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Technik · 23.09.2026 10:05

C3-Konstellation: China plant Mond-Cubesat-Konstellation

Kurz: China plant mit der C3-Konstellation ein ambitioniertes Weltraumprojekt: 30 Kleinsatelliten sollen den cislunaren Raum erforschen und internationale Kooperation

Was geschehen ist: Chinas Vorstoß in den cislunaren Raum

Die chinesische Raumfahrtbehörde und ihre Forschungseinrichtungen haben ein ambitioniertes neues Projekt angekündigt, das die wissenschaftliche Erforschung des Weltraums zwischen Erde und Mond grundlegend verändern könnte. Auf der Internationalen Konferenz zur Erforschung des Weltraums, die am 4. September 2026 in der chinesischen Stadt Hefei stattfand, wurde die sogenannte Cislunar Cubesat Constellation, kurz C3, offiziell vorgestellt. Bei diesem Vorhaben handelt es sich um ein Netzwerk aus insgesamt 30 Kleinsatelliten, sogenannten Cubesats, die in einer speziellen Umlaufbahn zwischen unserem Planeten und dem Mond operieren sollen. Mit diesem Projekt verfolgt China nicht nur rein wissenschaftliche Ziele, sondern möchte auch eine Plattform schaffen, die es Ländern des Globalen Südens ermöglicht, aktiv an der Weltraumforschung teilzuhaben. Die Mission ist als internationales Gemeinschaftsprojekt konzipiert, das durch den Einsatz einer Vielzahl kleinerer Einheiten eine deutlich höhere Datendichte und eine dreidimensionale Überwachung des cislunaren Raums erreichen will. Die Ankündigung markiert einen bedeutenden Schritt in der chinesischen Raumfahrtstrategie, die zunehmend auf die Nutzung von Kleinsatellitenschwärmen setzt, um komplexe wissenschaftliche Fragestellungen effizient und kostengünstig zu beantworten. Das Projekt wird maßgeblich durch das Deep Space Exploration Laboratory (DSEL), das auch unter dem Namen Tiandu Laboratory bekannt ist, sowie die Internationale Vereinigung zur Erforschung des Weltraums vorangetrieben.

Die Einzelheiten: Technik und wissenschaftliche Ziele

Die technische Ausgestaltung der C3-Konstellation ist präzise geplant. Die 30 Satelliten basieren auf dem bewährten 12U-Cubesat-Format. Dies bedeutet, dass jeder einzelne Satellit etwa die Größe eines handelsüblichen Schuhkartons aufweist und ein Gewicht von rund 30 Kilogramm mitbringt. Diese kompakte Bauweise erlaubt eine effiziente Nutzung der Startkapazitäten. Um die gesamte Konstellation in den Weltraum zu befördern, sind derzeit fünf separate Raketenstarts vorgesehen. Die Aussetzung der Satelliten soll dabei in Sechsergruppen erfolgen, wobei fünf spezielle Orbitaltransferfahrzeuge zum Einsatz kommen, um die Einheiten an ihre Zielpositionen zu manövrieren. Die gewählte Umlaufbahn ist eine sogenannte Resonanzbahn im Verhältnis 1:3 zwischen Erde und Mond. Das bedeutet, dass die Satelliten die Erde genau dreimal umkreisen, während der Mond seine Umlaufbahn um die Erde einmal vollendet. Dies führt zu einer Umlaufzeit von etwas mehr als neun Tagen pro Satellit. Diese spezifische Bahn wurde gewählt, um eine hohe Stabilität bei gleichzeitig minimalem Treibstoffverbrauch zu gewährleisten. Wissenschaftlich gesehen ist das Spektrum der Mission breit gefächert: Die Satelliten sollen Gammastrahlenausbrüche detektieren, hochenergetische Teilchen des Weltraumwetters messen, magnetometrische Daten erheben und den Mond aus der Distanz auf Ressourcen untersuchen. Die Kombination dieser Datenpunkte soll ein umfassendes dreidimensionales Bild der cislunaren Umgebung liefern.

Hintergrund: Der Weg zur C3-Mission

Die Entstehung der C3-Konstellation ist das Ergebnis einer langfristigen Strategie zur Erschließung des cislunaren Raums, die China in den vergangenen Jahren konsequent vorangetrieben hat. Das Deep Space Exploration Laboratory (DSEL) hat sich dabei als zentrale Institution für die Planung und Durchführung solcher komplexen Vorhaben etabliert. Die Entscheidung, auf ein Schwarmkonzept mit 30 Kleinsatelliten zu setzen, ist eine direkte Reaktion auf die Notwendigkeit, kontinuierliche und räumlich verteilte Messdaten zu erhalten, die mit einzelnen, großen und teuren Sonden kaum zu realisieren wären. Die Konferenz in Hefei diente dabei als Bühne, um das Projekt einer breiten Fachöffentlichkeit vorzustellen und die internationale Kooperation zu forcieren. Die Idee, den cislunaren Raum nicht nur als Transitstrecke zum Mond, sondern als eigenständiges Forschungsgebiet zu begreifen, hat in der internationalen Raumfahrtgemeinschaft in jüngster Zeit an Bedeutung gewonnen. China positioniert sich hierbei als treibende Kraft, die durch die Bereitstellung der Infrastruktur und die Einladung zur internationalen Zusammenarbeit die eigene technologische Expertise unterstreicht und gleichzeitig die wissenschaftliche Vernetzung fördert. Die bisherige Entwicklung zeigt eine klare Tendenz zur Miniaturisierung der Satellitentechnik, die es ermöglicht, mit vergleichsweise geringen Mitteln eine hohe wissenschaftliche Ausbeute zu erzielen.

Die Beteiligten: Internationale Kooperation und Institutionen

Das Projekt C3 zeichnet sich durch eine bemerkenswerte internationale Zusammensetzung aus. Neben den federführenden chinesischen Institutionen, namentlich dem DSEL (Tiandu Laboratory) und der Internationalen Vereinigung zur Erforschung des Weltraums, sind bereits mehrere Staaten in die Planung involviert. Zu den Partnern zählen Länder des Globalen Südens wie Thailand, Ägypten, Senegal und Indonesien. Auch Serbien ist als Partner aufgeführt. Diese Kooperation ist ein zentrales Element der Mission. Den nichtchinesischen Partnern werden attraktive Anreize geboten, um die Hürden für den Einstieg in die Weltraumforschung zu senken. Dazu gehören Modelle zur gemeinsamen Kostenteilung, die kostenlose Unterbringung von wissenschaftlichen Nutzlasten auf den Cubesats sowie ein umfassender Austausch der generierten Daten. Hu Chaobin, der stellvertretende Vorsitzende des DSEL, betonte auf der Konferenz in Hefei die Bedeutung dieser Zusammenarbeit. Er erklärte, man freue sich darauf, gemeinsam mit globalen Partnern die kognitiven Grenzen des menschlichen Wissens über das Universum zu erweitern. Das Missionsteam hat zudem explizit signalisiert, dass die Tür für weitere internationale Beteiligungen offen steht, was darauf hindeutet, dass das Netzwerk in den kommenden Jahren noch weiter wachsen könnte.

Einordnung: Was das Vorhaben bedeutet

Einzuordnen ist das C3-Projekt als ein strategisches Instrument der chinesischen Außen- und Forschungspolitik. Durch die aktive Einbindung von Schwellenländern schafft China eine internationale Allianz, die über die rein wissenschaftliche Kooperation hinausgeht. Den Berichten zufolge ermöglicht dieser Ansatz Ländern, die bisher keinen oder nur sehr begrenzten Zugang zum Weltraum hatten, den Einstieg in die hochkomplexe Materie der cislunaren Forschung. Die technologische Wahl – 30 Kleinsatelliten im 12U-Format – ist dabei ein geschickter Schachzug. Sie reduziert das finanzielle Risiko pro Einheit und erhöht gleichzeitig die Robustheit des Gesamtsystems. Sollte ein Satellit ausfallen, bleibt die Mission durch die verbleibenden 29 Einheiten weiterhin funktionsfähig. Die Konzentration auf den cislunaren Raum ist zudem ein klares Signal, dass China die strategische Bedeutung dieses Bereichs zwischen Erde und Mond erkannt hat. Die Überwachung des Weltraumwetters und die Suche nach Ressourcen sind dabei nicht nur für die Grundlagenforschung relevant, sondern bilden die Basis für künftige, weitergehende Missionen, etwa zur dauerhaften Präsenz auf dem Mond. Die Offenheit gegenüber internationalen Partnern wird in Fachkreisen als Versuch gewertet, eine globale Führungsrolle bei der Erschließung des lunaren Umfelds zu etablieren.

Offene Fragen: Was noch nicht geklärt ist

Obwohl die Präsentation in Hefei viele technische Details lieferte, bleiben einige Aspekte der Mission C3 weiterhin unbeantwortet. So macht der Quelltext keine konkreten Angaben zu den exakten Kosten des gesamten Vorhabens oder zur Verteilung der finanziellen Lasten zwischen den beteiligten Partnern. Auch die genauen Spezifikationen der wissenschaftlichen Instrumente, die auf den 30 Cubesats installiert werden sollen, sind noch nicht in allen Einzelheiten öffentlich. Des Weiteren bleibt unklar, welche spezifischen Raketentypen für die fünf geplanten Starts zum Einsatz kommen sollen und ob diese ausschließlich von chinesischer Seite gestellt werden oder ob auch hier internationale Startkapazitäten genutzt werden könnten. Die Frage, wie die Datenübertragung von den Satelliten zur Erde über die Distanz des cislunaren Raums technisch im Detail gelöst wird, wird im vorliegenden Text nicht weiter vertieft. Auch die genauen Zeitpläne für die einzelnen Phasen der Entwicklung – von der Prototypenphase bis hin zur finalen Integration der 30 Einheiten – sind noch nicht spezifiziert. Ebenso wenig ist bekannt, welche weiteren Länder Interesse an einer Teilnahme bekundet haben oder ob es bereits verbindliche Verträge mit den genannten Partnerstaaten gibt.

Wie es weitergeht: Zeitplan und Ausblick

Die Planungen für die C3-Konstellation befinden sich in einer Phase, in der die internationale Zusammenarbeit intensiviert wird. Das Missionsteam hat deutlich gemacht, dass es weiterhin offen für neue Partner ist, was darauf hindeutet, dass die Konfiguration der Mission noch nicht als vollständig abgeschlossen betrachtet wird. Als grober Zeitrahmen für den Start der gesamten Konstellation wird das Jahr 2030 genannt. Bis dahin müssen die technologischen Herausforderungen, insbesondere die Koordination der 30 Satelliten im Schwarm und die präzise Platzierung in der 1:3-Resonanzbahn, bewältigt werden. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie sich die Kooperation mit den Partnerländern aus dem Globalen Süden in der Praxis gestaltet und ob die angebotenen Modelle zur Datenteilung und Nutzlastunterbringung tatsächlich zu einer breiteren Teilhabe führen. Die nächsten Schritte dürften die Finalisierung der Hardware-Designs sowie die Vorbereitung der ersten Testflüge umfassen, um die Stabilität der gewählten Umlaufbahn und die Funktionalität der Satelliten unter Weltraumbedingungen zu verifizieren. Die internationale Gemeinschaft wird die Fortschritte des DSEL und seiner Partner in Hefei und darüber hinaus genau beobachten, da das Projekt als Modell für künftige, dezentrale Weltraummissionen dienen könnte.

Quelle: https://www.golem.de/news/c3-konstellation-china-plant-mond-cubesat-konstellation-2609-213038.html