News aus aller Welt
Start
Waldbrände aus dem All: Copernicus Browser erleichtert Überwachung
Technik · 09.08.2026 11:33

Waldbrände aus dem All: Copernicus Browser erleichtert Überwachung

Kurz: Die Überwachung von Waldbränden wird effizienter: Eine neue Funktion im Copernicus Browser ermöglicht den schnellen Zugriff auf Satellitendaten der Sentinel-Mis

Neue Möglichkeiten der Erdbeobachtung

Angesichts einer zunehmend kritischen Waldbrandsituation in Europa und weltweit hat das Copernicus Data Space Ecosystem seine technologischen Kapazitäten erweitert. Eine zentrale Neuerung im Copernicus Browser vereinfacht den Zugriff auf Satellitenbilder der europäischen Sentinel-Missionen erheblich. Während die Beobachtung von Bränden aus dem All bereits seit Längerem technisch möglich ist, erforderte die manuelle Auswertung bisher einen hohen Zeitaufwand. Durch die Integration eines speziellen Custom-Skripts des Fernerkundungsexperten Pierre Markuse als Standardoption können Nutzer nun direkt auf visualisierte Branddaten zugreifen.

Die Effizienz dieses Werkzeugs unterstrich Simon Proud, Mission Scientist bei der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) für Sentinel-2, anhand eines Praxisbeispiels: Ihm gelang es, Waldbrände in Sibirien innerhalb einer Minute zu lokalisieren und das entsprechende Bildmaterial zu exportieren. Diese Beschleunigung der Datenverfügbarkeit ist ein wesentlicher Fortschritt für die schnelle Lageeinschätzung.

Die Rolle der Sentinel-Daten

Die Sentinel-2-Satelliten bilden einen Eckpfeiler des europäischen Copernicus-Programms. Täglich werden rund 25 Terabyte an Daten generiert, die ein breites Spektrum an Umwelt- und Klimaparametern abdecken. Neben der reinen Beobachtung von Naturkatastrophen fließen auch Informationen über menschliche Aktivitäten und langfristige Klimaveränderungen in die Analysen ein. Unterstützt wird dieser Prozess teilweise durch den Einsatz von KI-Verfahren, um die immensen Datenmengen effizient auszuwerten.

Der politische Kontext für diese technologische Aufrüstung ist in einem Bericht der EU-Kommission vom März 2024 verankert. Darin wird vor einer steigenden Wahrscheinlichkeit extremer Wetterereignisse gewarnt, die durch den Klimawandel befeuert werden. Die Kombination aus steigenden Temperaturen und ausbleibenden Niederschlägen führt nicht nur zu einer höheren Frequenz, sondern auch zu einer gesteigerten Intensität der Brände.

Ergänzung zum Copernicus Emergency Management Service (CEMS)

Die neue Browser-Funktion fungiert als ergänzendes Instrument zum bereits 2012 etablierten Copernicus Emergency Management Service (CEMS). Dieser Dienst umfasst Warn- und Mapping-Systeme, die für die Katastrophenreaktion und Prävention essenziell sind. CEMS arbeitet eng mit spezialisierten Systemen wie dem European Forest Fire Information System (EFFIS) und dem Global Wildfire Information System (GWIS) zusammen.

Bei der Kartierung von Brandflächen greift EFFIS auf verschiedene Sensoren zurück, darunter MODIS, VIIRS und Sentinel-2. Letztere liefern mit einer Auflösung von 20 Metern die Grundlage für die finale Abgrenzung der betroffenen Gebiete, wobei Brände ab einer Größe von etwa 30 Hektar erfasst werden. Nach Angaben von EFFIS decken diese Kartierungen rund 95 Prozent der jährlich in der EU verbrannten Gesamtfläche ab. Das Emergency Response Coordination Centre (ERCC) überwacht diese Daten rund um die Uhr und koordiniert bei Bedarf die Alarmierung nationaler Behörden.

Aktuelle Lage: Ein Rekordjahr in der Entstehung

Die Notwendigkeit einer verbesserten Überwachung verdeutlicht die aktuelle Bilanz: Bis zum 6. August 2026 wurden laut EFFIS bereits 500.852 Hektar verbrannte Fläche registriert. Dieser Wert liegt über dem bisherigen Rekordjahr 2025 und übersteigt den langjährigen Durchschnitt der Jahre 2006 bis 2025 deutlich. Aufgrund der angespannten Situation hat EFFIS die Aktualisierungsfrequenz der Daten von wöchentlich auf täglich umgestellt.

Die Prognosen für die kommenden Wochen bleiben besorgniserregend. Für weite Teile West- und Südeuropas – von der Iberischen Halbinsel über Frankreich und den Alpenraum bis hin zum Balkan – wird eine extreme bis sehr extreme Brandgefahr vorhergesagt. Die Kombination aus überdurchschnittlichen Temperaturen und anhaltender Trockenheit in Mittel- und Osteuropa verschärft die klimatischen Bedingungen zusätzlich, was die Bedeutung präziser und schnell verfügbarer Satellitendaten für den Katastrophenschutz weiter unterstreicht.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/verbranntes-waldland-mit-grunflachen-38521777/ · Foto: Christian Palau
Quelle: https://www.heise.de/news/Waldbraende-aus-dem-All-Copernicus-Browser-erleichtert-Ueberwachung-11404080.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag