Einigung im langjährigen Filmstreit
Der Regisseur Wim Wenders und die Schauspielerin Nastassja Kinski haben ihren jahrelangen Konflikt um den Film „Falsche Bewegung“ aus dem Jahr 1975 beigelegt. Wie in einer gemeinsamen Erklärung bekannt gegeben wurde, hat sich Wenders dazu bereit erklärt, eine umstrittene Sequenz aus dem Werk zu entfernen. Damit kommt der Filmemacher einem langjährigen Wunsch der Schauspielerin nach, die sich seit Jahren für eine Streichung der Szene eingesetzt hatte.
Hintergrund der Auseinandersetzung
Im Zentrum der Kritik stand eine etwa zweiminütige Sequenz, in der die damals 13-jährige Nastassja Kinski mit nacktem Oberkörper zu sehen ist. In der Szene trägt die junge Darstellerin lediglich eine Unterhose; sie wird von einem Mann geohrfeigt und anschließend im Gesicht gestreichelt. Die Darstellung einer Minderjährigen in dieser Form sorgte in der jüngeren Vergangenheit für heftige Diskussionen und brachte Wenders zunehmend in die Kritik.
Wenders' Haltung zum Filmerbe
Bereits im Mai äußerte sich Wenders anlässlich des Deutschen Filmpreises zu der Thematik. Er betonte, dass er eine solche Szene aus heutiger Sicht nicht mehr drehen würde. Gleichzeitig verwies er auf die Schwierigkeit, das eigene frühere Schaffen aus der Perspektive der heutigen Zeit zu bewerten. Er habe den Film in einem anderen zeitlichen Kontext realisiert, stellte sich jedoch der Frage, wie Filmschaffende verantwortungsvoll mit ihrem kulturellen Erbe umgehen sollten.
Im Juni zog Wenders den Film „Falsche Bewegung“ vorübergehend aus dem Verkehr. Er wies Streaming-Anbieter, TV-Sender und Vertriebspartner an, das Werk nicht mehr öffentlich zugänglich zu machen. In diesem Zuge richtete er eine direkte Entschuldigung an Kinski: Als einziger noch lebender Hauptverantwortlicher der Produktion räumte er ein, dass die Schauspielerin damals besser hätte geschützt werden müssen. Er bat sie „ohne Wenn und Aber“ um Entschuldigung.
Versöhnung und Zukunft des Films
Die nun getroffene Vereinbarung soll den langjährigen Streit endgültig beenden. Beide Parteien betonten, dass sie das Ziel verfolgen, die Erinnerung an den Film nicht länger durch den Konflikt zu belasten. Zudem soll durch diesen Schritt der freundschaftliche Umgang zwischen dem Regisseur und der Schauspielerin wiederhergestellt werden.
Der Fall „Falsche Bewegung“ ist Teil einer breiteren gesellschaftlichen Debatte über den Umgang mit der Sexualisierung von Minderjährigen in der Filmgeschichte. Auch andere Regisseure sahen sich in der Vergangenheit mit ähnlichen Vorwürfen konfrontiert, was die Frage aufwirft, wie die Filmindustrie künftig mit historischem Material umgeht, das heutigen ethischen Standards nicht mehr entspricht.