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Kopenhagen - Dobrindt berät heute mit EU-Kollegen über Abschiebezentren
Schlagzeilen · 04.09.2026 01:38

Kopenhagen - Dobrindt berät heute mit EU-Kollegen über Abschiebezentren

Kurz: Bundesinnenminister Dobrindt berät in Kopenhagen mit EU-Partnern über die Einrichtung von Abschiebezentren in Drittstaaten, sogenannte Return Hubs.

Was geschehen ist – die Kernmeldung

Am heutigen 4. September 2026 findet in Kopenhagen ein hochrangiges Treffen statt, bei dem Bundesinnenminister Dobrindt mit seinen europäischen Amtskollegen über die konkrete Umsetzung von Abschiebezentren außerhalb der Europäischen Union berät. Im Zentrum der Gespräche steht die Einrichtung sogenannter „Return Hubs“. Diese Zentren sollen als Unterbringungsorte für Menschen dienen, die zur Ausreise verpflichtet sind, jedoch aus verschiedenen Gründen nicht in ihre jeweiligen Herkunftsländer zurückkehren können. Die Bundesregierung treibt dieses Vorhaben gemeinsam mit einem Bündnis aus Österreich, Dänemark, den Niederlanden und Griechenland voran. Das Treffen in der dänischen Hauptstadt markiert nach Angaben des Bundesinnenministeriums den Beginn der letzten Vorbereitungsphase für dieses ambitionierte und politisch umstrittene Projekt. Es wird erwartet, dass die Beteiligten die nächsten strategischen Schritte festlegen, um die rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen für den Betrieb solcher Zentren in Drittstaaten zu finalisieren. Neben den nationalen Ministern nimmt auch der EU-Innenkommissar Brunner an den Beratungen teil, was die europäische Dimension des Vorhabens unterstreicht.

Die Einzelheiten des Vorhabens

Die Pläne für die „Return Hubs“ nehmen durch das Treffen in Kopenhagen eine konkretere Form an. Die beteiligten Nationen – Deutschland, Österreich, Dänemark, die Niederlande und Griechenland – arbeiten eng zusammen, um eine Lösung für Personen zu finden, deren Aufenthaltstitel abgelaufen ist oder die keinen Anspruch auf Asyl haben, die aber dennoch nicht in ihre Heimatländer abgeschoben werden können. Erst in der vergangenen Woche fand eine Delegationsreise nach Ruanda statt, bei der Vertreter der beteiligten Staaten bereits erste Sondierungsgespräche über die Einrichtung solcher Zentren führten. Ruanda wird dabei als ein möglicher Standort gehandelt. Das Bundesinnenministerium betont, dass dies jedoch nur ein Teil der Bemühungen ist; man stehe auch mit weiteren potenziellen Partnerstaaten in Kontakt, um ein Netzwerk für diese Zentren aufzubauen. EU-Innenkommissar Brunner begleitet diesen Prozess eng, um sicherzustellen, dass die nationalen Alleingänge oder Gruppeninitiativen mit den übergeordneten europäischen Zielsetzungen in Einklang gebracht werden können. Die logistische und rechtliche Ausgestaltung dieser Zentren bleibt jedoch eine komplexe Herausforderung, die nun in Kopenhagen im Detail erörtert wird.

Hintergrund und bisheriger Verlauf

Die Debatte um die Auslagerung von Asyl- und Abschiebeverfahren in Drittstaaten ist nicht neu, hat aber durch den Zusammenschluss der fünf EU-Staaten eine neue Dynamik erhalten. Die Bundesregierung hat ihre Strategie in der Migrationspolitik in den vergangenen Monaten zunehmend auf die Suche nach Kooperationen mit Staaten außerhalb der EU konzentriert. Die Idee der „Return Hubs“ ist als Reaktion auf die Schwierigkeiten bei der praktischen Umsetzung von Abschiebungen in Herkunftsländer entstanden. Oftmals verhindern fehlende Rücknahmeabkommen oder die Weigerung der Herkunftsstaaten, die eigenen Staatsbürger wieder aufzunehmen, die Durchsetzung der Ausreisepflicht. Die nun angestrebte Lösung soll diesen gordischen Knoten durch die Schaffung von Zwischenstationen in Drittstaaten durchschlagen. Dass es bereits zu konkreten Gesprächen in Ruanda kam, zeigt, dass die beteiligten Regierungen das Projekt mit hoher Priorität verfolgen und die diplomatischen Kanäle bereits intensiv nutzen, um die notwendigen Vereinbarungen zu treffen.

Die Beteiligten und ihre Positionen

Die Akteure in diesem Prozess sind vielfältig. Auf politischer Ebene federführend sind die Innenminister der beteiligten Länder, allen voran Bundesinnenminister Dobrindt. Die Einbindung von EU-Innenkommissar Brunner verleiht den Gesprächen das notwendige europäische Gewicht. Auf der anderen Seite formiert sich Widerstand aus der Zivilgesellschaft. Menschenrechtsorganisationen, allen voran Amnesty International, haben bereits deutliche Kritik an den Plänen geäußert. Die Organisation warnt eindringlich vor den potenziellen Gefahren für die betroffenen Menschen und befürchtet massive Menschenrechtsverletzungen in den geplanten Zentren. Amnesty International fordert die beteiligten Regierungen auf, von Abkommen mit Staaten abzusehen, die als politisch instabil gelten oder in denen Konflikte herrschen. Diese Kritik trifft auf die Regierungen der fünf EU-Staaten, die jedoch argumentieren, dass die aktuelle Situation eine pragmatische Lösung erfordere, um die Handlungsfähigkeit der europäischen Migrationspolitik zu wahren.

Einordnung und offene Fragen

Einzuordnen ist das Treffen in Kopenhagen als ein deutliches Signal der beteiligten EU-Staaten, die Migrationspolitik stärker nach außen zu verlagern. Den Berichten zufolge soll durch die „Return Hubs“ der Druck auf die nationalen Asylsysteme gemindert werden. Dennoch bleiben zahlreiche Fragen offen, die der Quelltext nicht beantwortet. Es ist unklar, wie genau die rechtliche Absicherung der Menschenrechte in den Drittstaaten garantiert werden soll, insbesondere wenn diese Staaten selbst als instabil gelten. Ebenso wenig ist bekannt, welche finanziellen Mittel für den Betrieb der Zentren veranschlagt werden und wer die Kosten trägt. Auch die Frage, wie die Rückführung aus den Hubs in die eigentlichen Herkunftsländer langfristig sichergestellt werden soll, wird nicht detailliert erläutert. Zudem bleibt offen, welche weiteren Drittstaaten neben Ruanda konkret für eine Zusammenarbeit in Betracht gezogen werden und ob es bereits schriftliche Absichtserklärungen gibt. Die praktische Umsetzung steht also noch vor erheblichen Hürden, die über die bloße politische Absichtserklärung hinausgehen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/flagge-eu-fujifilm-europa-7327873/ · Foto: Christian Wasserfallen
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/dobrindt-beraet-heute-mit-eu-kollegen-ueber-abschiebezentren-100.html