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Kultur · 29.09.2026 18:43

Auftritt mit Ehefrau: Habeck geht einfach immer

Kurz: Robert Habeck und seine Frau Andrea Paluch kehrten im Münchener Lyrik-Kabinett zu ihren literarischen Wurzeln zurück und sprachen über Ted Hughes.

Ein literarischer Abend abseits der Weltpolitik

Am Montagabend fand im Münchener Lyrik-Kabinett eine Veranstaltung statt, die in ihrem Charakter einen deutlichen Kontrast zur üblichen öffentlichen Wahrnehmung von Robert Habeck darstellte. Während der Vizekanzler noch am vorangegangenen Sonntag in der Talkshow von Caren Miosga politische Erklärungen zur Lage der Welt abgab, widmete er sich am Montag gemeinsam mit seiner Ehefrau, der Schriftstellerin Andrea Paluch, einem rein literarischen Thema. Im Zentrum stand die gemeinsame Übersetzung der „Birthday Letters“ des britischen Dichters Ted Hughes, die das Paar bereits im Jahr 1998 für die Frankfurter Verlagsanstalt angefertigt hatte. Die Veranstaltung, moderiert durch den Hausherrn Holger Pils, bot den Anwesenden einen Einblick in eine Zeit, in der das Ehepaar noch intensiv als literarisches Duo zusammenarbeitete. Der Abend wurde durch den Vortrag der englischen Originalfassungen durch Tai Steyn ergänzt, was dem Publikum eine unmittelbare Gegenüberstellung von Hughes’ Lyrik und der deutschen Übertragung ermöglichte. Die Resonanz auf den Auftritt war beachtlich, was unter anderem mit der ungebrochenen Anziehungskraft von Habeck als Person erklärt werden kann, die weit über seine politische Rolle hinausreicht.

Die Arbeit an den „Birthday Letters“ und ihre Entstehungsgeschichte

Die „Birthday Letters“ von Ted Hughes sind ein bedeutender Lyrikzyklus, der sich mit der komplexen und tragischen Beziehung des Dichters zu der amerikanischen Lyrikerin Sylvia Plath auseinandersetzt. Hughes veröffentlichte das Werk erst kurz vor seinem eigenen Tod, nachdem er lange gezögert hatte, die privaten Details dieser Ehe öffentlich zu machen. Der Band erreichte eine Auflage von einer halben Million Exemplaren, was auch auf das öffentliche Interesse an den Hintergründen der Beziehung zurückzuführen war. Plath hatte sich nach sechs Ehejahren und der Geburt zweier Kinder das Leben genommen, ebenso wie später Assia Wevill, mit der Hughes während seiner Ehe eine Affäre unterhielt. Diese Ereignisse prägten das öffentliche Bild von Hughes über Jahrzehnte hinweg massiv. Paluch und Habeck berichteten während des Abends von ihrem mühsamen Übersetzungsprozess, den sie in den späten neunziger Jahren oft nachts am Küchentisch vollzogen. Dabei stießen sie auf zahlreiche sprachliche Hürden, die sie dazu veranlassten, den Autor direkt zu kontaktieren. Die Kommunikation mit Hughes erfolgte damals per Fax, wobei der Dichter überraschend ausführlich und hilfsbereit auf die Fragen des jungen Übersetzerpaares reagierte.

Einblicke in den Austausch mit Ted Hughes

Ein besonderes Highlight der Veranstaltung war die Präsentation von Originalfaxen, die Hughes an das Ehepaar geschickt hatte. Diese Dokumente, die in Klarsichthüllen ausgestellt wurden, belegen die akribische Arbeit am Text. Ein Fax vom 14. Juli 1998, das von den Äußeren Hebriden aus versandt wurde, zeugt von der engen Verbindung, die während der Übersetzungsarbeit entstand. Habeck und Paluch erklärten, dass sie Hughes sogar in Devon besuchen wollten, was jedoch durch dessen überraschenden Tod verhindert wurde. Die Korrespondenz half ihnen dabei, schwierige Begriffe zu entschlüsseln, wie etwa den Namen „Stubbing Wharfe“, der einen Pub in Hebden Bridge bezeichnet, der noch heute existiert. Diese persönlichen Einblicke verdeutlichen, wie tief das Paar in die Welt von Hughes eintauchte, um den spezifischen Ton der Gedichte ins Deutsche zu übertragen. Die Arbeit an den „Birthday Letters“ war für das junge Paar damals ein großer Vertrauensvorschuss des Verlags, da sie zuvor lediglich den Band „Tigerträume“ von Roger McGough übersetzt hatten, der in Deutschland zu diesem Zeitpunkt noch weitgehend unbekannt war.

Die Dynamik zwischen den Akteuren auf der Bühne

Die Gestaltung des Abends im Lyrik-Kabinett war von einer spürbaren Dynamik zwischen Robert Habeck und Andrea Paluch geprägt. Während Paluch die Regie des Abends übernahm und ihren Ehemann bei gelegentlichen flapsigen Bemerkungen korrigierte, zeigte sich Habeck von einer ungewohnt privaten Seite. Wenn Habeck beispielsweise über Sylvia Plath sagte, sie „konnte auch was“, oder komplexe lyrische Stellen mit dem Kommentar „Ist halt Lyrik“ abtat, griff Paluch ordnend ein. Diese Momente verliehen dem Abend eine menschliche und authentische Note. Habeck selbst betonte, wie bedeutsam es für ihn sei, nach langer Zeit wieder gemeinsam mit seiner Frau auf einer Bühne zu stehen. Die zärtlichen Blicke, die er ihr zuwarf, ließen erahnen, wie sehr ihn die Erinnerung an die gemeinsame literarische Vergangenheit berührte. Holger Pils, der Gastgeber, unterstrich in seiner Begrüßung die Vielseitigkeit Habecks, indem er scherzhaft anmerkte, dass aus einem Literaturwissenschaftler eben alles werden könne – eine Anspielung auf dessen politischen Werdegang, der ihn vom Autor zum Vizekanzler führte.

Einordnung der literarischen und biografischen Bedeutung

Den Berichten zufolge ist dieser Abend als eine Rückbesinnung auf die intellektuellen Wurzeln des Ehepaars zu verstehen. Die Einordnung der „Birthday Letters“ hat sich über die Jahre gewandelt: Während Hughes aufgrund der Suizide der beiden Frauen in seinem Leben zeitweise als „toxisches Monster“ diffamiert wurde, rückte später die hohe Qualität seiner Lyrik wieder stärker in den Fokus. Hughes wurde 1984 zum Hofdichter ernannt und später in den Order of Merit aufgenommen. Paluch und Habeck wählten bei ihrer Auseinandersetzung mit den Gedichten einen vorsichtigen Ansatz. Sie vermieden es, klinische Diagnosen wie „Depression“ für Plath zu stellen, obwohl deren psychische Belastungen in den Gedichten thematisiert werden. Einzuordnen ist der Abend somit als eine Würdigung der literarischen Arbeit, die den Fokus weg von der politischen Person Habeck hin zum Literaturübersetzer und Lyrikkenner lenkt. Die Veranstaltung unterstrich, dass die literarische Auseinandersetzung mit Hughes’ Werk auch Jahrzehnte später noch eine hohe Relevanz für das Paar besitzt.

Offene Fragen und zukünftige Perspektiven

Der Quelltext lässt einige Fragen offen, die über den Abend im Lyrik-Kabinett hinausgehen. So wird nicht explizit thematisiert, ob das Ehepaar plant, in Zukunft wieder gemeinsam an literarischen Projekten zu arbeiten, oder ob dies ein einmaliger Rückblick auf ein abgeschlossenes Kapitel ihrer Biografie war. Auch bleibt unklar, wie die genaue Rollenverteilung bei der Übersetzung damals aussah, abgesehen von der gemeinsamen Arbeit am Küchentisch. Ebenso wird nicht erläutert, welche weiteren literarischen Projekte Paluch und Habeck in den vergangenen Jahren unabhängig voneinander verfolgt haben, außer den im Text genannten Hinweisen auf Paluchs eigenen Weg. Was die Zukunft betrifft, so wurden im Text keine spezifischen weiteren Termine für gemeinsame Auftritte oder neue Publikationen genannt. Der Abend im Münchener Lyrik-Kabinett steht somit als ein in sich geschlossenes Ereignis für sich, das die literarische Vergangenheit des Ehepaars in den Mittelpunkt stellte, ohne konkrete neue Projekte für die Zukunft anzukündigen.

Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/literatur/robert-habeck-zu-seinen-lyrikuebersetzungen-von-ted-hughes-201271631.html