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Zum Tod von gloria steinem: Sie veränderte, was Feminismus bedeutet
Kultur · 03.09.2026 16:20

Zum Tod von gloria steinem: Sie veränderte, was Feminismus bedeutet

Kurz: Die US-amerikanische Feministin Gloria Steinem ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Sie prägte die zweite Welle des Feminismus maßgeblich.

Ein Leben für die Gleichberechtigung: Gloria Steinem verstorben

Die amerikanische Öffentlichkeit trauert um eine der einflussreichsten Vordenkerinnen der modernen Frauenbewegung. Gloria Steinem, die als das Gesicht der sogenannten „Second Wave“ des Feminismus in die Geschichte einging, ist am 2. September im Alter von 92 Jahren verstorben. Ihr Tod markiert das Ende einer Ära, die den gesellschaftlichen Diskurs in den Vereinigten Staaten und weit darüber hinaus grundlegend transformiert hat. Steinem war weit mehr als nur eine Aktivistin; sie war eine strategische Denkerin, eine begnadete Journalistin und eine Frau, die verstand, wie mediale Aufmerksamkeit genutzt werden muss, um politische Forderungen in den Mainstream zu tragen. Ihr Wirken hat dazu beigetragen, Themen, die zuvor als rein private Angelegenheiten hinter verschlossenen Türen verhandelt wurden, in das Zentrum der politischen Debatte zu rücken. Von der Forderung nach gleicher Bezahlung bis hin zum Recht auf körperliche Selbstbestimmung – Steinems Einsatz hat die Art und Weise, wie über Geschlechterrollen, Machtverhältnisse und die Freiheit des Einzelnen gesprochen wird, nachhaltig verändert. Ihr Ableben löst weltweit eine Welle der Würdigung aus, die an eine Frau erinnert, die keine Angst davor hatte, den Status quo herauszufordern.

Die Anfänge einer journalistischen Karriere und der Weg zum Aktivismus

Geboren wurde Gloria Steinem im Jahr 1934 in Toledo im US-Bundesstaat Ohio. Ihr Weg führte sie über das renommierte Smith College in Massachusetts und einen zweijährigen Aufenthalt in Indien schließlich nach New York, wo sie ihre journalistische Laufbahn begann. Ein entscheidender Moment ihrer frühen Karriere war das Jahr 1963, als ihr eine Undercover-Reportage über die Welt der Playboy-Clubs gelang, die ihr schlagartig nationale Aufmerksamkeit einbrachte. Doch Steinem nutzte ihre Bekanntheit nicht für den reinen Journalismus; sie erkannte früh, dass ihr äußeres Erscheinungsbild ein Werkzeug sein konnte, um Gehör für ihre politischen Anliegen zu finden. 1968 war sie maßgeblich an der Gründung des „New York Magazine“ beteiligt. Nur wenige Jahre später, im Jahr 1971, rief sie das Magazin „Ms.“ ins Leben, das als erste explizit feministische Publikation des Landes fungierte. Der Name war Programm: „Ms.“ sollte als förmliche Anrede dienen, die den Familienstand einer Frau – ob verheiratet oder nicht – als irrelevant für ihre Identität und ihre gesellschaftliche Rolle markierte. Damit setzte sie ein starkes Zeichen gegen die damals übliche Unterscheidung zwischen „Miss“ und „Mrs.“.

Die politische Agenda der Second Wave und ihre historischen Wurzeln

Die Forderungen, die Steinem gemeinsam mit Mitstreiterinnen wie Betty Friedan oder Dorothy Pitman Hughes erhob, waren für die damalige Zeit radikal und sind in vielen Punkten bis heute hochaktuell. Es ging um den gleichberechtigten Zugang zu politischer Macht, die Forderung nach Lohngleichheit, eine gerechte Aufteilung von Hausarbeit und Kindererziehung sowie den Schutz vor häuslicher Gewalt. Besonders der Kampf um die Selbstbestimmung über den eigenen Körper, insbesondere der Zugang zu sicheren Abtreibungen, stand im Zentrum ihres Engagements. Steinem selbst hatte bereits im Alter von 22 Jahren in London einen Schwangerschaftsabbruch vorgenommen. Sie machte diese persönliche Erfahrung zu einem politischen Anliegen, um das Stigma zu brechen. Vor der Ära von „Ms.“ und der National Women’s Political Caucus (NOW), an deren Kongress sie 1971 teilnahm, galt die Gewalt in der Ehe oder die häusliche Arbeit als Privatsache. Steinem und ihre Mitstreiterinnen leisteten Pionierarbeit, indem sie das Private als politisch deklarierten und damit staatliches Handeln und gesellschaftliche Verantwortung einforderten.

Kontroversen und die Komplexität einer langen Laufbahn

Das Leben einer so öffentlichen Figur wie Gloria Steinem blieb nicht frei von Widersprüchen und Kritik. Innerhalb der feministischen Bewegung gab es wiederholt Reibungspunkte. Ein prominentes Beispiel war das Jahr 1972, als Steinem den demokratischen Präsidentschaftskandidaten George McGovern unterstützte, anstatt sich hinter die schwarze NOW-Mitgründerin Shirley Chisholm zu stellen, was ihr innerhalb der Bewegung Kritik einbrachte. Auch ihre frühe Tätigkeit für das World Youth Festival 1959 in Wien wurde später thematisiert, da Verbindungen zur CIA bestanden, die das Festival zur kulturellen Einflussnahme nutzte. Zudem gab es im Jahr 2016 Spannungen mit jüngeren Feministinnen, als Steinem im Wahlkampf Hillary Clinton unterstützte und sich kritisch über die männliche Basis des linken Kandidaten Bernie Sanders äußerte. Doch Steinem zeigte sich auch lernfähig: Während sie in früheren Jahren nicht als explizite Fürsprecherin für Transgender-Personen in Erscheinung getreten war, korrigierte sie ihre Haltung im Jahr 2020 öffentlich. Sie betonte, dass die Einschränkung der medizinischen Versorgung für Trans-Personen eine Gefahr für alle Amerikaner darstelle und somit ein gesamtgesellschaftliches Problem sei.

Einordnung: Die Veränderung der politischen Vorstellungskraft

Einzuordnen ist das Wirken von Gloria Steinem als ein Prozess, der weit über die bloße Durchsetzung von Gesetzen hinausging. Den Berichten zufolge bestand ihr wichtigstes Vermächtnis in der Veränderung der politischen Vorstellungskraft einer ganzen Nation. Sie verstand, dass politische Siege in der kulturellen Sphäre vorbereitet werden müssen. Dennoch verlor sie nie den Blick für die pragmatische Seite der Macht: Sie investierte viel Energie in den Aufbau politischer Netzwerke innerhalb der Demokratischen Partei, um ihre Ideale in konkrete Politik zu übersetzen. Während die Suffragetten der ersten Welle primär für das Wahlrecht kämpften, erweiterte die zweite Welle, deren Gesicht Steinem war, das Spielfeld auf alle Lebensbereiche. Sie entlarvte die ökonomische Ausbeutung und den Rassismus als untrennbare Bestandteile der patriarchalen Machtverhältnisse. Steinem war sich stets bewusst, dass ihre Rolle als Ikone auch eine Bürde darstellte, da sie oft als liberale, weiße Feministin wahrgenommen wurde, während sie selbst versuchte, intersektionale Aspekte in den Fokus zu rücken.

Offene Fragen und der Blick in die Zukunft

Der Quelltext lässt einige Aspekte ihres Lebens und ihrer späteren Jahre offen. So wird zwar ihr Tod und ihre Bedeutung für die Geschichte des Feminismus ausführlich gewürdigt, doch konkrete Details zu ihren letzten Lebensjahren, ihrem privaten Umfeld oder ihrem Gesundheitszustand vor dem Ableben bleiben unbeantwortet. Auch die Frage, wie die von ihr mitbegründeten Institutionen wie das „Ms.“-Magazin nach ihrem Tod in einer sich wandelnden Medienlandschaft fortbestehen werden, wird im Text nicht weiter erörtert. Ebenso bleibt offen, welche konkreten politischen Projekte sie in ihren letzten Jahren noch aktiv begleitete oder welche Dokumente oder Archive sie möglicherweise hinterlassen hat, die für Historiker von Bedeutung sein könnten. Es ist zudem nicht explizit geklärt, wie sie die aktuellen gesellschaftlichen Spaltungen in den USA in ihren letzten Monaten bewertete, abgesehen von ihren bereits bekannten Positionen zu Trans-Rechten und politischer Netzwerkarbeit. Die Zukunft der von ihr angestoßenen Kämpfe bleibt somit eine Aufgabe für die nachfolgenden Generationen, die nun ohne ihre direkte Stimme weiterarbeiten müssen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/frau-sitzung-sitzen-boden-8561270/ · Foto: https://kaboompics.com/
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/amerikanische-feministin-gloria-steinem-mit-92-jahren-gestorben-201188169.html