beispiele für diese narrativen Schwächen. Zudem erfährt der Leser nicht, ob der Naturschützer Rolf Tampe mit seinem Vorhaben, die Gelbbauchunke als Schutzinstrument gegen den Ausbau des Marktes einzusetzen, letztlich Erfolg hat oder ob der „Drive-Trough-Experience“ dennoch realisiert wird. Die Zukunft des Protagonisten Levin Watermeyer nach seinem Zusammenbruch bleibt ebenfalls im Ungewissen, was den Leser mit der Frage nach der weiteren Entwicklung der Charaktere zurücklässt.

Wie es weitergeht – Angekündigte Schritte und Entscheidungen

Der Quelltext enthält keine expliziten Ankündigungen für eine Fortsetzung oder weitere literarische Projekte von Denis Pfabe, die unmittelbar an diesen Roman anknüpfen. Vielmehr liegt der Fokus auf der aktuellen Veröffentlichung des Buches im Jahr 2026. Da der Roman bereits im Handel erhältlich ist, sind keine weiteren Termine für Veröffentlichungen oder ausstehende Entscheidungen zur Publikation genannt. Die im Roman thematisierten Konflikte, wie etwa die Erweiterungspläne des Marktes und der Kampf um die Quartalszahlen, sind als abgeschlossene narrative Prozesse innerhalb des Werkes zu betrachten. Es gibt keine Hinweise auf eine geplante Verfilmung oder eine Adaption des Stoffes. Die Leser sind dazu eingeladen, sich durch die Lektüre der 336 Seiten selbst ein Bild von der „Möglichkeit einer Ordnung“ zu machen. Der Autor, der sich nach seiner Zeit im Baumarkt dem Schreiben zugewandt hat, hat mit diesem Werk eine Bestandsaufnahme seiner Erfahrungen geliefert, die nun als abgeschlossenes literarisches Produkt im Rowohlt Berlin Verlag zur Verfügung steht und den Diskurs über die moderne Arbeitswelt bereichern soll.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/kunst-wahrzeichen-gebaude-historisch-7317006/ · Foto: MART PRODUCTION
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/literatur/denis-pfabe-roman-ueber-den-baumarkt-als-spiegel-der-gesellschaft-accg-201079659.html