Sicherheitslage führt zur Absage des „Zug der Liebe“
Die Berliner Kulturszene reagiert auf den jüngsten Terroranschlag am Rande des Christopher Street Days (CSD) mit einer weitreichenden Entscheidung: Die für den 29. August geplante Technoparade „Zug der Liebe“ wird in diesem Jahr nicht stattfinden. Die Organisatoren gaben bekannt, dass die Ereignisse rund um den CSD die Rahmenbedingungen für öffentliche Großveranstaltungen in der Hauptstadt grundlegend verändert haben.
Veränderte gesellschaftliche Stimmung als Hauptgrund
Obwohl die Veranstalter einräumten, dass es im Vorfeld bereits logistische Herausforderungen gab – etwa bei der Anmietung von Lastwagen sowie bei Verhandlungen mit der Versammlungsbehörde über die zulässige Lautstärke –, war dies nicht ausschlaggebend für die Absage. Vielmehr sei es die spürbare Veränderung des gesellschaftlichen Klimas, die eine Durchführung unmöglich mache.
Die Grundidee des „Zug der Liebe“ war stets die Schaffung eines angstfreien, unbeschwerten Raumes für politischen Protest. Nach Ansicht der Organisatoren stünde eine Durchführung unter den aktuell notwendigen Sicherheitsvorkehrungen in einem direkten Widerspruch zu diesem Selbstverständnis. Eine Parade in der aktuellen Lage hätte massive Auflagen erfordert, darunter:
* Die Installation von Wegfahrsperren
* Durchführung von Personenkontrollen
* Eine deutlich erhöhte Präsenz von schwer bewaffneten Polizeikräften
Diese Maßnahmen, so die Veranstalter, seien mit dem Geist eines friedlichen und offenen Protests nicht vereinbar.
Solidarität mit dem RAW-Gelände
Die Absage bedeutet jedoch nicht das vollständige Verstummen der geplanten Bewegung. Die Organisatoren haben angekündigt, die bereits für den Umzug vorgesehenen Trucks anderweitig einzusetzen. Statt die Parade ersatzlos zu streichen, sollen die Ressourcen genutzt werden, um die Demonstration zum Erhalt des Berliner RAW-Geländes zu unterstützen. Dieser Schritt wird als bewusste Entscheidung verstanden, die Kräfte zu bündeln und die bedrohte Berliner Kulturlandschaft aktiv zu verteidigen.
„Rave the Planet“ hält an Plänen fest
Während der „Zug der Liebe“ aussetzt, gibt es für eine andere große Technoveranstaltung in Berlin grünes Licht. Die Organisatoren von „Rave the Planet“, angeführt von Matthias Roeingh – besser bekannt als Dr. Motte – und Ellen Dosch-Roeingh, bestätigten, dass ihr Event wie geplant am 15. August stattfinden wird. Nach intensiven internen Beratungen und unter Berücksichtigung der Wünsche der Community sei die Entscheidung getroffen worden, die Parade durchzuführen.
Der Veranstaltungsort von „Rave the Planet“ liegt zwischen dem Brandenburger Tor und der Siegessäule auf der Straße des 17. Juni. Dies ist ein Bereich, der in unmittelbarer Nähe zum Tiergarten liegt, wo sich der islamistisch motivierte Anschlag am späten Samstagabend ereignete. Bei diesem Vorfall kam eine Frau ums Leben, 31 weitere Personen wurden verletzt, einige davon schwer. Der Täter wurde einen Tag später bei einem polizeilichen Zugriff erschossen.
Die Absage des „Zug der Liebe“ markiert einen deutlichen Einschnitt in das Berliner Kulturleben. Sie verdeutlicht, wie tiefgreifend die Auswirkungen eines Terroranschlags auf die Planung und Durchführung öffentlicher Versammlungen wirken und wie sensibel die Veranstalter auf das veränderte Sicherheitsgefühl der Bevölkerung reagieren.