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Künstler-Witwe schenkt Stadt Kassel Katase-Druckgrafiken
Regional · 04.09.2026 10:59

Künstler-Witwe schenkt Stadt Kassel Katase-Druckgrafiken

Kurz: Die Witwe des documenta-Künstlers Kazuo Katase schenkt der Stadt Kassel 20 Druckgrafiken, die künftig in der Neuen Galerie bewahrt und präsentiert werden.

Ein bedeutender Zuwachs für die Städtische Kunstsammlung

Die kulturelle Landschaft der Stadt Kassel erfährt eine bemerkenswerte Bereicherung. Wie am 4. September 2026 offiziell bekannt gegeben wurde, hat Irene Adelmann-Katase, die Witwe des renommierten documenta-Künstlers Kazuo Katase, der Stadt Kassel ein Konvolut bestehend aus 20 Druckgrafiken als Schenkung überlassen. Diese großzügige Zuwendung findet ihre dauerhafte Heimat in der Graphischen Sammlung von Hessen Kassel Heritage. Die Entscheidung von Frau Adelmann-Katase ist dabei eng mit der bisherigen Ankaufspolitik der Stadt verknüpft. Bereits in der Vergangenheit hatte die Stadtverwaltung zwei bedeutende Werke des Künstlers erworben, um sie für die Nachwelt zu sichern. Mit der nun erfolgten Schenkung der Druckgrafiken wird das Ziel verfolgt, das druckgrafische Werk Katases in einem öffentlichen Kontext zusammenzuführen und für ein breites Publikum zugänglich zu machen. Die Werke sollen in der Neuen Galerie bewahrt werden, wo sie künftig einen festen Platz im Ausstellungsrepertoire einnehmen und die bestehende Sammlung um wertvolle Facetten aus den verschiedenen Schaffensperioden des Künstlers erweitern werden.

Details zur Sammlung und den erworbenen Werken

Die nun übergebenen 20 Druckgrafiken decken einen Zeitraum von fast drei Jahrzehnten ab, konkret entstanden sie zwischen 1975 und 2002, wobei die Arbeiten sowohl in Deutschland als auch in Neuseeland gefertigt wurden. Unter den Stücken befinden sich historisch bedeutsame Arbeiten, wie etwa zwei Grafiken, die bereits 1975 im Rahmen der ersten europäischen Einzelausstellung von Katase in der Städtischen Galerie im Schloss Wolfsburg entstanden. Ein weiteres Highlight der Schenkung ist der Druck mit dem Titel „Apocalypse Amazonas“ aus dem Jahr 1992, der ursprünglich für die Mappen der Künstlereditionen anlässlich der documenta IX produziert wurde. Ergänzt wird dieser Bestand durch die bereits zuvor erworbenen Objekte der Stadt: das Bronzeobjekt „Ohne Titel (Stein + Schildkrötenpanzer)“ aus den Jahren 1988/89 sowie das großformatige Pastellbild „Lichtbild (Wolken)“ aus dem Jahr 1989. Diese Werke, die sich bereits im Besitz der Städtischen Kunstsammlung befinden, unterstreichen die existenzielle Tiefe des Künstlers, der sich intensiv mit den Spannungsfeldern von Bewegung, Statik, Zeit und Raum auseinandersetzte.

Historischer Kontext und künstlerischer Werdegang

Kazuo Katase, der 1947 in Japan geboren wurde, prägte die Kunstszene in Kassel über Jahrzehnte hinweg maßgeblich. Nachdem er 1975 nach Deutschland gekommen war und 1976 seinen Wohnsitz von Göttingen nach Kassel verlegt hatte, studierte er an der Gesamthochschule Kassel Visuelle Kommunikation und Freie Kunst. Bis zu seinem Tod im Jahr 2024 blieb er der Stadt als seinem zentralen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt eng verbunden. Sein künstlerisches Schaffen zeichnete sich durch eine enorme Vielseitigkeit aus, die von Fotografie und Fotoübermalungen über Siebdrucke bis hin zu komplexen Rauminstallationen und Environments reichte. Ein zentrales Motiv, das sich wie ein roter Faden durch sein gesamtes Œuvre zieht, ist die „Schale“. Dieses Symbol der Leere findet sich in seinen Skulpturen, Fotografien und ab 2011 auch verstärkt in seinen mit Pastellkreide ausgeführten Gemälden wieder. Als Vermittler zwischen östlichen und westlichen Kulturtraditionen entwickelte Katase eine unverwechselbare Bildsprache, die ihm internationale Anerkennung einbrachte und 1992 zur Teilnahme an der documenta IX führte.

Die Akteure und ihre Perspektiven

Die Übergabe der Schenkung wurde von einer Reihe hochrangiger Vertreter der Stadt Kassel und der Kunstinstitutionen begleitet. Bei der offiziellen Übergabe waren Oberbürgermeister Sven Schoeller sowie der ehemalige Oberbürgermeister Bertram Hilgen anwesend. Seitens Hessen Kassel Heritage nahmen Direktor Dr. Martin Faass sowie Dr. Dorothee Gerkens, die Leiterin der Sammlung Kunst des 19. bis 21. Jahrhunderts, an dem Termin teil. Oberbürgermeister Schoeller betonte in seiner Ansprache die tiefe Verbundenheit des Künstlers mit seiner Wahlheimat Kassel und würdigte die Schenkung als wertvolle Erweiterung der städtischen Bestände. Dr. Martin Faass hob die Bedeutung Katases als Brückenbauer zwischen den Kulturen hervor und betonte, dass die Druckgrafiken eine ideale Ergänzung für die Sammlung darstellen, da der Fokus des Hauses explizit auf documenta-Künstlern liege. Irene Adelmann-Katase selbst äußerte den Wunsch, dass das gesamte druckgrafische Werk ihres verstorbenen Mannes an einem Ort gesammelt und öffentlich zugänglich gemacht werden sollte, was sie zur bewussten Entscheidung für die Städtische Kunstsammlung in Kassel bewegte.

Einordnung der künstlerischen Bedeutung

Einzuordnen ist diese Schenkung als ein wesentlicher Schritt zur Bewahrung des kulturellen Erbes der Stadt Kassel. Kazuo Katase ist nicht nur durch seine Werke in den Museen präsent, sondern prägt auch das öffentliche Stadtbild nachhaltig. Den Berichten zufolge sind seine Arbeiten im öffentlichen Raum, wie die Lichtinstallation „Blue Dancer“ über der Fulda, die seit 2003 existiert, oder die Skulptur „Schöpfung“ im Diakonissenkrankenhaus, fest im Bewusstsein der Bürger verankert. Auch das Werk „Das Viertel“ auf dem Dach des Walter Gropius Hauses zeugt von seiner dauerhaften Präsenz. Die Verleihung der Goldenen Ehrennadel durch die Stadt Kassel im Jahr 2017 war bereits eine Anerkennung seines Lebenswerkes. Die Integration der 20 neuen Druckgrafiken in die Neue Galerie bedeutet eine weitere Vertiefung der wissenschaftlichen und musealen Aufarbeitung seines Schaffens. Die Schenkung unterstreicht den Stellenwert, den die Stadt Kassel der documenta-Geschichte und den Künstlern beimisst, die durch ihr Wirken die Identität der Stadt als Kunststandort mitgestaltet haben.

Offene Fragen und Lücken in der Dokumentation

Obwohl die Schenkung der 20 Druckgrafiken einen bedeutenden Zuwachs darstellt, bleiben einige Aspekte im vorliegenden Quelltext unbeantwortet. So wird beispielsweise nicht explizit dargelegt, ob es noch weitere Teile des druckgrafischen Gesamtwerks gibt, die sich in privatem Besitz befinden oder an anderen Orten verwahrt werden. Auch bleibt offen, ob die Stadt Kassel plant, in naher Zukunft eine spezifische Sonderausstellung zu organisieren, die sich ausschließlich diesen neuen 20 Grafiken widmet, oder ob diese in die bestehende Dauerausstellung integriert werden. Des Weiteren werden keine detaillierten Informationen zu den technischen Aspekten der Konservierung oder den genauen logistischen Schritten der Überführung der Werke genannt. Auch der genaue Umfang des gesamten künstlerischen Nachlasses von Kazuo Katase wird im Text nicht weiter präzisiert, sodass unklar bleibt, in welchem Verhältnis die Schenkung zum Gesamtnachlass steht. Diese Details wären für eine vollständige kunsthistorische Einordnung des Bestandes von weiterem Interesse, werden jedoch in der Pressemitteilung nicht weiter thematisiert.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/schloss-wilhelmshohe-in-kassel-im-sommer-32533425/ · Foto: Arlind D
Quelle: https://www.kassel.de/pressemitteilungen/september/katasegrafiken.php