Die verborgene Komponente im Kobalt-Export
Die Demokratische Republik Kongo (DRK) ist ein zentraler Akteur im globalen Rohstoffmarkt. Seit den 1960er-Jahren hält das Land die Marktführerschaft bei der Kobaltförderung. Doch mit dem begehrten Metall, das unter anderem für die Produktion von Elektroauto-Batterien essenziell ist, gelangt ein weiteres, hochsensibles Element in den internationalen Handel: Uran. US-amerikanische Forscher haben nun in einer Studie für die Fachzeitschrift *Nature Communications* aufgezeigt, dass beträchtliche Mengen dieses radioaktiven Materials die DRK verlassen, ohne dass dies der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) gemeldet wird.
Geochemische Zusammenhänge und die Rolle der Industrie
Das Problem liegt in der geologischen Beschaffenheit der Lagerstätten. Insbesondere in der Region um die ehemalige Uran-Mine Shinkolobwe ist das Kobalterz geochemisch eng mit Uran verknüpft. Die Forscher Ryan Manzuk von der Princeton University und Sébastien Philippe von der University of Wisconsin-Madison analysierten hierfür Fördermengen, Rohstoffvorkommen und geochemische Daten.
Die Ergebnisse verdeutlichen einen unbeabsichtigten, aber systemischen Prozess: Bei der Gewinnung von Kobalthydroxid verbleibt das Uran aufgrund chemischer Ähnlichkeiten im Produkt. Da die Veredelung des Kobalthydroxids zu Kobaltmetall nicht innerhalb der DRK stattfindet, wird das Uran als „blinder Passagier“ mit exportiert. Die Forscher schätzen, dass zwischen 2000 und 2024 zwischen 2000 und 5000 Tonnen Uran auf diese Weise das Land verlassen haben könnten.
Fehlende Kontrolle und geopolitische Implikationen
Da dieses Uran nicht offiziell deklariert wird, entzieht es sich jeglicher Aufsicht durch die IAEO. Dies wirft kritische Fragen zur Sicherheit auf. Laut Philippe könnten die identifizierten Mengen theoretisch ausreichen, um spaltbares Material für 600 bis 1.500 Atomwaffen zu gewinnen oder einen Leichtwasserreaktor über Jahrzehnte zu betreiben. Da das Material offiziell nicht existiert, gibt es keine Nachweise über seinen Verbleib oder seine Verwendung in zivilen oder militärischen Programmen.
Ein Großteil des Kobalt-Exports aus der DRK fließt nach China, wo etwa 95 Prozent der weltweiten Kapazitäten zur Weiterverarbeitung von Kobalthydroxid konzentriert sind. Dort wird das Uran bei der Trennung zu einem Nebenprodukt, dessen Verwendung in der Lieferkette bisher kaum transparent dokumentiert ist.
Umweltfolgen und notwendige Reformen
Neben der unkontrollierten Ausfuhr identifizierte die Studie ein erhebliches Umwelt- und Gesundheitsrisiko vor Ort. Schätzungsweise 1000 bis 4000 Tonnen Uran könnten über Abraumhalden in die lokale Umwelt gelangt sein. Dies stellt eine direkte Gefahr für die Bergleute und die umliegenden Gemeinden dar.
Die Wissenschaftler betrachten den aktuellen Status quo als nicht haltbar. Zu den dringend empfohlenen Schritten gehören:
* Eine umfassende Überprüfung der Bergbaupraktiken in der DRK.
* Die Einführung strenger Vorschriften zur Trennung von Uran innerhalb der Kobalt-Lieferkette.
* Die Etablierung neuer Überwachungsmechanismen zur Sicherstellung umweltverträglicher Prozesse.
Als eine mögliche Lösung zur Unterbindung der unkontrollierten Uran-Exporte wird zudem diskutiert, die Veredelung des Kobalts direkt in der Demokratischen Republik Kongo anzusiedeln. Die Untersuchung entstand in Kooperation mit der *Financial Times* und der Investigativ-Stiftung *Lighthouse Reports* und verdeutlicht die dringende Notwendigkeit, Transparenz in die globalen Lieferketten kritischer Rohstoffe zu bringen.