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Art Week in Brüssel: Kunst geht auch ohne Bürokratie
Kultur · 13.09.2026 10:16

Art Week in Brüssel: Kunst geht auch ohne Bürokratie

Kurz: Die Brussels Art Week beweist unter dem Motto „RendezVous“ ihre Vitalität. Ohne staatliche Hilfe und mit viel Engagement zeigt die Szene, wie Kunst wuchert.

Was geschehen ist – die Kernmeldung ausführlich

Unter dem Motto „RendezVous“ hat die Brussels Art Week begonnen, ein Ereignis, das die lebendige und facettenreiche Kunstszene der belgischen Hauptstadt in den Mittelpunkt rückt. Die Veranstaltung, die erst im vergangenen Jahr von den Kuratorinnen Laure Decock und Evelyn Simons als Nachfolgerin des früheren Brüsseler Gallery Weekends ins Leben gerufen wurde, zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Dynamik aus. Anders als bei vielen staatlich geförderten Kunstfestivals basiert dieses Format auf einer Initiative von unten, die ohne die Unterstützung der öffentlichen Hand auskommt. Die Kunstwoche findet in einer Stadt statt, die sich als kulturelles Bindeglied zwischen Paris und London positioniert und durch ihre Internationalität sowie eine gewisse Experimentierfreude besticht. Die Veranstaltung bietet ein breites Spektrum an Ausstellungen, die von hochkarätigen musealen Werkschauen in makellosen Betonkuben bis hin zu intimen Präsentationen in ehemaligen Hinterhofmanufakturen oder historischen Wohnräumen reichen. Das Programm umfasst dabei nicht nur klassische Galeriebesuche, sondern auch geführte Touren, Gesprächsrunden, Konzerte und kulinarische Performances, die ein breites Publikum ansprechen sollen.

Die Einzelheiten – Zahlen, Namen und Orte

Die Vielfalt der Ausstellungen ist beeindruckend. In der Galerie Xavier Hufkens zeigt Tatiana Trouvé bis Ende Oktober eine umfassende Werkschau, deren Herzstück die Installation „L’inventario“ bildet, eine täuschend echte Nachbildung von Alltagsgegenständen aus Metall. In der In-Gate Gallery sind bis zum 14. November Metallskulpturen von Dmitry Bulnygin zu sehen, deren Preise im vier- bis fünfstelligen Bereich liegen. Die Galerie Émilie Dujat präsentiert bis zum 17. Oktober die Schau „Kaos“, die großformatige Drucke des belgischen Künstlers zeigt. Robert Martin stellt in der EDJI Gallery bis zum 3. Oktober seine Werke aus, die ab 2600 Euro erworben werden können. Bei Almine Rech zeigt Hans Op de Beeck bis zum 7. November monumentale Arbeiten, während Sophie Kuijken bei Nathalie Obadia eine Einzelschau erhält. Die Galerie Chiquita Room, geleitet von Laura González Palacios, zeigt bis zum 7. November einen Dialog zwischen Pieter Laurens Mol und Laía Argüelles Folch. Zudem präsentiert die Galerie Bernier/Eliades Arbeiten von Tony Cragg. Die Kunstwoche selbst endete offiziell am 13. September, wobei viele der genannten Ausstellungen noch weit über diesen Termin hinaus für Besucher zugänglich bleiben.

Hintergrund – Die Entwicklung des Formats

Die Brussels Art Week ist das Ergebnis einer bewussten Neugründung. Nachdem das frühere Brüsseler Gallery Weekend eingestellt wurde, entstand die Notwendigkeit, eine neue Plattform für die lokale und internationale Kunstszene zu schaffen. Laure Decock und Evelyn Simons übernahmen die Initiative und etablierten „RendezVous“. Die Entscheidung, das Projekt als Non-Profit-Organisation zu führen, ist dabei symptomatisch für den Geist der Veranstaltung. Da keine Zuwendungen der öffentlichen Hand fließen, ist das Team auf Sponsoren angewiesen, um den Betrieb und die damit verbundenen Serviceleistungen wie den gedruckten Reiseführer oder die organisierten Touren zu finanzieren. Diese Unabhängigkeit verleiht der Kunstwoche eine besondere Freiheit, die sich in der Auswahl der Orte und der kuratorischen Freiheit widerspiegelt. Die Stadt Brüssel selbst bietet mit ihren vergleichsweise günstigen Mieten und einer hohen Dichte an solventen Sammlern, die teilweise durch die ansässigen EU-Institutionen angezogen werden, den idealen Nährboden für ein solches Unterfangen, das ohne den bürokratischen Apparat großer Institutionen auskommt.

Die Beteiligten – Personen und Institutionen

Die Kunstwoche lebt von einem Netzwerk aus Galeristen, Künstlern und Kuratoren. Die Gründerinnen Laure Decock und Evelyn Simons fungieren als treibende Kräfte hinter dem „RendezVous“-Format. Zu den beteiligten Galerien zählen renommierte Häuser wie Xavier Hufkens, Almine Rech, Nathalie Obadia und Bernier/Eliades, aber auch kleinere, spezialisierte Orte wie die In-Gate Gallery, die EDJI Gallery oder die neu in Brüssel ansässige Galerie Chiquita Room. Die Künstler selbst bilden ein internationales Spektrum ab, darunter der in Paris lebende Russe Dmitry Bulnygin, der Belgier Hans Op de Beeck sowie der britische Bildhauer Tony Cragg. Auch das Kollektiv Espace Aygo ist als Teil des Programms involviert und gestaltet eine Auftragsschau im „Salon de RendezVous“. Die Präsenz dieser Akteure unterstreicht die Internationalität der Szene, die sich in Brüssel trifft, um einen Austausch über Landes- und Generationengrenzen hinweg zu pflegen, fernab von Snobismus oder elitären Barrieren.

Einordnung – Die Bedeutung der Kunstwoche

Einzuordnen ist die Brussels Art Week als ein vitales Zeichen für die Resilienz und Innovationskraft der Kunstszene. Dass die Veranstaltung ohne staatliche Subventionen auskommt, wird von Beobachtern als Stärke gewertet: Die Kunst wuchert hier wie Unkraut, selbst in einer durchorganisierten Welt. Den Berichten zufolge ist die Atmosphäre in Brüssel geprägt von einer Vielsprachigkeit und einer kulturellen Offenheit, die in dieser Form selten ist. Die Tatsache, dass die Kunstwoche auf Sponsoren und privates Engagement angewiesen ist, zwingt die Veranstalter dazu, ein Programm zu kuratieren, das sowohl für Insider als auch für ein breiteres Publikum attraktiv ist. Die Mischung aus „leicht Verdaulichem“ und anspruchsvollen, konzeptionellen Werken sorgt dafür, dass die Veranstaltung nicht in eine Nische abdriftet. Die Kunstwoche fungiert somit nicht nur als Marktplatz für Sammler, sondern als ein gesellschaftliches Ereignis, das die Stadt Brüssel als wichtigen Knotenpunkt im europäischen Kunstmarkt festigt und ihre Rolle als experimentierfreudiger Standort unterstreicht.

Offene Fragen – Was bleibt unbeantwortet

Der vorliegende Quelltext lässt einige Aspekte offen, die für ein vollständiges Bild der Veranstaltung relevant wären. So wird nicht explizit dargelegt, wie hoch das tatsächliche finanzielle Volumen ist, das durch Sponsoren aufgebracht werden muss, um die operative Arbeit der Non-Profit-Organisation zu decken. Ebenso bleibt unklar, wie die langfristige Finanzierungssicherheit für kommende Jahre gewährleistet werden soll, wenn die Abhängigkeit von privaten Geldgebern so hoch ist. Auch die konkreten Auswirkungen der geplanten städtischen Einschränkungen für Zweitimmobilien und Kurzzeitvermietungen auf die Galerienlandschaft, die oft in Wohngebieten oder in ehemaligen Wohnräumen ansässig sind, werden zwar als Thema angedeutet, aber nicht in ihrer direkten Konsequenz für die Kunstwoche expliziert. Zudem fehlen detaillierte Besucherzahlen, die Aufschluss darüber geben könnten, wie erfolgreich die Strategie der Gewinnung neuer Kunstinteressierter tatsächlich in der Praxis aufgeht.

Wie es weitergeht – Ausblick und Termine

Die Brussels Art Week mag zwar offiziell ihren zeitlichen Rahmen bis zum 13. September gehabt haben, doch das Programm wirkt weit über dieses Datum hinaus. Viele der in den Galerien gezeigten Ausstellungen laufen noch bis in den Oktober oder November hinein. So endet die Schau von Robert Martin in der EDJI Gallery am 3. Oktober, während die Ausstellung von Tatiana Trouvé bei Xavier Hufkens bis Ende Oktober zu sehen ist. Die Galerie Chiquita Room zeigt den Dialog zwischen Pieter Laurens Mol und Laía Argüelles Folch bis zum 7. November, ebenso wie die Schau von Hans Op de Beeck bei Almine Rech. Die In-Gate Gallery hält ihre Ausstellung mit den Werken von Dmitry Bulnygin bis zum 14. November bereit. Für die Zukunft der Art Week bleibt abzuwarten, wie sich das „RendezVous“-Format weiterentwickelt und ob es gelingt, die Balance zwischen kommerziellem Erfolg und künstlerischem Experiment beizubehalten, ohne dabei die Unabhängigkeit zu verlieren, die den aktuellen Erfolg begründet.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/schwarz-und-weiss-schwarzweiss-gebaude-architektur-5818801/ · Foto: Sinitta Leunen
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunstmarkt/rendezvous-die-besten-ausstellung-der-art-week-in-bruessel-accg-201217176.html