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Met-Gala-Ausstellung von Designer John Galliano abgesagt
Kultur · 31.08.2026 17:52

Met-Gala-Ausstellung von Designer John Galliano abgesagt

Kurz: Das Metropolitan Museum of Art hat die geplante Einzelausstellung für den Designer John Galliano nach massiver öffentlicher Kritik wegen dessen Vergangenheit ab

Ein Abschied von der geplanten Werkschau

Das renommierte Metropolitan Museum of Art in New York hat eine weitreichende Entscheidung getroffen, die in der internationalen Modewelt für Aufsehen sorgt. Die für das Jahr 2027 geplante Einzelausstellung, welche das künstlerische Schaffen des Modedesigners John Galliano würdigen sollte, findet nicht statt. Ursprünglich war vorgesehen, dass Galliano nicht nur im Mittelpunkt der Ausstellung stehen, sondern auch die Gestaltung der Met Gala – eines der bedeutendsten gesellschaftlichen Ereignisse im globalen Modekalender – maßgeblich hätte prägen sollen. Am vergangenen Montag verkündeten sowohl das Museum als auch der Designer das Aus für das Projekt. Die Absage ist eine direkte Reaktion auf den massiven öffentlichen Druck, der sich nach der Ankündigung der Schau formiert hatte. Kritiker verwiesen dabei eindringlich auf die dunklen Kapitel in der Biografie des Designers, insbesondere auf seine antisemitischen und rassistischen Entgleisungen aus der Vergangenheit. Das Museum bestätigte, dass die geplante Ausstellung mit dem Titel »John Galliano: Horizons« ersatzlos gestrichen wurde und stattdessen eine alternative Frühjahrsschau präsentiert werden soll, deren Details zu einem späteren Zeitpunkt kommuniziert werden.

Die Hintergründe der Entscheidung und die Beteiligten

Die Entscheidung zur Absage wurde nach intensiven Beratungen getroffen, wie der aus Österreich stammende Museumsdirektor Max Hollein in einer offiziellen Stellungnahme erläuterte. Nach eingehenden Gesprächen zwischen dem Museum und John Galliano sei man gemeinsam zu dem Schluss gelangt, dass die Durchführung der Ausstellung unter den gegebenen Umständen nicht vertretbar sei. Auch der Designer selbst äußerte sich zu dem Vorgang über seinen Instagram-Account. In einem persönlichen Statement erklärte Galliano, dass er nach reiflicher Überlegung und in Abstimmung mit dem Met sowie allen weiteren Beteiligten mit großer Trauer entschieden habe, von dem Projekt Abstand zu nehmen. Er betonte dabei ausdrücklich, dass er die volle Verantwortung für das Leid übernehme, das er in der Vergangenheit durch seine Worte verursacht habe. Besonders hob er den Schmerz hervor, den er der jüdischen sowie der asiatischen Gemeinschaft zugefügt habe. Er versicherte, dass ihm diese Vorfälle nach wie vor zutiefst leid täten und er sich der Schwere seines damaligen Fehlverhaltens bewusst sei.

Ein Blick auf die Vorgeschichte des Designers

John Galliano gilt innerhalb der Modebranche seit Jahrzehnten als ein Ausnahmetalent, das für seine extravaganten und künstlerisch anspruchsvollen Entwürfe weltweit geschätzt wird. Über viele Jahre hinweg prägte er als Kreativdirektor das renommierte Modehaus Christian Dior. Diese erfolgreiche Ära endete jedoch abrupt, als im Zeitraum der Jahre 2010 und 2011 eine Reihe von rassistischen und antisemitischen Äußerungen des Designers an die Öffentlichkeit gelangte. Besonders belastend wirkte damals ein kursierendes Handyvideo, das Galliano in einer Pariser Kneipe zeigte. In diesem Video war zu sehen und zu hören, wie er sich in antisemitischen Schimpftiraden gegen Tischnachbarn äußerte und dabei unter anderem bekundete, er »liebe Hitler«. Diese Vorfälle lösten einen weltweiten Skandal aus, führten zu seiner Entlassung bei Dior und mündeten schließlich in einem gerichtlichen Antisemitismus-Prozess in Frankreich, bei dem er verurteilt wurde. Bereits vor diesem Vorfall hatte es vereinzelt Vorwürfe gegen den Designer gegeben, die nun im Zuge der Debatte um die Met-Ausstellung erneut in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung rückten.

Der Weg der Rehabilitierung und die Rolle der Kritiker

Nach seinem tiefen Fall bemühte sich Galliano über mehrere Jahre hinweg um eine Rehabilitierung in der Modebranche. Ein erster bedeutender Schritt gelang ihm im Jahr 2014, als er vom Pariser Modehaus Maison Margiela verpflichtet wurde. Dort war er für ein Jahrzehnt als kreative Kraft tätig und versuchte, an seine früheren Erfolge anzuknüpfen. Dennoch blieb seine Vergangenheit ein kontroverses Thema. Das Metropolitan Museum of Art hatte bereits vor der offiziellen Ankündigung der Ausstellung versucht, proaktiv zu agieren, indem es Gespräche mit Vertretern der jüdischen Gemeinde führte. Ziel war es, mögliche Gegenreaktionen frühzeitig abzufangen und zu kanalisieren. Doch die Bemühungen des Museums blieben weitgehend wirkungslos; die Empörung in der Öffentlichkeit nahm nach Bekanntwerden der Pläne sogar noch an Schärfe zu. Zu den profiliertesten Gegnerinnen der Ausstellung zählte Julie Menin, die Sprecherin des New Yorker Stadtrats. Sie begleitete den Prozess kritisch und führte nach eigenen Angaben langwierige Gespräche mit der Museumsleitung, um ihre Ablehnung deutlich zu machen.

Einordnung der Absage durch die Akteure

Die Einordnung der Absage lässt sich durch die Aussagen der beteiligten Akteure nachvollziehen. Julie Menin begrüßte die Entscheidung des Museums ausdrücklich. Sie betonte, dass sie von Beginn an ihre strikte Ablehnung gegenüber der Ehrung Gallianos kommuniziert habe. In einer öffentlichen Erklärung bezeichnete sie die ursprüngliche Planung des Museums als einen »Schlag in die Magengrube« für die jüdischen Mitbürger, insbesondere in einer Zeit, in der der Antisemitismus weltweit wieder zunehme. Ihrer Ansicht nach ist die nun getroffene Entscheidung die einzig richtige Konsequenz, da der durch den Designer verursachte Schaden und der damit verbundene emotionale Schmerz schlichtweg inakzeptabel seien. Den Berichten zufolge war der Druck durch Vertreter der Zivilgesellschaft und der Politik so groß geworden, dass eine Durchführung der Ausstellung das Ansehen des Museums sowie den sozialen Frieden innerhalb der jüdischen Gemeinschaft in New York nachhaltig hätte gefährden können. Die Absage wird somit als notwendige Reaktion auf die moralische Verantwortung des Museums gedeutet, die über die rein ästhetische Würdigung eines Modeschöpfers hinausgeht.

Offene Fragen und der weitere Verlauf

Obwohl die Absage der Ausstellung nun offiziell bestätigt wurde, bleiben einige Aspekte des Vorfalls unbeantwortet. So geht aus dem vorliegenden Quelltext nicht hervor, welche konkreten internen Prozesse im Metropolitan Museum of Art zu der ursprünglichen Entscheidung führten, Galliano trotz seiner bekannten Vergangenheit zu ehren. Auch bleibt offen, ob es bereits finanzielle Investitionen in die Vorbereitung der Schau gab und wie diese nun kompensiert werden. Ebenso ist nicht bekannt, welche inhaltlichen Schwerpunkte die nun angekündigte Ersatz-Ausstellung setzen wird, die den Platz von »John Galliano: Horizons« einnehmen soll. Was den weiteren Verlauf betrifft, so hat das Museum lediglich angekündigt, dass Informationen zur neuen Frühjahrsausstellung zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht werden. Für John Galliano bedeutet die Absage einen herben Rückschlag in seiner öffentlichen Wahrnehmung, auch wenn er sich in seinem Statement einsichtig zeigte. Die Frage, ob und wie der Designer in Zukunft noch einmal eine derartige öffentliche Bühne in einer Institution von Weltrang erhalten könnte, bleibt angesichts der aktuellen Ereignisse und der anhaltenden Sensibilität gegenüber seinem Fehlverhalten völlig offen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/licht-eleganz-modefotografie-auswahl-20067574/ · Foto: Sümeyye Başbil
Quelle: https://www.spiegel.de/kultur/met-gala-ausstellung-von-designer-john-galliano-abgesagt-a-29959832-dcbd-4aeb-bd01-9f14f9ced6f3#ref=rss