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Kultur · 29.09.2026 19:57

?COntrol: Resonant“: Ein ganz paranormaler Tag

Kurz: In „Control: Resonant“ kämpft Dylan Faden gegen eine übernatürliche Bedrohung in Manhattan. Ein atmosphärischer Trip zwischen Behördenalltag und Wahnsinn.

Ein paranormaler Ausnahmezustand in Manhattan

Das Videospiel „Control: Resonant“ markiert eine düstere Rückkehr in das von Remedy Entertainment geschaffene Universum des Federal Bureau of Control (FBC). In diesem neuen Kapitel der Reihe verlässt die Handlung den begrenzten Raum des „Ältesten Hauses“ und erstreckt sich nun über die gesamte Metropole Manhattan. Der Spieler übernimmt die Kontrolle über Dylan Faden, einen sogenannten „Parautilitarier“, der nach einer traumatischen Kindheit in den Fängen der Behörde nun eine zentrale Rolle im Kampf gegen eine extradimensionale Bedrohung einnimmt. Das sogenannte „Zischen“, eine parasitäre Entität, hat sich in der Stadt ausgebreitet und droht, die Realität vollständig zu destabilisieren. Während seine Schwester Jesse, die ehemalige Direktorin des FBC, spurlos verschwunden ist, muss Dylan nicht nur das Rätsel um ihr Verschwinden lösen, sondern sich auch gegen die „Resonants“ behaupten – entstellte Bossgegner, die einst Menschen waren und nun durch transdimensionale Urenergie deformiert wurden. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, in dem physikalische Gesetze zunehmend ihre Gültigkeit verlieren und die Stadt selbst zum Schlachtfeld einer übernatürlichen Invasion wird.

Die Akteure und das Arsenal der Macht

Dylan Faden ist keine klassische Heldenfigur. Als ehemaliges Versuchskaninchen des FBC trägt er tiefsitzenden Groll gegen seine Peiniger in sich. Dennoch entscheidet er sich dazu, für die Behörde zu arbeiten, um Wiedergutmachung für seine eigene Rolle bei der Ausbreitung des Zischens zu leisten. Unterstützt wird er dabei von einem Arsenal, das so ungewöhnlich ist wie die Welt selbst. Seine Primärwaffe, der „Aberrant“, ist ein wandelbares Werkzeug, das je nach Bedarf als Vorschlaghammer, Bohrer oder Doppelklinge fungiert. Die Kämpfe gegen die Resonants sind dabei besonders fordernd: Diese Gegner nutzen ihre Umgebung als Waffe, werfen Taxis oder nutzen Ampelmasten für ihre Angriffe. Der Sieg über diese Bosse gewährt Dylan neue Fähigkeiten, darunter das Verschieben von Astralprojektilen, das Entfesseln von Feuerbällen oder das Beschwören von Pilzfreunden, die Gegner mit ätzenden Sporen schwächen. Die Interaktion mit der Spielwelt ist dabei essenziell, da jeder Sieg die taktischen Möglichkeiten des Spielers erweitert und ihn für die kommenden Herausforderungen stärkt.

Die Geschichte hinter dem paranormalen Chaos

Die Vorgeschichte von „Control: Resonant“ ist eng mit den Ereignissen des ersten Teils verknüpft. Während das „Älteste Haus“ als brutalistisches Hauptquartier des FBC im ersten Spiel das Zentrum der Handlung bildete, hat sich das Phänomen nun auf ganz New York ausgeweitet. Dylans Motivation ist doppelt begründet: Einerseits sucht er nach seiner Schwester Jesse, deren Verschwinden mit einem mysteriösen Diaprojektor in Verbindung steht. Andererseits fühlt er sich moralisch verpflichtet, das Chaos zu beheben, das er durch seine anfängliche Kapitulation vor der Zischinvasion mitverursacht hat. Diese persönliche Komponente verleiht der Erzählung eine emotionale Schwere. Das FBC selbst bleibt dabei ein ambivalenter Akteur: Die Mitarbeiter der Behörde begegnen Dylan mit offener Ablehnung und Feindseligkeit, was die Isolation des Protagonisten innerhalb der Spielwelt unterstreicht. Die bürokratische Natur des FBC, geprägt von strengen Protokollen und geschwärzten Akten, bildet einen scharfen Kontrast zu den surrealen Ereignissen, die sich in den Straßen Manhattans abspielen.

Einflüsse und die Ästhetik des Unheimlichen

Remedy Entertainment versteht es meisterhaft, das Unheimliche im Alltäglichen zu inszenieren. Die kreative Handschrift von Mikael Kasurinen, der kein Geheimnis aus seiner Bewunderung für David Lynchs „Twin Peaks“ macht, ist in jeder Szene spürbar. Auch Anleihen bei „Akte X“ und dem „SCP-Wiki“ sind unverkennbar. Die Spielwelt ist gespickt mit Objekten, die eine eigene, oft beunruhigende Geschichte erzählen: Ein „Kaffeeautomat der Ewigkeit“ oder ein „lebendiger Basketball“, der für zahlreiche Knochenbrüche verantwortlich ist, dienen als Beispiele für die bizarre Logik der Welt. Diese Elemente sind nicht bloßes Dekor, sondern fest in der Lore des FBC verankert. Die Erzählweise ist dabei bewusst fragmentiert; wer sich nur auf die Hauptgeschichte konzentriert, läuft Gefahr, die tieferen Zusammenhänge der physikalischen Anomalien – wie etwa die physikalisch unmögliche Faltung von Wolkenkratzern – zu verpassen. Erst durch das Lesen der unzähligen Dokumente und das Absolvieren von Nebenmissionen erschließt sich das volle Ausmaß des „Mindfuck-Mystery“, das Remedy hier entworfen hat.

Einordnung der Spielmechanik und Atmosphäre

Einzuordnen ist das Spielerlebnis als eine konsequente Weiterentwicklung des Vorgängers. Während viele moderne Blockbuster auf eine aufgeblähte Open World setzen, konzentriert sich „Control: Resonant“ auf eine vertikale Spielwelt, die den Raum in alle Richtungen ausnutzt. Die Bewegungsmechanik beginnt bei simplen Sprints und Doppelsprüngen, entwickelt sich jedoch rasch zu einer fast schwebenden Fortbewegung, die es dem Spieler ermöglicht, an Wänden und Decken zu agieren. Diese Vertikalität ist kein Selbstzweck, sondern ein zentrales Element der Spielmechanik. Die Atmosphäre wird durch die ständige Spannung zwischen dem sterilen Behördenalltag und der transdimensionalen Urenergie getragen. Kritisch betrachtet ist das Spiel eine Liebeserklärung an das Genre des Mystery-Horrors, das durch die spielerische Freiheit bei der Fortbewegung und die Vielfalt der Nebenmissionen – von Karaokeabenden bis hin zur Rettung paranormaler Kinderwagen – eine enorme erzählerische Dichte erreicht, die weit über das übliche Maß hinausgeht.

Die Rolle der Nebenmissionen und des Worldbuildings

Die Welt von „Control: Resonant“ lebt von ihren Details. Neben den großen Bosskämpfen sind es die kleinen, oft skurrilen Nebenmissionen, die das Bild einer lebendigen, wenn auch wahnsinnigen Stadt vervollständigen. Ob man nun einer Hündin ihr Dino-Spielzeug zurückgibt oder eine Katze im Kampf gegen das Zischen unterstützt – diese Aufgaben dienen dazu, den Spieler tiefer in die Welt des FBC zu ziehen. Das Worldbuilding durch geschwärzte Akten und interne Memos der Behörde ist dabei ein bewährtes Mittel, um Neugier zu wecken, ohne alle Geheimnisse sofort preiszugeben. Es ist diese Kombination aus großer, apokalyptischer Bedrohung und den kleinen, fast absurden Geschichten am Rande, die den besonderen Reiz des Titels ausmacht. Die Welt ist nicht einfach nur Kulisse, sondern ein aktiver Teilnehmer am Geschehen, der sich ständig wandelt und den Spieler dazu zwingt, seine Wahrnehmung der Realität kontinuierlich infrage zu stellen.

Offene Fragen im paranormalen Gefüge

Trotz der ausführlichen Erzählweise bleiben einige Aspekte des Spiels bewusst im Vagen. Der Quelltext lässt offen, welche genauen Konsequenzen das Verschwinden von Jesse Faden für die interne Machtstruktur des FBC hat und ob die Behörde in ihrer jetzigen Form überhaupt noch überlebensfähig ist. Auch die Herkunft des Diaprojektors und seine spezifische Verbindung zu den transdimensionalen Rissen wird nicht abschließend geklärt. Ebenso bleibt unklar, wie die „Kaffeelobby“ auf die Existenz des „Kaffeeautomaten der Ewigkeit“ reagiert oder welche weiteren, noch gefährlicheren Objekte im „Museum der Kuriositäten“ lagern könnten. Die genaue Natur der Resonants und ob eine Heilung für diese Individuen theoretisch möglich wäre, wird ebenfalls nicht explizit beantwortet. Diese Leerstellen laden den Spieler dazu ein, eigene Theorien zu entwickeln, während die Hauptgeschichte ihren Lauf nimmt.

Ausblick und Verfügbarkeit

„Control: Resonant“ ist aktuell für die Plattformen Playstation 5, Xbox, Windows-PC und macOS erhältlich. Mit einem Preis von etwa 60 Euro positioniert sich der Titel im Segment der aktuellen Blockbuster-Spiele. Zukünftige Entwicklungen oder Erweiterungen der Spielwelt, etwa durch zusätzliche Inhalte oder Patches, die weitere Geheimnisse der Stadt enthüllen könnten, werden im Quelltext nicht explizit genannt. Der Fokus liegt derzeit auf der Bewältigung der aktuellen Bedrohung durch das Zischen und der Suche nach Jesse Faden. Für Spieler, die sich auf die komplexe und oft verwirrende Welt von Remedy Entertainment einlassen wollen, bietet der Titel eine umfangreiche Erfahrung, die durch ihre spielmechanische Innovation und ihre dichte Atmosphäre besticht. Ob und wie die Geschichte von Dylan Faden nach der Rettung Manhattans fortgesetzt wird, bleibt eine Frage, die erst nach dem Abschluss der Hauptkampagne beantwortet werden kann.

Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/videospiel/control-resonant-von-remedy-manhattan-mindfuck-mystery-201271733.html