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Digitale Souveränität: Schweizer Regierung will weg von Microsoft
Technik · 08.09.2026 10:10

Digitale Souveränität: Schweizer Regierung will weg von Microsoft

Kurz: Die Schweizer Regierung strebt eine Abkehr von Microsoft-Produkten an. Ein Pilotprojekt mit 3.000 Mitarbeitern soll die Machbarkeit einer Open-Source-Alternativ

Was geschehen ist – die Kernmeldung ausführlich

Die Schweizer Regierung hat offiziell den Kurs in Richtung digitaler Souveränität eingeschlagen und strebt eine langfristige Loslösung von Microsoft-Software an. Dieses ambitionierte Vorhaben wurde durch eine Machbarkeitsstudie initiiert, deren Ergebnisse nun den Weg für konkrete Testläufe ebnen. Die Regierung möchte damit die Abhängigkeit von einem einzelnen großen Softwareanbieter drastisch reduzieren und die Kontrolle über ihre IT-Infrastruktur sowie die sensiblen Daten der Bundesverwaltung zurückgewinnen. Dass es sich dabei nicht nur um eine theoretische Überlegung handelt, unterstreicht die Entscheidung, einen umfangreichen Praxistest mit einer signifikanten Anzahl an Mitarbeitern zu starten. Die Schweiz folgt damit einer internationalen Tendenz, bei der staatliche Institutionen vermehrt auf offene Standards setzen, um sich gegen die Bindung an proprietäre Ökosysteme zu wehren. Das Ziel ist klar definiert: Eine robuste, alternative Software-Plattform soll geschaffen werden, die den Anforderungen einer modernen, effizienten und sicheren Bundesverwaltung gerecht wird, ohne dabei auf die bisher dominierenden Microsoft-Produkte angewiesen zu sein. Die Ankündigung markiert einen signifikanten Wendepunkt in der IT-Strategie der Eidgenossenschaft, die nun aktiv nach Wegen sucht, um die digitale Unabhängigkeit des Staates dauerhaft zu sichern und technologische Risiken zu minimieren.

Die Einzelheiten – Zahlen, Namen und Fakten

Das Projekt zur digitalen Souveränität hat bereits erste konkrete Formen angenommen. In einer initialen Machbarkeitsstudie wurden 172 Personen einbezogen, um die prinzipielle Umsetzbarkeit des Vorhabens zu prüfen. Der Erfolg dieses ersten Schrittes führt nun zu einer Ausweitung: Geplant ist ein Testlauf mit 3.000 Mitarbeitern der Bundesverwaltung. Diese Testgruppe wird gezielt aus verschiedenen Fachbereichen sowie der Bundeskanzlei rekrutiert, wobei ein besonderer Fokus auf Personen liegt, die in kritischen Geschäftsprozessen tätig sind. Der Zeitplan sieht vor, dass eine alternative Software-Plattform ab Ende 2027 einsatzbereit sein soll. Daniel Markwalder, der als Delegierter für die Umsetzung des Projekts verantwortlich zeichnet, betonte gegenüber dem TV-Sender SRF, dass das Ziel primär in der Schaffung einer echten Ausweichlösung bestehe. Es gehe darum, die Abhängigkeit zu reduzieren, wobei noch offen sei, ob ein vollständiger Ersatz der Microsoft-Produkte am Ende des Prozesses stehen werde. Der Fokus liegt zunächst auf der Parallelbetreibung, bei der typische Office-Funktionen wie E-Mail-Verkehr, Terminverwaltung, Dokumenten-Management, Präsentationserstellung, Telefonie sowie Audio- und Videokonferenzen durch alternative Produkte abgedeckt werden sollen.

Hintergrund – Der Weg zur digitalen Souveränität

Die Entscheidung der Schweizer Regierung ist keine isolierte Maßnahme, sondern eingebettet in einen breiteren Kontext des Strebens nach technologischer Eigenständigkeit. Als direktes Vorbild für dieses Unterfangen dient das deutsche Bundesland Schleswig-Holstein. Die Schweizer Verantwortlichen stehen in einem engen Austausch mit den deutschen Kollegen, die bereits seit Ende 2025 eine Vorreiterrolle einnehmen. Schleswig-Holstein hat es geschafft, seine IT-Infrastruktur zu fast 80 Prozent auf Open-Source-Lösungen umzustellen und damit den Großteil der Microsoft-Produkte aus dem täglichen Dienstbetrieb zu verdrängen. Dieser Erfolg dient der Schweizer Regierung als Referenzmodell, um die eigenen Herausforderungen besser einschätzen zu können. Die Motivation hinter diesem Schritt ist die Erkenntnis, dass eine zu starke Bindung an einen einzelnen Anbieter langfristige Risiken für die Sicherheit und Handlungsfähigkeit der öffentlichen Verwaltung birgt. Durch die Beobachtung der deutschen Erfahrungen konnte die Schweiz bereits im Vorfeld wertvolle Erkenntnisse gewinnen, die nun in die eigene Strategie einfließen. Der Prozess ist somit das Ergebnis einer sorgfältigen Abwägung zwischen den Risiken der Abhängigkeit und dem Aufwand einer technologischen Transformation, wobei der Blick über die Landesgrenzen hinweg eine zentrale Rolle bei der Planung spielt.

Die Beteiligten – Institutionen und Akteure

Die treibende Kraft hinter diesem Projekt ist der Schweizer Bundesrat, der die strategische Ausrichtung vorgibt und die Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben hat. Eine zentrale Rolle bei der operativen Umsetzung nimmt Daniel Markwalder ein. Als der für die Umsetzung zuständige Delegierte fungiert er als Sprachrohr des Projekts und kommuniziert die Ziele sowie den Fortschritt gegenüber der Öffentlichkeit, wie etwa in seinem Interview mit dem Schweizer Sender SRF. Auf institutioneller Ebene ist die Bundeskanzlei ein wesentlicher Akteur, da sie einen Teil der 3.000 Testpersonen stellt, die in den kommenden Phasen die neue Software-Plattform erproben werden. Zudem besteht eine enge Kooperation mit dem deutschen Bundesland Schleswig-Holstein. Dieser Austausch ist entscheidend, um von den bereits gesammelten Erfahrungen bei der Migration auf Open-Source-Lösungen zu profitieren. Die beteiligten Mitarbeiter, die aus verschiedenen Bereichen der Verwaltung stammen, bilden das Rückgrat des Pilotprojekts. Sie sind es, die in den kritischen Geschäftsprozessen die Praxistauglichkeit der neuen Lösungen unter realen Bedingungen testen und somit wertvolle Daten für die finale Entscheidungsgrundlage liefern werden.

Einordnung – Was das bedeutet

Einzuordnen ist das Vorhaben der Schweizer Regierung als ein strategisch bedeutsamer Schritt zur Stärkung der staatlichen Resilienz. Die Abhängigkeit von großen US-amerikanischen Softwarekonzernen wird in vielen europäischen Verwaltungen zunehmend als Sicherheitsrisiko betrachtet. Den Berichten zufolge ist die technologische Bindung an Microsoft-Architekturen so tiefgreifend, dass eine Ablösung mit erheblichen Anstrengungen verbunden ist. Die Schweizer Regierung erkennt explizit an, dass zahlreiche Fachanwendungen eng mit der bestehenden Microsoft-Umgebung verwoben sind, was den Migrationsprozess verkompliziert. Einzuordnen ist das Projekt daher als ein komplexer Transformationsprozess, der nicht allein durch den Austausch von Software gelöst werden kann. Es erfordert umfassende Anpassungen, Sicherheitsabklärungen und eine neue Plattformstrategie. Zudem ist die Notwendigkeit von Schulungen für das Personal ein kritischer Faktor, der den Erfolg des Projekts maßgeblich beeinflussen wird. Die Strategie, zunächst eine Parallelbetreibung anzustreben, zeugt von einer vorsichtigen und risikobewussten Vorgehensweise, um den laufenden Betrieb der Bundesverwaltung während der Umstellungsphase nicht zu gefährden. Es bleibt abzuwarten, ob die gewählten Open-Source-Alternativen die gleiche Effizienz wie die etablierten Microsoft-Produkte bieten können.

Offene Fragen – Was noch nicht geklärt ist

Obwohl das Projekt bereits weit fortgeschritten ist, bleiben einige wesentliche Fragen unbeantwortet. Der Quelltext lässt offen, welche konkreten Software-Produkte als Ersatz für die Microsoft-Office-Suite zum Einsatz kommen sollen. Es wird lediglich von einer alternativen Plattform gesprochen, ohne jedoch die spezifischen Open-Source-Lösungen beim Namen zu nennen. Ebenso bleibt unklar, wie hoch die finanziellen Kosten für diesen Umstieg veranschlagt sind und ob das Budget für die notwendigen Schulungen der Mitarbeiter bereits gesichert ist. Eine weitere Lücke besteht in der technischen Detailtiefe: Wie genau die komplexen Fachanwendungen, die tief in die Microsoft-Architektur integriert sind, migriert oder ersetzt werden sollen, wird nicht im Detail erläutert. Zudem ist offen, nach welchen Kriterien der Erfolg des 3.000-Personen-Tests bewertet wird. Es gibt keine Informationen darüber, welche Kennzahlen oder Benchmarks herangezogen werden, um zu entscheiden, ob der vollständige Ersatz von Microsoft-Produkten tatsächlich realisierbar ist. Auch der endgültige Zeitrahmen für eine vollständige Abkehr, sofern sich der Test als erfolgreich erweist, bleibt zum jetzigen Zeitpunkt völlig ungewiss, da die Regierung bisher nur bis zum Zieljahr 2027 für die Bereitstellung der Plattform plant.

Wie es weitergeht – Ausblick und Termine

Die nächsten Schritte der Schweizer Regierung sind klar auf die Vorbereitung des großen Testlaufs ausgerichtet. Nachdem die erste Machbarkeitsstudie mit 172 Teilnehmern erfolgreich abgeschlossen wurde, liegt der Fokus nun auf der Vorbereitung der 3.000 Mitarbeiter, die in den kommenden Phasen die alternative Software-Plattform im Arbeitsalltag testen werden. Ein entscheidender Meilenstein ist für Ende 2027 gesetzt: Bis zu diesem Zeitpunkt soll die alternative Software-Plattform bereitstehen, um den Parallelbetrieb zu Microsoft 365 zu ermöglichen. Die Verantwortlichen werden in dieser Zeit weiterhin den engen Austausch mit Schleswig-Holstein pflegen, um von den dortigen Erfahrungen bei der Umstellung zu lernen. Die Ergebnisse des geplanten Testlaufs werden schließlich die Grundlage für die Entscheidung bilden, wie stark die Abkehr von Microsoft letztlich ausfallen wird. Ob die Bundesverwaltung zu einem späteren Zeitpunkt vollständig auf eine souveräne Lösung setzen wird, bleibt eine Entscheidung, die erst nach Abschluss dieser umfangreichen Testreihen getroffen werden kann. Der Zeitplan ist somit eng mit der erfolgreichen Implementierung und Evaluierung der neuen Software-Lösungen in den kommenden Jahren verknüpft.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/silber-laptop-laptop-auf-dem-tisch-291777/ · Foto: AS Photography
Quelle: https://www.golem.de/news/digitale-souveraenitaet-schweizer-regierung-will-weg-von-microsoft-2609-212758.html