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Pisa 2025: Wer nicht (intensiv) lesen kann, kann auch nichts lernen
Technik · 08.09.2026 12:07

Pisa 2025: Wer nicht (intensiv) lesen kann, kann auch nichts lernen

Kurz: Die PISA-Studie 2025 zeigt einen besorgniserregenden Rückgang der Lesekompetenz. Experten vermuten Zusammenhänge mit digitalen Ablenkungen und Social-Media-Feed

Was geschehen ist – die Kernmeldung ausführlich

Die aktuelle PISA-Studie 2025 hat alarmierende Ergebnisse zur globalen Bildungssituation geliefert. Im Zentrum der Untersuchung steht ein massiver Rückgang der Lesekompetenz bei 15-jährigen Schülerinnen und Schülern in den OECD-Ländern. Diese Entwicklung wird als besonders kritisch eingestuft, da das Lesen die grundlegende Voraussetzung für den Erwerb von Wissen in allen anderen Schulfächern darstellt. Die OECD-Verantwortlichen betonen, dass eine mangelnde Fähigkeit, komplexe Texte tiefgreifend zu erfassen, den gesamten Lernfortschritt behindert. Die Studie deutet darauf hin, dass die veränderten Lesegewohnheiten, die durch die Nutzung von schnell getakteten Social-Media-Feeds und anderen digitalen Informationsquellen geprägt sind, einen direkten negativen Einfluss auf die Konzentrationsfähigkeit und die kognitive Auseinandersetzung mit Inhalten haben könnten. Es zeigt sich ein Trend zum sogenannten flüchtigen Lesen, bei dem Texte nur noch oberflächlich überflogen werden. Dies führt dazu, dass Schülerinnen und Schüler bei komplexen Aufgaben schneller scheitern oder vorschnell falsche Antworten geben. Die PISA-Studie 2025, an der über 760.000 Jugendliche aus 91 Ländern teilnahmen, ist damit die bislang umfangreichste Erhebung in der Geschichte dieses Formats. Sie verdeutlicht, dass die Herausforderungen im Bildungswesen weit über die reine Wissensvermittlung hinausgehen und tief in die Art und Weise eingreifen, wie junge Menschen heute Informationen verarbeiten und lernen.

Die Einzelheiten – Zahlen, Namen und Orte

Die PISA-Ergebnisse für Deutschland zeichnen ein ernüchterndes Bild. In den drei Kernbereichen Naturwissenschaften, Mathematik und Lesen liegen die Leistungen unter dem Niveau der ersten PISA-Studie aus dem Jahr 2000. Im Detail erreichten die deutschen Schülerinnen und Schüler in Naturwissenschaften einen Durchschnittswert von 486 Punkten, im Lesen 465 Punkte und in Mathematik 464 Punkte. Zum Vergleich: Im Jahr 2022 lagen diese Werte noch bei 492, 480 beziehungsweise 475 Punkten. Global betrachtet sank die durchschnittliche Punktzahl in Mathematik im OECD-Raum zwischen 2015 und 2025 um 22 Punkte. Besonders drastisch ist der Einbruch bei der Lesekompetenz: Hier verzeichneten die OECD-Länder einen Rückgang um 28 Punkte, während die Nicht-OECD-Staaten um 16 Punkte abfielen. Andreas Schleicher, der OECD-Direktor für Bildung und Kompetenzen, verwies auf das veränderte Freizeitverhalten der Jugendlichen, die zunehmend zu Konsumenten von Feeds geworden seien, anstatt selbst kreativ tätig zu werden. In Deutschland gaben 50 Prozent der 15-Jährigen an, KI-Chatbots mindestens einmal wöchentlich zum Lernen zu nutzen. Gleichzeitig berichtete etwa ein Drittel der deutschen Schülerinnen und Schüler von Ablenkungen durch digitale Geräte in fast jeder Naturwissenschaftsstunde. Im Gegensatz dazu melden in den ostasiatischen Spitzenreitersystemen wie Japan, Korea und der Region P-S-J-Z (Peking-Shanghai-Jiangsu-Zhejiang) weniger als 10 Prozent der Lernenden solche Störungen.

Hintergrund – Der bisherige Verlauf

Die aktuelle Erhebung baut auf den Erkenntnissen der PISA-Studie 2022 auf, die bereits einen beispiellosen Leistungsrückgang dokumentiert hatte. Die OECD stellt fest, dass die Verschlechterung der Lernergebnisse in vielen Ländern keineswegs erst mit der Coronapandemie begann, sondern bereits zuvor einsetzte. Dies deutet auf tiefer liegende, strukturelle Probleme in den Bildungssystemen hin. Während die Leistungen in den Naturwissenschaften über das letzte Jahrzehnt hinweg als vergleichsweise stabil eingestuft wurden, zeigt sich in den Bereichen Mathematik und Lesen ein kontinuierlicher Abwärtstrend. Interessanterweise korreliert der Erfolg nicht mehr zwingend mit der Höhe der Bildungsausgaben. Es gibt Länder mit geringeren Investitionen, die teilweise bessere Resultate erzielen als reiche Industrienationen. Dies legt nahe, dass nicht der Ressourcenreichtum allein entscheidend ist, sondern die inhaltliche Schwerpunktsetzung innerhalb der Schulen. Die PISA-Studie hat sich über die Jahre hinweg stetig weiterentwickelt, um den Anforderungen einer sich wandelnden Welt gerecht zu werden. Mit der Einführung des neuen Kompetenzbereichs „Lernen in der digitalen Welt“ (LDW) im Jahr 2025 reagierte die OECD auf die zunehmende Bedeutung von algorithmischem Problemlösen und selbstreguliertem Lernen unter Nutzung digitaler Werkzeuge. Diese neue Kategorie ergänzt die klassischen Disziplinen und soll ein präziseres Bild der digitalen Kompetenz der Schülerinnen und Schüler liefern.

Die Beteiligten – Akteure und Institutionen

Die PISA-Studie wird von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) koordiniert und verantwortet. Mathias Cormann, der Generalsekretär der OECD, fungiert dabei als einer der wichtigsten Sprecher und mahnt die politischen Entscheidungsträger weltweit zu einem Umdenken an. Er betont die Notwendigkeit, hohe Erwartungen an alle Schülerinnen und Schüler zu stellen und die Bildungssysteme stärker auf die Beherrschung zentraler Inhalte auszurichten, anstatt oberflächlich eine zu große Themenvielfalt abzuarbeiten. Andreas Schleicher, der OECD-Direktor für Bildung und Kompetenzen, liefert die pädagogische Einordnung der Daten. Er warnt vor einer pauschalen Ablehnung digitaler Lernmittel, betont jedoch, dass deren Einsatz kognitive Auseinandersetzung fördern und nicht ersetzen dürfe. Die betroffene Gruppe sind die 15-jährigen Jugendlichen weltweit, deren Lernverhalten und Leistungsfähigkeit in den Fokus der Untersuchung gerückt sind. Zudem sind die nationalen Bildungssysteme direkt adressiert, da sie die Rahmenbedingungen für den Unterricht, den Umgang mit digitalen Geräten und die Integration von Künstlicher Intelligenz in den Lernalltag festlegen müssen. Die Ergebnisse dienen als Grundlage für die politische Debatte in den jeweiligen Mitgliedsstaaten, um notwendige Reformen anzustoßen.

Einordnung – Was das bedeutet

Einzuordnen ist das Ergebnis der PISA 2025 als ein Weckruf für die moderne Bildungspolitik. Den Berichten zufolge ist die Korrelation zwischen der Nutzung digitaler Feeds und der abnehmenden Lesekompetenz ein zentrales Indiz für die Herausforderungen der Digitalisierung. Es ist nicht die Technologie an sich, die das Lernen behindert, sondern die Art der Anwendung. Wenn digitale Werkzeuge lediglich zur schnellen Unterhaltung oder zum passiven Konsum genutzt werden, leidet die Fähigkeit zur vertieften Reflexion. Die OECD-Experten betonen, dass echtes Verständnis nur durch eigene, produktive Denkarbeit entsteht. Die Tatsache, dass mittlerweile auch Jugendliche aus sozioökonomisch starken Haushalten leistungsschwächer werden, zeigt, dass das Problem der Bildungsqualität die gesamte Gesellschaft betrifft und nicht mehr nur auf benachteiligte Gruppen beschränkt bleibt. Die Empfehlung der OECD, Schulen sollten den Umgang mit KI gezielt fördern und gleichzeitig strikte Regeln für die Nutzung mobiler Endgeräte im Unterricht etablieren, ist als Appell an die Schulen zu verstehen, die technologische Entwicklung aktiv zu steuern. Es geht darum, KI als Werkzeug des Denkens zu etablieren, statt sie als Ersatz für kognitive Anstrengung zuzulassen. Die Bildungssysteme stehen somit vor der Aufgabe, eine Balance zwischen digitaler Teilhabe und der Wahrung grundlegender kognitiver Fertigkeiten zu finden.

Offene Fragen – Was der Quelltext nicht beantwortet

Obwohl die PISA-Studie 2025 umfangreiche Daten liefert, bleiben einige Fragen unbeantwortet. Der Quelltext weist explizit darauf hin, dass detaillierte Ergebnisse zum neuen Bereich „Lernen in der digitalen Welt“ (LDW) erst im Herbst 2027 veröffentlicht werden sollen. Bis dahin bleibt unklar, wie genau die verschiedenen Länder in diesem spezifischen Bereich im Detail abgeschnitten haben und welche spezifischen Kompetenzen bei der Nutzung digitaler Werkzeuge am stärksten ausgeprägt sind. Zudem lässt die Studie offen, welche konkreten pädagogischen Maßnahmen in den jeweiligen Ländern die größten Erfolge bei der Steigerung der Lesekompetenz erzielt haben. Es wird zwar betont, dass strikte Smartphone-Verbote mit weniger Ablenkung korrelieren, doch ob diese Verbote allein ausreichen, um die Lesekompetenz signifikant zu steigern, wird nicht abschließend geklärt. Auch die langfristigen Auswirkungen der KI-Nutzung auf die kognitive Entwicklung sind zum jetzigen Zeitpunkt noch Gegenstand von Vermutungen, da die Studie lediglich eine Momentaufnahme der aktuellen Nutzungsgewohnheiten darstellt. Die genauen kausalen Zusammenhänge zwischen der spezifischen Art der KI-Nutzung und den individuellen Lernerfolgen bleiben somit ein Feld, das in zukünftigen Untersuchungen weiter differenziert werden muss.

Wie es weitergeht – Angekündigte Schritte

Die Veröffentlichung der PISA-Ergebnisse 2025 markiert den Beginn einer intensiven Debatte über die zukünftige Ausrichtung der Bildungssysteme. Die OECD hat für den Herbst 2027 die detaillierte Auswertung des Bereichs „Lernen in der digitalen Welt“ angekündigt, welche weitere Einblicke in die digitale Problemlösungskompetenz der Jugendlichen geben wird. Politische Entscheidungsträger sind nun gefordert, die Empfehlungen der OECD in ihre Bildungspläne zu integrieren. Dies umfasst insbesondere die Forderung, das Lesen im Schulalltag wieder stärker zu gewichten und digitale Lernplattformen so zu gestalten, dass sie reflektiertes Denken fördern. In Deutschland steht zudem die Diskussion über die Schulstruktur und die soziale Selektivität des Bildungssystems weiterhin auf der Agenda, da die Herkunft nach wie vor zu stark über den Bildungserfolg entscheidet. Schulen werden zudem angehalten, den Umgang mit KI nicht nur zu erlauben, sondern aktiv zu steuern, um sicherzustellen, dass die Technologie als Unterstützung und nicht als Krücke fungiert. Die kommenden Jahre werden zeigen, inwieweit die Bildungssysteme in der Lage sind, auf diese strukturellen Herausforderungen zu reagieren und die notwendigen Kompetenzen für eine zunehmend digitalisierte Welt effektiv zu vermitteln.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/bucher-stillleben-tiefenscharfe-selektiven-fokus-8306407/ · Foto: Ofspace LLC, Culture
Quelle: https://www.heise.de/news/PISA-2025-Wer-nicht-intensiv-lesen-kann-kann-auch-nichts-lernen-11444413.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag