Ein starkes Halbjahr für Schweizer Auktionshäuser
Der Auktionsmarkt in der Schweiz hat im ersten Halbjahr eine beeindruckende Dynamik bewiesen. Renommierte Auktionshäuser wie Koller in Zürich und Artcurial Beurret Bailly Widmer in Basel berichten von einer anhaltend hohen Nachfrage und Ergebnissen, die teilweise weit über den ursprünglichen Erwartungen lagen. Die Branche profitiert dabei von einem stabilen Interesse an qualitativ hochwertigen Werken, wobei insbesondere Schweizer Klassiker eine zentrale Rolle bei den erzielten Höchstpreisen spielen.
Ferdinand Hodler als Zugpferd
Besonders deutlich wurde die ungebrochene Anziehungskraft heimischer Meister bei der Versteigerung von Ferdinand Hodlers Werk „Sonnenuntergang am Genfersee von Caux aus“. Bei Koller kletterte der Preis für das Ölgemälde auf sechs Millionen Franken. Damit avancierte das Werk zum bisher teuersten Los des Jahres in der Schweiz und reiht sich als viertteuerstes Bild des Künstlers in die Auktionsgeschichte ein. Auch andere Werke von Hodler, wie etwa die Ansicht des „Jungfraumassivs von Mürren aus“, bestätigten mit einem Zuschlag von 1,5 Millionen Franken die solide Marktposition des Künstlers.
Neben Hodler bleiben Namen wie Albert Anker und Giovanni Giacometti Garanten für hohe Umsätze. Während Ankers Doppelbildnis spielender Geschwister die Erwartungen erfüllte, sorgte Giacomettis Porträt seiner Söhne Alberto und Diego für ein deutliches Plus gegenüber der Schätzung.
Dynamik bei Rudolf Koller und den Impressionisten
Abseits der etablierten Millionenerfolge gab es im Auktionssaal bemerkenswerte Bietergefechte. Ein Beispiel hierfür ist Rudolf Kollers Gemälde „Fröhliche Heimkehr“ aus dem Jahr 1874. Das Werk, das mit einer Schätzung von 30.000 bis 40.000 Franken in den Handel ging, erzielte letztlich 130.000 Franken. Die Dynamik des Werks, die an das berühmte Motiv der „Gotthardpost“ erinnert, überzeugte die Bieter offenbar nachhaltig.
Auch internationale Größen der Moderne und des Impressionismus erzielten beachtliche Ergebnisse:
* **Paul Signac:** „La Salute (Venise)“ wechselte für 3,55 Millionen Franken den Besitzer.
* **Claude Monet:** Eine Pastellzeichnung der Waterloo Bridge übertraf mit 860.000 Franken die untere Schätzung um mehr als das Doppelte.
* **Pierre-Auguste Renoir:** Ein Mädchenantlitz erreichte einen Zuschlag von 950.000 Franken.
Überraschungen und Marktchancen
Nicht immer sind es die vorab als Top-Lose gehandelten Werke, die für die größten Überraschungen sorgen. Bei Artcurial Beurret Bailly Widmer stieg der Preis für Hans Arps Bronze „Torso-Amphore“ von 250.000 auf 550.000 Franken. Ebenfalls bemerkenswert war der Verkauf eines Gemäldes von Walter Sickert, dessen „Nu assis au sofa vert“ für das Neunfache der Untertaxe bei 280.000 Franken versteigert wurde. Auch Marie Laurencins „Mädchen mit Katze“ erfuhr eine deutliche Preissteigerung auf 250.000 Franken und fand den Weg in das Kunstmuseum Basel.
Bei den Alten Meistern zeigte sich ein ähnliches Bild: Ein kleines „Porträt eines Prälaten“ von Corneille de Lyon, geschätzt auf maximal 120.000 Franken, wurde für 430.000 Franken in eine europäische Sammlung vermittelt. Pieter Brueghel der Jüngere überzeugte zudem mit seiner „Allegorie des Herbstes“, die für 1,5 Millionen Franken einen neuen Eigentümer fand.
Ausblick und Markteinordnung
Die hohen Verkaufsquoten – bei Koller lag diese im Juni bei rund 90 Prozent – unterstreichen das Vertrauen der Sammler in den Schweizer Auktionsplatz. Die Kombination aus einer sorgfältigen Auswahl an Werken und der gezielten Ansprache internationaler Bieter scheint derzeit ein probates Mittel zu sein, um auch in einem volatilen wirtschaftlichen Umfeld Spitzenpreise zu erzielen. Für die kommenden Monate bleibt abzuwarten, ob sich diese Dynamik fortsetzt oder ob sich der Markt nach den starken Ergebnissen des ersten Halbjahres zunächst konsolidieren muss. Die hohe Nachfrage nach marktfrischen Werken aus Privatbesitz deutet jedoch darauf hin, dass das Interesse an exklusiven Kunstobjekten weiterhin ungebrochen ist.