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Pistorius verteidigt den Kauf der F-35
Schlagzeilen · 19.09.2026 01:50

Pistorius verteidigt den Kauf der F-35

Kurz: Verteidigungsminister Boris Pistorius hat in den USA den ersten F-35-Kampfjet für die Bundeswehr entgegengenommen und verteidigt die strategische Kooperation.

Ein Meilenstein für die Luftwaffe: Die Übergabe der F-35

Im Rahmen einer offiziellen Zeremonie in den Vereinigten Staaten hat Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) den ersten von insgesamt 35 bestellten F-35-Kampfjets für die deutsche Bundeswehr in Empfang genommen. Dieses Ereignis markiert nach den Worten des Ministers den Beginn einer neuen Ära für die deutsche Luftwaffe. Die Beschaffung dieser hochmodernen Flugzeuge der fünften Generation ist ein zentraler Bestandteil der Modernisierungsbemühungen der Bundeswehr. Die Flugzeuge sollen langfristig die alternde Tornado-Flotte ablösen, die über Jahrzehnte das Rückgrat der luftgestützten Fähigkeiten der Bundeswehr bildete. Die Übergabe fand in Texas statt, wo Pistorius die Bedeutung des Projekts unterstrich. Der Minister betonte, dass es sich bei der F-35 um das derzeit modernste Kampfflugzeug der Welt handele. Die Entscheidung für dieses Modell fiel bereits im Jahr 2022, doch erst jetzt nimmt das Projekt durch die physische Auslieferung der ersten Maschine konkrete Formen an. Mit der Übernahme unterstreicht Deutschland sein Engagement innerhalb der NATO und setzt auf bewährte amerikanische Technologie, um den sicherheitspolitischen Herausforderungen der heutigen Zeit effektiv begegnen zu können. Die Beschaffung ist ein milliardenschweres Unterfangen, das aus dem Sondervermögen für die Bundeswehr finanziert wird und die strategische Ausrichtung der deutschen Verteidigungspolitik maßgeblich prägt.

Die Details der milliardenschweren Beschaffung

Das gesamte Beschaffungsvorhaben umfasst ein Volumen von rund zehn Milliarden Euro. Diese Summe ist fest im Sondervermögen für die Bundeswehr verankert, welches nach dem Beginn des Ukraine-Krieges geschaffen wurde, um die Einsatzbereitschaft der deutschen Streitkräfte signifikant zu erhöhen. Insgesamt hat Deutschland 35 Maschinen des Typs F-35 geordert. Nach der Übergabe der ersten Maschine in Texas ist geplant, dass die weiteren 34 Flugzeuge in den kommenden Jahren folgen werden. Die F-35 zeichnet sich durch ihre technologische Überlegenheit aus, insbesondere bei der Bekämpfung von gegnerischen Radarstellungen und Bodenzielen aus großer Distanz. Zudem fungiert das Flugzeug als ein zentrales Daten-Mutterschiff, das unbemannte Kampfdrohnen steuern und koordinieren kann. Verteidigungsminister Pistorius betonte, dass diese Fähigkeiten für die künftige Verteidigungsstrategie unverzichtbar seien. Neben den reinen Anschaffungskosten umfasst das Projekt auch weitreichende Vereinbarungen zur Wartung und Instandhaltung. Hierbei setzt die Bundesregierung darauf, dass europäische Unternehmen in die Wartungsprozesse eingebunden werden, um sowohl die Abhängigkeit von den USA zu verringern als auch die heimische Industrie zu stärken und Arbeitsplätze zu sichern. Die technische Komplexität des Systems erfordert eine langfristige Planung und enge Zusammenarbeit mit den amerikanischen Partnern.

Hintergrund und strategische Notwendigkeit

Die Entscheidung für den Kauf der F-35 ist nicht als kurzfristige Reaktion auf aktuelle Ereignisse zu verstehen, sondern als Ergebnis einer langfristigen strategischen Planung. Schon vor Jahren wurde deutlich, dass die Tornado-Flotte ihr technisches Lebensende erreicht hat und ersetzt werden muss. Die F-35 wurde als das System identifiziert, das die notwendigen Fähigkeiten für die nukleare Teilhabe und moderne Luftkriegsführung am besten vereint. Die Vorgeschichte des Projekts ist geprägt von intensiven Debatten über Souveränität und Abhängigkeiten. Dennoch kam die Bundesregierung zu dem Schluss, dass die Vorteile einer bewährten, hochleistungsfähigen Plattform die Risiken überwiegen. Die aktuelle Sicherheitslage in Europa hat den Druck auf die Bundeswehr erhöht, ihre Kapazitäten schnell und effizient zu modernisieren. Dabei spielt die Kooperation mit den USA eine zentrale Rolle, da diese über die notwendige Technologie und Erfahrung verfügen, die in Europa derzeit in diesem Umfang nicht selbstständig produziert werden kann. Die Beschaffung ist somit ein Ausdruck der sicherheitspolitischen Realität, in der Deutschland auf die Unterstützung und die technologische Basis seines wichtigsten NATO-Partners angewiesen bleibt, während gleichzeitig die eigene Verteidigungsfähigkeit gestärkt werden soll.

Die Akteure und ihre Positionen

Im Zentrum dieses Projekts steht Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius, der die Beschaffung entschieden verteidigt. Er sieht in der F-35 ein unverzichtbares Werkzeug für die Sicherheit Deutschlands und Europas. Auf amerikanischer Seite wird das Projekt von Verteidigungsminister Pete Hegseth unterstützt, der die Rolle Deutschlands bei der Stärkung der NATO ausdrücklich gelobt hat. Auch US-Senatoren haben im Rahmen der Gespräche mit Pistorius deutlich gemacht, dass die Zusammenarbeit mit Deutschland von hohem strategischem Interesse für die Vereinigten Staaten ist. Die Beziehung zwischen den beiden Ländern wird von Pistorius als ein wechselseitiges Geben und Nehmen beschrieben. Während Deutschland von der amerikanischen Technologie und Wartungskompetenz profitiert, haben die USA ein Interesse an deutschen Industriekapazitäten, Ingenieurswissen und Produktionsstandorten, um die weltweit gestiegene Nachfrage nach Rüstungsgütern zu bedienen. Die Zusammenarbeit ist somit nicht einseitig, sondern basiert auf gemeinsamen Interessen. Die Gespräche in Washington, bei denen unter anderem ZDF-Korrespondent Mathis Feldhoff über die Bedeutung der transatlantischen Beziehung berichtete, verdeutlichten, dass die Rüstungskooperation ein wesentlicher Pfeiler der diplomatischen und militärischen Annäherung ist.

Einordnung der transatlantischen Zusammenarbeit

Einzuordnen ist die Entscheidung für die F-35 als ein klares Bekenntnis zur transatlantischen Allianz. Pistorius betont, dass es nicht darum gehe, eine vollständige Unabhängigkeit von den USA zu erreichen, da dies angesichts der globalen Sicherheitslage und der engen Verflechtung der Bündnispartner weder realistisch noch erstrebenswert sei. Vielmehr gehe es darum, in bestimmten Bereichen unabhängiger zu werden, während man in anderen Bereichen auf bewährte Kooperationen setze. Die Kritik an der Abhängigkeit von US-Technologie weist der Minister zurück. Er argumentiert, dass die USA ein starkes Interesse daran hätten, ihre Rüstungsexporte nicht durch Misstrauen zu gefährden. Spekulationen über einen sogenannten Kill-Switch, mit dem die USA die Flugzeuge aus der Ferne deaktivieren könnten, bezeichnete er als unbegründet. Ein solcher Schritt würde nach seiner Einschätzung das Vertrauen in amerikanische Rüstungsgüter weltweit massiv beschädigen und somit das Geschäftsmodell der US-Rüstungsindustrie untergraben. Den Berichten zufolge ist die Partnerschaft zwischen Deutschland und den USA derzeit von einem hohen Maß an gegenseitigem Verständnis geprägt, wobei beide Seiten die Synergieeffekte der industriellen Zusammenarbeit betonen.

Die Frage nach der Zukunft der europäischen Verteidigung

Trotz der engen Kooperation mit den USA betont Pistorius, dass die Zusammenarbeit innerhalb der Europäischen Union nicht vernachlässigt werde. Es stellt sich jedoch die Frage, wie sich die Beschaffung von US-Systemen langfristig mit dem Ziel einer stärkeren europäischen Verteidigungsautonomie vereinbaren lässt. Der Minister weist darauf hin, dass bei mehreren hundert F-35-Maschinen, die in Europa betrieben werden, eine rein amerikanische Wartung nicht praktikabel sei. Daher sei es notwendig, europäische Standorte und Unternehmen in die Instandhaltung einzubinden. Dies könnte ein Weg sein, um europäische Kompetenzen aufzubauen, ohne auf die bewährte US-Technik verzichten zu müssen. Dennoch bleibt ungeklärt, wie tiefgreifend die europäische Industrie tatsächlich in die technologischen Geheimnisse der F-35 eingeweiht wird. Ebenso bleibt abzuwarten, ob die angestrebte Arbeitsteilung zwischen Deutschland und den USA bei der Rüstungsproduktion tatsächlich zu einem dauerhaften Vorteil für beide Seiten führt oder ob die technologische Dominanz der USA langfristig die europäische Eigenständigkeit weiter einschränkt. Diese Balance zwischen Allianztreue und dem Wunsch nach eigener industrieller Stärke ist ein zentrales Spannungsfeld der aktuellen deutschen Sicherheitspolitik, auf das der Quelltext keine abschließenden Antworten liefert.

Offene Fragen zur technologischen Souveränität

Der vorliegende Quelltext lässt einige Fragen offen, die für die langfristige Bewertung des Projekts von Bedeutung sind. Zwar betont Pistorius die Vorteile der Kooperation, doch die konkreten Details der vertraglichen Absicherungen gegen technische Abhängigkeiten bleiben vage. Es wird nicht explizit ausgeführt, in welchem Umfang Deutschland tatsächlich Zugriff auf die Software-Quellcodes der F-35 erhält, was für eine echte nationale Kontrolle über die Einsatzfähigkeit der Flugzeuge entscheidend wäre. Auch die genaue Ausgestaltung der europäischen Wartungsstandorte und deren Autonomie gegenüber den US-Herstellern ist noch nicht vollständig geklärt. Zudem bleibt offen, wie sich die Beschaffung auf zukünftige europäische Gemeinschaftsprojekte im Bereich der Kampfflugzeugentwicklung auswirkt. Besteht die Gefahr, dass durch den Kauf der F-35 die Entwicklung einer eigenständigen europäischen Lösung langfristig untergraben wird? Der Text thematisiert zwar die Notwendigkeit der Kooperation, bietet jedoch keine detaillierte Analyse der Auswirkungen auf die europäische Rüstungsindustrie im Vergleich zu nationalen oder EU-weiten Eigenentwicklungen. Diese Lücken in der strategischen Planung bleiben Gegenstand der sicherheitspolitischen Debatte, die über die reine Beschaffungsentscheidung hinausgeht.

Ausblick und weitere Schritte

Die Übergabe der ersten F-35 ist erst der Anfang eines langjährigen Prozesses. In den kommenden Jahren wird die Auslieferung der weiteren 34 Maschinen kontinuierlich fortgesetzt. Parallel dazu müssen die notwendige Infrastruktur in Deutschland aufgebaut, das Personal geschult und die Wartungskapazitäten in Europa etabliert werden. Pistorius hat deutlich gemacht, dass die Kooperation mit den USA weiter ausgebaut werden soll, wobei der Fokus auf dem wechselseitigen Nutzen liegt. Die nächsten Schritte beinhalten die schrittweise Integration der F-35 in die bestehenden Strukturen der Luftwaffe und die schrittweise Ausmusterung der Tornado-Flotte. Dabei wird die Bundesregierung weiterhin unter Beobachtung stehen, wie sie den Spagat zwischen der Abhängigkeit von US-Technologie und dem Ziel einer stärkeren europäischen Verteidigungsfähigkeit meistert. Termine für die vollständige Einsatzbereitschaft der gesamten F-35-Flotte wurden im Text nicht explizit genannt, jedoch ist davon auszugehen, dass dies ein Prozess ist, der sich über mehrere Jahre erstrecken wird. Die politische Führung sieht in der F-35 einen notwendigen Baustein für die Sicherheit, während die industrielle Kooperation als Chance für den Wirtschaftsstandort Deutschland begriffen wird.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/dusenjager-rast-durch-den-klaren-blauen-himmel-37856627/ · Foto: kadir alkn
Quelle: https://www.zdfheute.de/politik/ausland/usa-pistorius-f-35-kampfjet-ruestung-100.html