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Nacktszene mit Kinski: Wim Wenders macht einen Schnitt
Technik · 02.08.2026 13:08

Nacktszene mit Kinski: Wim Wenders macht einen Schnitt

Kurz: Wim Wenders entfernt eine umstrittene Nacktszene mit der damals minderjährigen Nastassja Kinski aus seinem Film „Falsche Bewegung“. Ein Schritt mit Signalwirkun

Ein filmhistorischer Schnitt

Nach langjährigen Auseinandersetzungen hat der Regisseur Wim Wenders eine weitreichende Entscheidung für sein filmisches Werk getroffen. Er entfernt eine rund zweiminütige Sequenz aus seinem 1975 erschienenen Film „Falsche Bewegung“. In der betreffenden Szene ist die damals 13-jährige Nastassja Kinski mit entblößter Brust zu sehen. Die Entscheidung markiert das Ende eines Konflikts, der die deutsche Filmszene in den letzten Wochen intensiv beschäftigt hat.

Hintergrund des Konflikts

Die Auseinandersetzung zwischen dem Regisseur und der Schauspielerin währte bereits seit etwa 15 Jahren. Nastassja Kinski hatte in diesem Zeitraum wiederholt den Wunsch geäußert, die für sie belastende Szene aus dem Film zu entfernen. Über lange Zeit hinweg fand dieser Wunsch jedoch kein Gehör. Erst im Mai dieses Jahres machte Kinski ihre Sicht der Dinge öffentlich und schilderte in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“, wie sehr sie die Aufnahmen bis heute belasten.

Die Szene zeigt ein junges Mädchen in einer Situation, die eine Entjungferung andeutet, während ein erwachsener Mann sie physisch bedrängt. Die Kritik an der Darstellung eines minderjährigen Kindes in einem derart sexualisierten Kontext wurde durch die öffentliche Debatte neu befeuert.

Wandel in der Haltung des Regisseurs

Lange Zeit hatte Wenders auf sein künstlerisches Selbstverständnis und den Zeitgeist der 1970er Jahre verwiesen. Noch bei der Verleihung des Ehrenpreises des Deutschen Filmpreises Ende Mai argumentierte er mit dem Begriff des „Filmerbes“ und versuchte, die Verantwortung für die Bewertung der Szene an die Deutsche Filmakademie abzugeben. Dieser Ansatz stieß auf breites Unverständnis und wurde als Versuch gewertet, die betroffene Schauspielerin in eine Verteidigungsposition zu drängen.

Kurz darauf vollzog Wenders jedoch eine Kehrtwende. Er zog den Film aus allen aktuellen Auswertungsformen zurück und bekannte sich zu seiner persönlichen Verantwortung. In einer offiziellen Stellungnahme räumte er ein, dass Nastassja Kinski während der Dreharbeiten besser hätte geschützt werden müssen. Er entschuldigte sich bei ihr „ohne Wenn und Aber“.

Konsequenzen für das Werk

Die neue Fassung von „Falsche Bewegung“ wurde Kinski bereits zur Sichtung vorgelegt. Laut der Wim Wenders Stiftung wird die ursprüngliche Version des Films nicht mehr öffentlich zugänglich gemacht. Der Schnitt wird von Wenders als Ausdruck einer veränderten Sichtweise und als Zeichen des Respekts gegenüber der Schauspielerin verstanden. Ziel der Einigung sei es, dass die Erinnerung an den Film künftig nicht mehr durch diesen Konflikt belastet wird und ein freundschaftlicher Umgang wiederhergestellt werden kann.

Debatte über Schutz und Verantwortung

Der Fall wirft grundlegende Fragen über den Umgang mit historischen Werken und die Verantwortung von Filmschaffenden auf. Wenders betonte, er wünsche sich, dass aus der schmerzhaften Auseinandersetzung eine Diskussion über den Schutz von Darstellern und die Verantwortung am Filmset entstehe.

Kritiker merken an, dass die Notwendigkeit, ein Kind vor einer solchen Inszenierung zu schützen, nicht erst in der heutigen Zeit hätte erkannt werden müssen. Dass diese Einsicht erst nach eineinhalb Jahrzehnten des Bittens und einer öffentlichen Debatte erfolgte, wird als Versäumnis gewertet.

Wie geht es weiter?

Wenders plant, den Dialog über Verantwortung im Film und die Einordnung historischer Werke gemeinsam mit seiner Stiftung und Partnern aus Kultur und Wissenschaft fortzusetzen. Ob und wie dieser Diskurs die Debatte über das Filmerbe beeinflussen wird, bleibt abzuwarten. Fest steht, dass die Entscheidung, die Szene zu entfernen, eine neue Perspektive auf den Umgang mit ethischen Standards in der Filmgeschichte eröffnet.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/tippen-studio-drinnen-digital-8721342/ · Foto: cottonbro studio
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/medienpolitik/wenders-schneidet-nacktszene-mit-13jaehriger-kinski-aus-film-was-folgt-daraus-201087284.html