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Münchner Galerien: Geteilte Saisonstart ist doppelter Saisonstart
Kultur · 16.09.2026 19:23

Münchner Galerien: Geteilte Saisonstart ist doppelter Saisonstart

Kurz: München startet doppelt in den Kunstherbst: Während die „Various Others“ das Wochenende einläuten, folgt die „Open Art“ im Oktober. Ein Blick auf die Szene.

Ein doppelter Auftakt für die Kunstmetropole

In der bayerischen Landeshauptstadt München vollzieht sich in diesem Jahr ein besonderes Phänomen, das den Kunstherbst auf eine ungewöhnliche Weise prägt. Während andere Kunstzentren üblicherweise einen einzigen, zentralen Termin für die Eröffnung ihrer Herbstsaison wählen, setzt München auf eine zweigeteilte Strategie. An diesem Wochenende markieren die sogenannten „Various Others“ (V.O.) den offiziellen Startschuss für die zeitgenössische Kunstszene. Dies geschieht in einer Zeit, in der die Stadt ihre Position als bedeutender Standort für Galerien und künstlerische Diskurse festigen möchte. Doch damit ist das Programm noch lange nicht erschöpft, denn bereits im Oktober folgt mit der „Open Art“ ein zweiter, traditionsreicher Termin, der das kulturelle Angebot der Stadt erneut in den Fokus rücken soll. Diese zeitliche Entzerrung der Eröffnungsaktivitäten führt dazu, dass das Publikum nicht nur an einem einzigen Wochenende gefordert ist, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg mit neuen Ausstellungen und Vernissagen konfrontiert wird. Es ist ein bewusster, wenn auch organisatorisch komplexer Weg, den die Münchner Akteure eingeschlagen haben, um die Aufmerksamkeit für die bildende Kunst über die gesamte Herbstperiode hinweg hochzuhalten.

Die Akteure und ihre Programme

Das aktuelle Wochenende steht ganz im Zeichen der „Various Others“, einer Initiative, die sich dem Austausch und der Vernetzung verschrieben hat. Mehr als zwanzig Galerien sowie verschiedene von Künstlern betriebene Ausstellungsorte öffnen ihre Türen, um neue Schauen zu präsentieren. Dabei zeigt sich eine bemerkenswerte Dynamik: Auch Galerien, die nicht explizit zum festen Kreis dieser Akteursgruppe gehören, nutzen die allgemeine Aufmerksamkeit des Gallery Weekends, um ihre eigenen Vernissagen in diesen Zeitraum zu legen. Dies unterstreicht die Bedeutung der „Various Others“ als Katalysator für die gesamte lokale Szene. Die Initiative selbst hat sich in der Vergangenheit gewandelt; während sie früher als klassischer Saisonauftakt fungierte, hat sie ihr großes Festival mit internationalem Netzwerk mittlerweile in den Mai verlegt. Dennoch bleibt der Termin im September ein fester Bestandteil des Münchner Kalenders. Die „Open Art“ hingegen blickt auf eine weitaus längere Geschichte zurück. Seit mehr als drei Jahrzehnten fungiert sie als der gemeinsame Saisonstart der Münchner Galerien. Dass sie nun in den Oktober verschoben wurde, unterstreicht die neue, entzerrte Struktur des Kunstherbstes, die den Besuchern die Möglichkeit gibt, die künstlerische Vielfalt der Stadt in mehreren Etappen zu entdecken.

Historische Entwicklung der Saisonstarts

Die Entscheidung, den Saisonstart in München auf zwei verschiedene Zeitpunkte zu verteilen, ist das Ergebnis einer längeren Entwicklung innerhalb der hiesigen Kunstlandschaft. Die „Open Art“ war über drei Jahrzehnte hinweg die unangefochtene Konstante, die den Beginn der Herbstsaison definierte und als verbindendes Element für die Galerien fungierte. Mit dem Aufkommen der „Various Others“ hat sich die Struktur jedoch gewandelt. Die „Various Others“ haben sich als eine Initiative etabliert, die den Fokus stärker auf internationale Partnerschaften und zeitgenössische Konzepte legt. Dass diese Initiative ihr Hauptfestival in den Mai verlegte, war ein strategischer Schritt, um sich vom klassischen Herbstgeschäft zu lösen. Dennoch blieb der September als Termin für eine lokale Auftaktveranstaltung erhalten. Das Nebeneinander dieser beiden Formate – das eine tief in der Tradition verwurzelt, das andere eher auf moderne Vernetzung ausgerichtet – spiegelt die Vielschichtigkeit des Münchner Kunstmarktes wider. Es ist ein Prozess, in dem sich die Galerien zwischen dem Bewahren bewährter Strukturen und dem Bedürfnis nach neuen, zeitgemäßen Impulsen bewegen müssen, um sowohl lokale Sammler als auch ein internationales Publikum anzusprechen.

Einordnung der aktuellen Situation

Den Berichten zufolge ist die aktuelle Aufteilung der Saisonstarts als ein „Schisma“ zu betrachten, das den Kunstherbst in zwei Phasen unterteilt. Einzuordnen ist das so: Die Zersplitterung der Termine könnte einerseits als Risiko für die öffentliche Wahrnehmung gesehen werden, da sie das Publikum potenziell irritieren könnte. Andererseits bietet sie die Chance, die Aufmerksamkeit für die Kunst über einen längeren Zeitraum zu strecken, anstatt sie auf ein einziges, überladenes Wochenende zu konzentrieren. Wenn es den Organisatoren gelingt, die verschiedenen Veranstaltungen so zu kommunizieren, dass sie als komplementär wahrgenommen werden, könnte dies die Vitalität der Münchner Kunstszene nachhaltig stärken. Die Galerien agieren hierbei in einem spannungsgeladenen Umfeld, in dem sie versuchen, sowohl die Tradition der „Open Art“ zu würdigen als auch die Dynamik der „Various Others“ zu nutzen. Es bleibt abzuwarten, ob dieser zweigleisige Ansatz in den kommenden Jahren Bestand haben wird oder ob sich die Szene wieder auf einen zentralen Termin zubewegen wird. Die aktuelle Entwicklung zeigt jedoch deutlich, dass München bereit ist, mit etablierten Mustern zu brechen, um den Anforderungen eines sich wandelnden Kunstmarktes gerecht zu werden.

Offene Fragen und der weitere Ausblick

Trotz der klaren Struktur der beiden Veranstaltungen bleiben einige Fragen offen. Es ist beispielsweise nicht explizit geklärt, wie das Publikum auf die zeitliche Trennung reagiert und ob die angestrebte „wache Aufmerksamkeit“ über Wochen hinweg tatsächlich erreicht werden kann. Ebenso bleibt unklar, wie sich die Verschiebung der „Open Art“ in den Oktober langfristig auf die Besucherzahlen auswirken wird, da dieser Monat in der internationalen Kunstwelt oft durch andere Großereignisse belegt ist. Auch die Frage, wie die Kooperation zwischen den verschiedenen Galerien in Zukunft aussehen wird, wenn zwei große Formate um die Aufmerksamkeit der Sammler und Kunstinteressierten konkurrieren, ist derzeit nicht abschließend beantwortet. Wie es weitergeht, ist jedoch insofern klar, als dass nach diesem Wochenende der Blick unweigerlich auf den Oktober gerichtet sein wird. Dann wird sich zeigen, ob die „Open Art“ ihre Rolle als verbindendes Element trotz der veränderten Rahmenbedingungen behaupten kann. Die kommenden Wochen werden für die Münchner Galerien somit zu einer Bewährungsprobe, bei der es darum geht, die Balance zwischen der Tradition des Standorts und der notwendigen Innovation zu finden.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/architektonisches-interieur-in-schwarz-weiss-mit-hangenden-wurfeln-39059703/ · Foto: Helena Jankovičová Kováčová
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunstmarkt/various-others-und-open-art-saisonstarts-der-muenchner-galerien-201233032.html