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Weißstorch oder Beethoven: Europäer reden bei neuen Banknoten mit
Wirtschaft · 19.09.2026 05:09

Weißstorch oder Beethoven: Europäer reden bei neuen Banknoten mit

Kurz: Die EZB lässt die Bürger über das Design neuer Euro-Banknoten abstimmen. Zur Wahl stehen Naturmotive und europäische Persönlichkeiten.

Was geschehen ist – die Kernmeldung zur Neugestaltung

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat einen umfassenden Prozess eingeleitet, um das Erscheinungsbild der Euro-Banknoten grundlegend zu überarbeiten. Nach fast einem Vierteljahrhundert, in dem die ursprünglichen Motive das tägliche Leben der Menschen im Euroraum prägten, gilt das aktuelle Design als überholt. Um die Akzeptanz der neuen Zahlungsmittel zu erhöhen und die europäische Identität zu stärken, hat die Zentralbank eine beispiellose Online-Umfrage gestartet. Bürgerinnen und Bürger aus allen Mitgliedsstaaten sind dazu aufgerufen, ihre Stimme für verschiedene Designvorschläge abzugeben. Die Abstimmungsphase endet am Montag, dem 21. September 2026. Es handelt sich um ein Projekt von historischer Tragweite, da die Gestaltung der Währung ein zentrales Symbol der europäischen Integration darstellt. Die EZB möchte durch diesen partizipativen Ansatz sicherstellen, dass die neuen Scheine nicht nur funktionalen Anforderungen entsprechen, sondern auch eine emotionale Bindung bei den Nutzern erzeugen. Insgesamt stehen zehn verschiedene Entwürfe zur Auswahl, die unterschiedliche ästhetische Ansätze verfolgen – von naturgetreuen Darstellungen bis hin zu abstrakten, geometrischen Kompositionen. Die Beteiligung der Öffentlichkeit ist dabei ein Novum in der Geschichte der Euro-Währung, da die ursprünglichen Motive ohne eine solche direkte Konsultation der Bevölkerung festgelegt wurden.

Die Einzelheiten der Designvorschläge und die Umfrage

Die zur Wahl stehenden zehn Designentwürfe lassen sich grob in zwei inhaltliche Kategorien unterteilen, die von EZB-Präsidentin Christine Lagarde bereits im Juli 2026 vorgestellt wurden. Die erste Kategorie widmet sich der europäischen Kultur und Geschichte, wobei bedeutende Persönlichkeiten im Fokus stehen. So zeigt ein Entwurf für den 10-Euro-Schein den Komponisten Ludwig van Beethoven, während auf einem 20-Euro-Schein die Wissenschaftlerin Marie Curie zu sehen ist. Ein weiterer Vorschlag für die 5-Euro-Banknote bildet die berühmte Opernsängerin Maria Callas ab. Die zweite Kategorie konzentriert sich auf die Natur, insbesondere auf Vögel und Flüsse. Diese Motive sollen die grenzüberschreitende Verbundenheit innerhalb Europas symbolisieren. Die Umfrage hat laut Nils Gerhardt, einem Experten für Banknoten bei der EZB, bereits rund neun Millionen Menschen erreicht. Obwohl dies bei einer Gesamtbevölkerung von etwa 359 Millionen Menschen im Euroraum zunächst gering erscheinen mag, bewertet die Zentralbank die Resonanz im Vergleich zu ähnlichen Projekten als großen Erfolg. Die Bürger können noch bis zum 21. September 2026 online ihre Präferenzen äußern, bevor die Ergebnisse ausgewertet und dem Rat der EZB zur finalen Entscheidung vorgelegt werden.

Hintergrund zur Entwicklung der Euro-Banknoten

Die derzeit im Umlauf befindlichen Euro-Banknoten wurden erstmals zu Beginn des Jahres 2002 ausgegeben. Das damals gewählte Design setzte auf eine neutrale Darstellung von Fenstern, Toren und Brücken, die verschiedenen Baustilen europäischer Epochen nachempfunden waren. Diese Motive waren bewusst fiktiv gehalten, um kein einzelnes Euroland durch die Abbildung spezifischer nationaler Gebäude zu bevorzugen. Über fast 25 Jahre hinweg hat sich dieses Design bewährt, doch aus Sicht der EZB ist es nun an der Zeit für eine Erneuerung. Die Notwendigkeit einer Überarbeitung ergibt sich nicht nur aus ästhetischen Gründen, sondern auch aus der Notwendigkeit, Sicherheitsmerkmale auf den neuesten Stand der Technik zu bringen. Die Einführung der neuen Scheine soll schrittweise erfolgen, wobei die alten Banknoten ihre Gültigkeit behalten. Der Prozess der Neugestaltung ist ein komplexes Unterfangen, das weit über die reine Grafik hinausgeht. Es geht darum, eine Balance zwischen technischer Sicherheit, praktischer Handhabung und einer Symbolik zu finden, die von den Menschen in den verschiedenen Mitgliedsstaaten als repräsentativ und identitätsstiftend empfunden wird.

Die Beteiligten und ihre Perspektiven

An dem Prozess sind verschiedene Akteure beteiligt. Auf institutioneller Ebene leitet die Europäische Zentralbank unter der Führung von Christine Lagarde das Projekt. Experten wie Nils Gerhardt koordinieren die technische Umsetzung und die Analyse der Umfrageergebnisse. Auf der anderen Seite stehen die Bürgerinnen und Bürger, deren Meinungen in der Frankfurter Innenstadt ein breites Spektrum widerspiegeln. Der Straßenbahnfahrer Cem Kabakci befürwortet beispielsweise die Abbildung von kulturellen Persönlichkeiten, um diese der Jugend näherzubringen. Der Tiefseebiologe Henry Knauber hingegen bevorzugt die Naturmotive, da diese Vögel und Flüsse als grenzüberschreitende Elemente die Einheit Europas besser repräsentieren würden. Andere Stimmen, wie die der Schaustellerin Shirley Lauenburger, zeigen eine gewisse Gelassenheit oder Unkenntnis gegenüber den bisherigen Motiven, was die Herausforderung der EZB unterstreicht, eine breite Akzeptanz zu finden. Kritische Stimmen, wie die der Angestellten Lela Kokir, äußern Bedenken hinsichtlich möglicher Designänderungen, insbesondere bei der Einführung von Hochformaten, die von der gewohnten Querformat-Tradition abweichen könnten.

Einordnung der Debatte um nationale Identität

Einzuordnen ist das Vorhaben der EZB als Versuch, die europäische Identität durch eine stärkere visuelle Präsenz auf dem Zahlungsmittel zu festigen. Die Entscheidung für Persönlichkeiten wie Leonardo da Vinci oder Marie Curie ist dabei strategisch gewählt. Obwohl diese Personen in spezifischen Ländern geboren wurden, wird ihr Wirken als europaweit und universell betrachtet. Experten wie Nils Gerhardt betonen, dass diese Figuren sinnbildlich für die europäische Geschichte stehen und somit keine nationale Bevorzugung darstellen. Den Berichten zufolge dient die Wahl der Naturmotive, wie Vögel und Flüsse, dazu, ein Symbol für Freiheit und grenzenlose Verbundenheit zu schaffen. Diese Einordnung verdeutlicht, dass die EZB versucht, den Vorwurf der nationalen Voreingenommenheit durch eine sorgfältige Auswahl der Motive zu entkräften. Die Debatte zeigt jedoch, dass die Wahrnehmung von Geld als Symbolträger sehr individuell ist. Während einige Menschen die Abbildung von Köpfen als vertraut empfinden – möglicherweise geprägt durch die Zeit der D-Mark –, sehen andere in der Naturdarstellung eine modernere und neutralere Lösung, die den europäischen Gedanken der grenzenlosen Zusammenarbeit stärker betont.

Offene Fragen zum weiteren Prozess

Der Quelltext lässt einige Fragen offen, die für die Öffentlichkeit von Interesse sein dürften. So wird nicht konkret benannt, welche Sicherheitsmerkmale genau verbessert werden sollen, außer dass die Farben und Größen der Scheine beibehalten werden sollen. Auch bleibt unklar, wie die EZB mit dem potenziellen Konflikt umgeht, wenn die Umfrageergebnisse eine klare Tendenz zeigen, die jedoch nicht mit den technischen oder sicherheitspolitischen Anforderungen der Zentralbank vereinbar ist. Zudem wird nicht spezifiziert, welche Kriterien der Rat der EZB bei der finalen Entscheidung neben dem Umfrageergebnis gewichten wird. Es bleibt ebenfalls offen, wie die genaue Gewichtung der Stimmen aus den verschiedenen Mitgliedsstaaten erfolgt oder ob es eine Mindestbeteiligung gibt, um die Ergebnisse als repräsentativ anzuerkennen. Da die EZB sich auf keine konkrete Jahreszahl für die Einführung der neuen Banknoten festlegen will, bleibt der zeitliche Rahmen für den Austausch der alten Scheine vage. Es ist nicht bekannt, in welcher Reihenfolge die verschiedenen Stückelungen – vom 5-Euro- bis zum 500-Euro-Schein – ersetzt werden sollen.

Wie es weitergeht – nächste Schritte und Ausblick

Nach dem Ende der Online-Abstimmung am 21. September 2026 wird die EZB die Ergebnisse auswerten. Diese Daten bilden die Grundlage für die Beratungen im Rat der Zentralbank, der noch vor Jahresende eine Entscheidung über die künftige Gestaltung der Banknoten treffen soll. Der Prozess der tatsächlichen Umsetzung wird jedoch noch einige Jahre in Anspruch nehmen. Die EZB betont, dass die neuen Scheine nicht sofort, sondern schrittweise in den Umlauf gebracht werden, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten. Die alten Banknoten werden dabei nicht sofort ihre Gültigkeit verlieren, sondern über einen längeren Zeitraum parallel existieren, bis sie sukzessive durch die neuen Exemplare ersetzt werden. Die Bürgerinnen und Bürger müssen sich also noch in Geduld üben, bis sie die neuen Designs tatsächlich in ihren Händen halten können. Die Zentralbank wird voraussichtlich zu einem späteren Zeitpunkt über die technischen Details der Produktion und die genauen Zeitpläne für den Rollout informieren, sobald die Designentscheidungen finalisiert sind.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/runden-rund-geld-stuck-10149620/ · Foto: Engin Akyurt
Quelle: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/finanzen/ezb-neue-banknoten-100.html