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Volksbühne: Event nach rassistischen Drohungen abgesagt
Schlagzeilen · 14.08.2026 16:55

Volksbühne: Event nach rassistischen Drohungen abgesagt

Kurz: Nach massiven rassistischen Drohungen wurde ein geplantes Schwimm-Event für Schwarze an der Berliner Volksbühne abgesagt. Politik und Experten kritisieren dies.

Was geschehen ist – die Kernmeldung

Die Berliner Volksbühne und der Verein „Each One Teach One“ (Eoto) haben ein für den 14. August 2026 geplantes Schwimm-Event für Schwarze Menschen im Volksbad kurzfristig abgesagt. Die Entscheidung fiel am Tag vor dem geplanten Termin, nachdem das Projekt massiv in die öffentliche Kritik geraten war. Die Verantwortlichen begründeten den Schritt offiziell mit Sicherheitsbedenken. Es sei nicht möglich gewesen, eine gefahrlose An- und Abreise der angemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu garantieren. Zudem habe man den Kindern und Jugendlichen einen unbeschwerten Feriennachmittag nicht mehr gewährleisten können, da die Stimmung im Vorfeld durch rassistische Drohungen und Anfeindungen gegen den Verein Eoto sowie das Theater selbst vergiftet worden war. Die Absage markiert den vorläufigen Höhepunkt einer intensiven gesellschaftlichen Debatte über Exklusivität, Rassismus und die Deutungshoheit von Diskriminierungserfahrungen in der deutschen Hauptstadt.

Die Einzelheiten des Vorfalls

Das Projekt war Teil einer Initiative des neuen Intendanten der Volksbühne, Matthias Lilienthal, der das Schwimmbecken vor dem Theater als Ort der Begegnung und als Symbol gegen die marode Infrastruktur in Berlin etablieren wollte. Der Verein Eoto, der sich auf Rassismusprävention und Empowerment spezialisiert hat, sollte an diesem Nachmittag exklusiv Räume für Schwarze Kinder und Jugendliche schaffen. Die Absage erfolgte nach einer Welle von Hassbotschaften. Der Verein Eoto berichtete von rassistischen Droh-E-Mails sowie Gewaltandrohungen und diskriminierenden Kommentaren auf sozialen Medienplattformen. Diese Anfeindungen richteten sich gezielt gegen die Akteure und das Konzept der Veranstaltung. Die Verantwortlichen betonten, dass der Schutz der Gäste, Partner und Mitarbeiter oberste Priorität habe. Trotz der Absage stellte Intendant Lilienthal klar, dass die Volksbühne weiterhin positive Maßnahmen für strukturell benachteiligte Gruppen anbieten werde und die Zusammenarbeit mit Eoto fortgesetzt werden soll.

Hintergrund und bisheriger Verlauf

Die Idee hinter dem Schwimm-Event war es, einen geschützten Raum zu bieten, in dem sich Schwarze Kinder und Jugendliche ohne Angst vor Demütigung oder rassistischer Gewalt bewegen konnten. Politologin Emilia Zenzile Roig erläuterte, dass Rassismus für Schwarze Menschen in Deutschland in vielen Lebensbereichen allgegenwärtig sei – sei es in der Schule, auf dem Arbeitsmarkt, im Justizsystem oder im öffentlichen Raum. Schwimmbäder seien oft Orte, an denen Schwarze Menschen mit Vorurteilen konfrontiert würden, etwa durch Beschimpfungen oder die Unterstellung, sie würden das Wasser verschmutzen. Die Volksbühne hatte bereits an anderen Tagen ähnliche exklusive Zeitfenster für verschiedene Vereine ermöglicht. Das Konzept der Exklusivität stieß jedoch auf heftigen Widerstand. Während die Veranstalter von einem notwendigen Schutzraum sprachen, wurde das Vorhaben von politischen Akteuren wie AfD-Chefin Alice Weidel als „Apartheid“ diffamiert. Auch eine junge Berliner CDU-Kommunalpolitikerin äußerte Unverständnis und empfand den Ausschluss weißer Menschen als diskriminierend.

Die beteiligten Akteure

Zentral an der Planung beteiligt waren die Berliner Volksbühne unter der Leitung von Intendant Matthias Lilienthal sowie der Verein „Each One Teach One“ (Eoto). Auf der Seite der Kritiker trat insbesondere die AfD-Vorsitzende Alice Weidel in Erscheinung, die das Event mit dem historischen System der Apartheid verglich. Auch Stimmen aus der Berliner CDU kritisierten das Vorhaben als diskriminierend gegenüber weißen Menschen. Auf der anderen Seite der Debatte äußerten sich Vertreter von Linken und Grünen schockiert über die Absage. Elif Eralp, Spitzenkandidatin der Linken in Berlin, bezeichnete die Notwendigkeit der Absage als „unerträglich“ und als Zeichen dafür, wie sehr Hass und Hetze in der Gesellschaft um sich griffen. Werner Graf, Spitzenkandidat der Grünen in Berlin, nannte den Vorfall einen „Skandal“ und „beschämend“ für eine Stadt, die für Freiheit stehen wolle. Die Politologin Emilia Zenzile Roig ordnete die Ereignisse als eine bewusste Umdeutung der Rassismus-Realität ein.

Einordnung der Debatte

Einzuordnen ist das Geschehen als ein Symptom für eine tief gespaltene Debatte über strukturellen Rassismus. Den Berichten zufolge gelang es Kritikern, das Narrativ eines „anti-weißen Rassismus“ erfolgreich zu etablieren. Laut Emilia Zenzile Roig wurde die Intention des Vereins – Kindern einen angstfreien Raum zu bieten – bewusst missverstanden und umgedeutet. Dies habe den Rechten in die Karten gespielt, da bei vielen Menschen der Eindruck entstanden sei, es gehe lediglich um einen Ausschluss aufgrund der Hautfarbe bei sommerlichen Temperaturen. Roig warnt davor, dass diese verzerrte Darstellung der Realität nun in der Welt sei und sich kaum noch korrigieren lasse. Den Berichten zufolge sei das Ziel der Veranstalter keineswegs eine dauerhafte Abschottung der Gesellschaft gewesen, sondern lediglich ein zeitlich begrenzter Schutzraum für eine besonders vulnerabel Gruppe. Die Eskalation zeigt, wie schnell politische Kampagnen die Intentionen zivilgesellschaftlicher Projekte überlagern und in Sicherheitsbedrohungen umschlagen können.

Offene Fragen zum Vorfall

Der vorliegende Quelltext lässt einige Fragen unbeantwortet, die für ein vollständiges Verständnis der Ereignisse relevant wären. So bleibt unklar, welche konkreten Sicherheitsvorkehrungen im Vorfeld getroffen wurden und ab welchem Punkt die Polizei oder andere Sicherheitsbehörden in die Gefährdungsanalyse einbezogen wurden. Ebenso wenig wird detailliert ausgeführt, wie die Kommunikation zwischen der Volksbühne und den Sicherheitsbehörden verlief, bevor die Entscheidung zur Absage fiel. Auch über die genaue Zusammensetzung der Drohungen, abgesehen von der Erwähnung von E-Mails und Social-Media-Kommentaren, liegen keine weiteren Details vor. Es wird nicht explizit benannt, ob es konkrete Hinweise auf eine physische Störung des Events gab oder ob die Absage eine reine Vorsichtsmaßnahme aufgrund der allgemeinen Stimmungslage war. Die genaue Anzahl der angemeldeten Kinder und Jugendlichen wird ebenso wenig genannt wie die Frage, ob es nach der Absage direkte Reaktionen der angemeldeten Familien gab.

Wie es weitergeht

Für die Berliner Volksbühne und den Verein Eoto ist die Absage kein Ende der Zusammenarbeit. Intendant Matthias Lilienthal betonte ausdrücklich, dass die Kooperation fortgesetzt werden soll. Auch wenn das spezifische Schwimm-Event für Schwarze Kinder und Jugendliche im Volksbad nicht stattfinden konnte, hält die Theaterleitung an ihrem Kurs fest, positive Maßnahmen für strukturell benachteiligte Menschen anzubieten. Welche konkreten Formate in Zukunft geplant sind oder ob das Schwimmbecken unter geänderten Sicherheitsvorkehrungen erneut für exklusive Gruppen geöffnet wird, bleibt abzuwarten. Die Debatte um die Nutzung des öffentlichen Raums und die Frage, wie Schutzräume in einer polarisierten Stadtgesellschaft gestaltet werden können, wird die Berliner Politik und die zivilgesellschaftlichen Akteure vermutlich noch länger beschäftigen. Es gibt derzeit keine neuen Termine für eine ähnliche Veranstaltung, die in diesem Kontext kommuniziert wurden. Die Verantwortlichen konzentrieren sich nun darauf, den Schutz ihrer Gäste und Mitarbeiter für künftige Projekte neu zu bewerten.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/schwarz-und-weiss-schwarzweiss-auto-eingang-9308217/ · Foto: Eugene Laszczewski
Quelle: https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/volksbad-schwimm-event-schwarze-abgesagt-100.html