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Kultur · 23.09.2026 10:21

Nach Buchveröffentlichung: Piers Morgan verklagt Dianas Bruder wegen „verleumderischer Lügen“

Kurz: Piers Morgan geht juristisch gegen Charles Spencer vor. Der Grund: Verleumderische Behauptungen in dessen neuem Buch über Prinzessin Diana.

Ein juristischer Schlagabtausch um die Wahrheit

Der bekannte britische Journalist und ehemalige Chefredakteur des „Daily Mirror“, Piers Morgan, hat angekündigt, rechtliche Schritte gegen Charles Spencer, den Bruder der verstorbenen Prinzessin Diana, einzuleiten. Der Anlass für diese Eskalation ist die Veröffentlichung von Spencers neuem Buch mit dem Titel „Swan Song. Diana, meine Schwester“, das im amerikanischen Verlag Penguin Random House erschienen ist. Morgan wirft dem Autor vor, in dem Werk „nachweisliche Lügen“ und „erfundene Ungenauigkeiten“ über seine Person verbreitet zu haben. Die Auseinandersetzung entzündete sich an einer spezifischen Passage des Buches, in der Spencer dem Journalisten vorwirft, im Jahr 1993 als Chefredakteur des „Daily Mirror“ heimlich aufgenommene Fotos von Prinzessin Diana veröffentlicht zu haben. Diese Bilder, die Diana in einem Gymnastikanzug beim Sport zeigten, stammten laut Spencer von einem Fitnessstudio-Besitzer, der die Aufnahmen mit versteckten Kameras angefertigt hatte. Morgan sieht in diesen Behauptungen eine schwerwiegende Verleumdung, die seine berufliche Integrität und seine Glaubwürdigkeit als Journalist massiv angreift, und fordert nun neben einer Korrektur des Inhalts auch Schadenersatz für den King’s Trust.

Die strittigen Details und die zeitliche Abfolge

Im Zentrum der Kontroverse steht eine faktische Unstimmigkeit, die Piers Morgan als Beweis für die unseriöse Recherche von Charles Spencer anführt. Spencer behauptet in seinem Buch, dass Morgan zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der umstrittenen Fitnessstudio-Fotos im Jahr 1993 bereits Chefredakteur des „Daily Mirror“ gewesen sei. Diese Darstellung lässt sich jedoch durch die berufliche Vita des Journalisten widerlegen. Tatsächlich war Morgan zu jenem Zeitpunkt noch bei der Boulevardzeitung „The Sun“ tätig. Erst im Jahr 1995 vollzog er den Wechsel von Rupert Murdochs „News of the World“ zum „Daily Mirror“. Diese zeitliche Diskrepanz ist für Morgan der Kernpunkt seiner Klage, da Spencer daraus die Schlussfolgerung zieht, Morgan habe sich aufgrund der Veröffentlichung der Bilder „besonders schuldig“ gefühlt. Spencer beschreibt in seinem Werk zudem eine Szene rund um die Trauerfeier für Prinzessin Diana im Jahr 1997. Er schildert, wie er die Chefredakteure der Boulevardpresse, die er für den Tod seiner Schwester mitverantwortlich machte, persönlich auslud. Während die meisten Redakteure demnach einsichtig reagiert hätten, habe sich Morgan laut Spencer „unwirsch“ verhalten, ihn „angeblafft“ und schließlich aufgelegt. Morgan bezeichnet diese Schilderung und die damit verbundenen Vorwürfe als „sehr belastend“ und „abscheulich“.

Der historische Kontext der Boulevard-Berichterstattung

Die Spannungen zwischen Charles Spencer und der britischen Boulevardpresse haben eine lange Vorgeschichte, die eng mit dem tragischen Tod von Prinzessin Diana im Jahr 1997 verknüpft ist. Spencer hegt seit Jahrzehnten einen tiefen Groll gegen die Medienvertreter, die das Leben seiner Schwester über Jahre hinweg intensiv verfolgten. In seinem Buch „Swan Song“ arbeitet er diese Vergangenheit auf und versucht, die Rolle der Presse kritisch zu beleuchten. Die Einladungsliste zur Trauerfeier von Diana war für ihn ein Instrument, um eine symbolische Abrechnung vorzunehmen. Er empfand es als unerträglich, dass jene Journalisten, die Diana bis in den Tod „verfolgt“ hätten, bei der Zeremonie anwesend sein sollten. Dass er nun explizit Piers Morgan in diesem Zusammenhang nennt, unterstreicht die anhaltende Feindseligkeit zwischen dem Adelshaus und den Vertretern der britischen Boulevardmedien. Diese Auseinandersetzung ist somit nicht nur ein persönlicher Rechtsstreit zwischen zwei Männern, sondern auch ein Spiegelbild des jahrzehntelangen Konflikts zwischen der britischen Monarchie und einer aggressiven Medienlandschaft, die sich durch den Tod der Prinzessin nachhaltig verändert hat.

Die handelnden Akteure und ihre Positionen

Die Hauptakteure in diesem Konflikt sind Piers Morgan und Charles Spencer, wobei der Verlag Penguin Random House als juristischer Mitgegner in den Fokus der Klage rückt. Piers Morgan, der durch seine Talkshow „Piers Morgan Uncensored“ und seine langjährige Karriere als Chefredakteur eine prominente Medienfigur ist, nutzt seine Plattform auf der Plattform X, um den öffentlichen Druck auf Spencer zu erhöhen. Er betont, dass er nicht bereit sei, die in seinen Augen „verleumderischen Lügen“ unkommentiert stehen zu lassen. Charles Spencer hingegen tritt als Autor und Bruder der verstorbenen Prinzessin auf, der den Anspruch erhebt, die Geschichte seiner Schwester aus seiner persönlichen Perspektive aufzuarbeiten. Interessanterweise hat Spencer bereits am Tag der Buchveröffentlichung eine Entschuldigung bei Morgan eingereicht, wie dieser auf X öffentlich machte. Trotz dieses Versuchs der Deeskalation hält Morgan an seinem juristischen Vorgehen fest. Die Einbeziehung des King’s Trust als Empfänger für den geforderten Schadenersatz verleiht der Klage eine zusätzliche Ebene, da sie den Fokus von einer rein persönlichen Genugtuung auf eine wohltätige Komponente verlagert.

Einordnung der juristischen und medialen Tragweite

Einzuordnen ist dieser Vorfall als eine Zuspitzung des Kampfes um die historische Deutungshoheit über das Leben und Sterben von Prinzessin Diana. Den Berichten zufolge ist die Glaubwürdigkeit von Charles Spencer als „Historiker“ das erklärte Ziel von Morgans Angriffen. Indem Morgan die faktischen Fehler in Spencers Buch hervorhebt, versucht er, das gesamte Werk als unseriös und tendenziös zu diskreditieren. Die Tatsache, dass ein ehemaliger Chefredakteur gegen ein Buch über die eigene Branche klagt, unterstreicht die Sensibilität, mit der die Akteure auf ihre Darstellung in der Öffentlichkeit reagieren. Es ist zudem bemerkenswert, wie schnell sich ein solcher Konflikt von einer privaten Auseinandersetzung in eine juristische Angelegenheit verwandelt. Die öffentliche Entschuldigung Spencers, die Morgan selbst publik machte, deutet darauf hin, dass der Autor sich der Brisanz seiner Behauptungen durchaus bewusst war. Dennoch zeigt die Fortführung der Klage, dass für Morgan eine bloße Entschuldigung nicht ausreicht, um den seiner Meinung nach entstandenen Rufschaden zu kompensieren.

Offene Fragen und ungeklärte Aspekte

Der Quelltext lässt einige Fragen offen, die für das Verständnis der Gesamtsituation relevant wären. So bleibt unklar, ob Charles Spencer die beanstandeten Passagen in künftigen Auflagen des Buches tatsächlich entfernen wird oder ob der Verlag Penguin Random House eine Verteidigungsstrategie gegen die Klage entwickelt hat. Ebenfalls nicht beantwortet wird die Frage, wie die Entschuldigung Spencers genau formuliert war und ob diese bereits als Schuldeingeständnis im juristischen Sinne gewertet werden kann. Auch bleibt offen, ob es weitere Passagen im Buch gibt, die von anderen Personen als verleumderisch empfunden werden könnten, oder ob sich der Zorn Morgans ausschließlich auf die ihn betreffenden Abschnitte konzentriert. Zudem ist nicht bekannt, wie hoch die Summe des geforderten Schadenersatzes ist und ob der King’s Trust bereits auf die Ankündigung reagiert hat. Die genauen Details der rechtlichen Argumentation, die Morgan vorbringen will, um die „nachweislichen Lügen“ zu belegen, sind ebenfalls noch nicht im Detail öffentlich geworden, da der Prozess erst in einer frühen Phase der Ankündigung steht.

Ausblick auf die kommenden Schritte

Wie es weitergeht, hängt nun maßgeblich von der Reaktion des Verlags Penguin Random House und der juristischen Vertretung von Charles Spencer ab. Morgan hat unmissverständlich klargestellt, dass er die Entfernung der als falsch bezeichneten Passagen aus dem Buch erzwingen will. Ob es zu einem außergerichtlichen Vergleich kommt oder ob der Fall vor einem britischen Gericht verhandelt wird, bleibt abzuwarten. Da Morgan bereits angekündigt hat, rechtliche Schritte einzuleiten, ist davon auszugehen, dass in den kommenden Wochen weitere Details zu den Klageschriften bekannt werden könnten. Die Öffentlichkeit wird beobachten, ob Spencer seine Darstellung in einer überarbeiteten Auflage korrigiert oder ob er die Richtigkeit seiner Aussagen vor Gericht verteidigen wird. Der Ausgang dieses Rechtsstreits könnte weitreichende Konsequenzen für die Veröffentlichung von Biografien haben, die sich kritisch mit lebenden Personen auseinandersetzen, und könnte zudem die Debatte über die journalistische Ethik und die Verantwortung von Autoren bei der Darstellung historischer Ereignisse neu befeuern.

Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/nach-buchveroeffentlichung-piers-morgan-verklagt-dianas-bruder-wegen-verleumderischer-luegen-accg-201254468.html