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Umbau der Penn Station: Gibt Trump New York seinen alten Glanz zurück?
Kultur · 31.08.2026 17:15

Umbau der Penn Station: Gibt Trump New York seinen alten Glanz zurück?

Kurz: Ein ehrgeiziger Umbauplan für die New Yorker Penn Station soll den Bahnhof in ein würdiges Stadttor verwandeln. Doch die Geschichte des Ortes bleibt komplex.

Ein neues Gesicht für das Eingangstor New Yorks

Die New Yorker Penn Station, einer der meistfrequentierten Bahnhöfe der Welt mit täglich rund 600.000 Passagieren, steht vor einer umfassenden architektonischen Neugestaltung. Was als notwendige Modernisierung beginnt, wird von der aktuellen US-Regierung als ein Projekt von historischer Tragweite inszeniert. Ziel ist es, den Bahnhof, der seit Jahrzehnten als funktionaler, aber ästhetisch unbefriedigender Transitraum gilt, in ein repräsentatives Stadttor zu verwandeln. Die Kernmeldung hinter diesem Vorhaben ist der Wille, die architektonische Würde des Ortes wiederherzustellen, die nach dem Abriss des ursprünglichen Gebäudes im Jahr 1963 verloren ging. Verkehrsminister Sean Duffy kündigte am 8. Juni an, dass ein „Verkehrsknotenpunkt nach höchstem Standard“ entstehen soll. Mit einem geschätzten Investitionsvolumen von rund acht Milliarden Dollar übertrifft das Vorhaben frühere Infrastrukturprojekte, wie etwa den World Trade Center-Verkehrsknotenpunkt von Santiago Calatrava, bei weitem. Das Projekt zielt darauf ab, die baulichen Unzulänglichkeiten des gegenwärtigen Labyrinths zu beseitigen und den Reisenden eine Umgebung zu bieten, die den Ansprüchen einer Weltmetropole gerecht wird.

Die architektonischen Details und der Einfluss der Administration

Der Entwurf für die Neugestaltung stammt von dem Architekturbüro Practice for Architecture and Urbanism (PAU) unter der Leitung von Vishaan Chakrabarti. Die architektonische Sprache des Projekts ist eng mit den Vorgaben der Trump-Administration verknüpft, die für öffentliche Gebäude einen „klassischen“ Stil bevorzugt. Der Entwurf verzichtet zwar auf antikische Säulen, setzt jedoch auf eine eindrucksvolle Reihe von Bündelpfeilern, die einen Architrav tragen. Über diesem Bereich erhebt sich die neu verkleidete Rotunde des Madison Square Gardens. Besonders markant ist die Gestaltung der Fassade an der Achten Avenue, die bisher keinen direkten Zugang zum Bahnhof bot. Kritiker verweisen auf Anleihen beim Art déco der 1930er Jahre, ein Stil, der in den USA durch öffentliche Bauten der Roosevelt-Ära tief verwurzelt ist. Diese Wahl entspricht den offiziellen Richtlinien für Bundesbauten, die neben neoklassizistischen und anderen historischen Stilen explizit den Art-déco-Stil als zulässig definieren. Das Projekt soll den Bahnhof als bedeutendes Baudenkmal etablieren, das die Wahrnehmung der Stadt grundlegend verändert.

Der lange Schatten der Geschichte

Die aktuelle Planung ist untrennbar mit dem Trauma des Jahres 1963 verbunden, als die ursprüngliche Penn Station, ein Meisterwerk des Architekturbüros McKim, Mead and White, abgerissen wurde. Dieser Bau, der 1910 eröffnet wurde, galt als Inbegriff des Beaux-Arts-Stils und war mit seinen monumentalen Hallen, die an die römischen Caracalla-Thermen erinnerten, ein architektonisches Juwel. Der Abriss erfolgte, um Platz für den Madison Square Garden zu schaffen, dessen Betreiber das Baurecht oberhalb der Gleisanlagen erwarben. Der Verlust dieses Gebäudes löste in New York einen bis heute spürbaren „Phantomschmerz“ aus. Der Architekturkritiker Vincent Scully brachte das Gefühl der Entfremdung auf den Punkt, als er feststellte, dass man den Bahnhof früher wie ein Gott betreten habe, heute jedoch wie eine Ratte hineinhusche. Seit 1968 ist die Penn Station ein mediokres Bauwerk, das lediglich der Zweckerfüllung dient. Die Debatte über den Umbau ist somit auch eine Auseinandersetzung mit der Architekturgeschichte der Stadt und dem Wunsch, die verlorene Pracht in einer zeitgemäßen Form wiederzubeleben.

Die Akteure hinter dem Großprojekt

Das Projekt wird maßgeblich von der Trump-Administration vorangetrieben, die im vergangenen Jahr die Zuständigkeiten für den Umbau an sich gezogen hat. Verkehrsminister Sean Duffy fungiert dabei als zentraler Akteur, der das Vorhaben als ein bedeutendes Vermächtnis für kommende Generationen bewirbt. Auf der ausführenden Seite steht das Unternehmen Halmar International, das mittlerweile zum italienischen Autobahnbetreiber ATSM gehört. Halmar hat sich durch umfangreiche Infrastrukturprojekte im Schienenverkehr, insbesondere bei der Long Island Railroad (LIRR), als Partner für derartige Großvorhaben empfohlen. Auf der architektonischen Seite zeichnet Vishaan Chakrabarti, ein Absolvent von Berkeley und dem MIT, verantwortlich. Er ist der Prinzipal des Büros PAU. Die Eigentümer des Madison Square Gardens, die das Gebäude an seinem angestammten Platz belassen, spielen eine entscheidende Rolle, da sie einer Verlegung der Arena, die von vielen Experten als Voraussetzung für eine vollständige architektonische Wiederherstellung des Bahnhofs angesehen wurde, konsequent widersprochen haben.

Einordnung des Vorhabens

Einzuordnen ist das Projekt als ein Versuch, die städtebauliche Identität New Yorks durch eine konservative architektonische Ästhetik zu stärken. Den Berichten zufolge ist der Entwurf ein Kompromiss, da er den Madison Square Garden als bauliches Kernproblem unangetastet lässt. Die Entscheidung, den Garden nicht zu verlegen, bedeutet, dass eine Rückkehr zur alten Pracht des Bahnhofs von 1910 ausgeschlossen bleibt. Dennoch stellt die geplante Anhebung der Deckenhöhe in der Verteilerebene auf 15 Meter eine deutliche Verbesserung der räumlichen Qualität dar. Die architektonische Anlehnung an den Art déco und die Beaux-Arts-Tradition ist als bewusste Abkehr von der funktionalistischen Moderne zu verstehen. Kritiker weisen darauf hin, dass die Entwürfe zwar visuell beeindruckend sind, jedoch eine Diskrepanz zwischen der repräsentativen Hülle und der tatsächlichen Funktion eines hochfrequentierten Verkehrsknotenpunkts bestehen könnte. Die Inszenierung des Projekts durch die Regierung unterstreicht den Anspruch, Architektur als Mittel der politischen Repräsentation zu nutzen.

Offene Fragen zur Realisierung

Trotz der groß angelegten Ankündigungen bleiben wesentliche Aspekte des Projekts im Dunkeln. Der Quelltext lässt ausdrücklich offen, wie die Finanzierung des acht Milliarden Dollar schweren Vorhabens im Detail strukturiert ist. Es gibt keine Informationen darüber, welcher Anteil der Kosten von staatlicher Seite getragen wird und ob private Investoren oder die Bahngesellschaften selbst finanziell in die Pflicht genommen werden. Zudem bleibt unklar, wie die logistischen Herausforderungen während der Bauphase bewältigt werden sollen, ohne den laufenden Betrieb der 600.000 Passagiere täglich massiv zu stören. Auch die Frage, wie die Integration der verschiedenen U-Bahn-Linien, die derzeit kein zusammenhängendes Ganzes bilden, in den neuen Entwurf gelingen soll, wird nicht detailliert beantwortet. Die Renderings zeigen zwar eine großzügige Halle, doch es ist unklar, ob diese den tatsächlichen Anforderungen an den Publikumsverkehr in Stoßzeiten standhalten kann. Die genauen Zeitpläne für die einzelnen Bauabschnitte sowie das Datum für den Baubeginn und die Fertigstellung werden im vorliegenden Text nicht genannt.

Der Weg in die Zukunft

Die nächsten Schritte des Projekts sind eng mit der weiteren Planung durch das Büro PAU und der Koordination durch das Verkehrsministerium verbunden. Da die Zuständigkeiten nun zentralisiert wurden, ist mit einer Beschleunigung der administrativen Prozesse zu rechnen. Die Einbindung von Halmar International deutet darauf hin, dass die technische Umsetzung auf bewährte Strukturen im New Yorker Infrastrukturbau zurückgreift. Eine der zentralen Herausforderungen der kommenden Monate wird die Abstimmung mit den verschiedenen Verkehrsunternehmen sein, die die Penn Station nutzen. Ob es zu weiteren Anpassungen am Entwurf kommt, insbesondere hinsichtlich der Kritik an der architektonischen Anmutung, bleibt abzuwarten. Die Öffentlichkeit wird die weiteren Entwicklungen aufmerksam verfolgen, insbesondere da das Projekt als ein Testfall für die architektonische Ausrichtung öffentlicher Bauten unter der aktuellen Regierung gilt. Termine für öffentliche Anhörungen oder weitere Präsentationen des Entwurfs wurden bisher nicht kommuniziert, sodass die weitere Entwicklung maßgeblich von den Entscheidungen der Trump-Administration abhängen wird.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/zug-uhr-penn-station-18589059/ · Foto: Brent Singleton
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst-und-architektur/architektur/umbau-penn-station-gibt-trump-new-york-seinen-alten-glanz-zurueck-201168125.html