Neue Horizonte für Grand Theft Auto
Die Gaming-Landschaft könnte vor einem signifikanten Umbruch stehen. Strauss Zelnick, der CEO von Take-Two Interactive, hat in einem Gespräch mit Analysten die Möglichkeit in den Raum gestellt, dass zukünftige Blockbuster-Titel wie Grand Theft Auto 6 (GTA 6) verstärkt über Cloud-Streaming zugänglich gemacht werden könnten. Dies würde es ermöglichen, grafisch anspruchsvolle Action-Titel auch auf Hardware zu spielen, die bisher nicht für derartige Rechenlasten ausgelegt war.
Die Hürde der Latenz überwinden
Das zentrale Problem beim Cloud-Gaming war bisher stets die Latenz. Da die Eingaben des Spielers an einen entfernten Server übertragen und das berechnete Bild zurückgesendet werden muss, entstehen Verzögerungen, die bei schnellen Spielen den Spielspaß erheblich beeinträchtigen können. Zelnick räumte ein, dass die Branche in der Vergangenheit bereits ähnliche Versprechen gemacht hat, die nicht immer in vollem Umfang eingelöst wurden. Er verwies dabei auf die Erfahrungen mit dem mittlerweile eingestellten Dienst Google Stadia, bei dem Take-Two ebenfalls Bedenken hinsichtlich der Reaktionszeiten äußerte.
Doch laut Zelnick haben sich die Rahmenbedingungen grundlegend gewandelt. Er begründet seinen Optimismus mit massiven Fortschritten bei den Netzwerkinfrastrukturen der sogenannten Hyperscaler – also großen Cloud-Anbietern wie Microsoft, Amazon oder Google. Ein entscheidender Faktor ist dabei das Edge Computing. Durch das Verlagern von Serverkapazitäten in die unmittelbare Nähe der Endnutzer werden die Übertragungswege für Daten drastisch verkürzt, was die Latenz auf ein für kommerzielle Zwecke nutzbares Niveau senken könnte. Zelnick erwartet, dass entsprechende Lösungen innerhalb der nächsten drei Jahre marktreif sein werden.
Potenzial und Marktveränderungen
Sollte sich das Cloud-Gaming als Standard etablieren, könnte dies die installierte Basis für Spiele wie GTA 6 theoretisch verzehnfachen. Geräte, die bisher nicht als Gaming-Plattformen galten, könnten plötzlich als Endgeräte für High-End-Produktionen fungieren. Zelnick betont jedoch, dass dies nicht zwingend eine Verzehnfachung der Einnahmen bedeutet, da die Kernzielgruppe bereits heute über leistungsfähige Konsolen oder PCs verfügt.
Dennoch zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab: Die Grenze zwischen stationären Konsolen und mobilen Endgeräten verschwimmt. Wenn das Streaming reibungslos funktioniert, könnte jedes Spiel potenziell zu einem Mobile-Titel werden. Konkrete Pläne für GTA 6 wollte Zelnick zwar nicht bestätigen und verwies für Details auf das Entwicklerstudio Rockstar Games, doch die strategische Richtung ist deutlich erkennbar.
Der PC als wachsender Pfeiler
Neben den Cloud-Ambitionen unterstrich Zelnick die wachsende Bedeutung des PC-Marktes für Take-Two. Während der PC vor zwei Jahrzehnten bei Multi-Plattform-Veröffentlichungen oft nur einen verschwindend geringen Anteil von ein bis zwei Prozent am Gesamtumsatz ausmachte, hat sich dieses Bild gewandelt. Heute erreichen PC-Versionen bei vergleichbaren Titeln bereits 40 bis 50 Prozent der Verkäufe.
Die Gründe für diesen Trend sind vielfältig: PCs sind in Haushalten weit verbreitet, lassen sich mühelos mit Controllern bedienen und haben sich als leistungsstarke Gaming-Systeme etabliert. Diese Entwicklung nährt die Hoffnung, dass PC-Spieler bei zukünftigen Veröffentlichungen von Take-Two nicht mehr so lange auf eine Portierung warten müssen wie in der Vergangenheit. GTA 6 ist für den 19. November 2026 zunächst für die PlayStation 5 sowie die Xbox Series X und S angekündigt.