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Prozess um Anschlag auf ver.di-Demo: Anklage fordert lebenslange Haft
Schlagzeilen · 28.07.2026 19:21

Prozess um Anschlag auf ver.di-Demo: Anklage fordert lebenslange Haft

Kurz: Im Prozess um den tödlichen Auto-Anschlag auf eine ver.di-Demo in München fordert die Bundesanwaltschaft lebenslange Haft für den Angeklagten.

Forderung nach lebenslanger Haft im Münchner Prozess

Im Strafverfahren um den folgenschweren Auto-Anschlag auf einen Demonstrationszug der Gewerkschaft ver.di in München hat die Bundesanwaltschaft eine lebenslange Freiheitsstrafe für den Angeklagten gefordert. Die Anklagebehörde sieht es als erwiesen an, dass der aus Afghanistan stammende Mann die Tat im Februar 2025 mit Tötungsabsicht beging. Die juristische Aufarbeitung des Falls, der zwei Menschen das Leben kostete und zahlreiche weitere verletzte, nähert sich damit ihrem Abschluss.

Hintergründe der Anklage

Die Bundesanwaltschaft wirft dem heute 25-Jährigen Mord in zwei Fällen sowie versuchten Mord in 22 Fällen vor. Hinzu kommt der Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung in 19 Fällen. Ein zentraler Punkt der Forderung ist die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld.

In ihrem zweistündigen Plädoyer betonte die Anklage, dass der Angeklagte sein Fahrzeug gezielt als Waffe gegen die wehrlosen Demonstrationsteilnehmer eingesetzt habe. Obwohl der Entschluss zu einer solchen Tat bereits am Vorabend gefallen sei, habe der Mann keine spezifische Kenntnis über die ver.di-Veranstaltung gehabt; die Wahl des Ortes sei spontan erfolgt. Dennoch sei die Handlung bewusst auf die Vernichtung von Menschenleben ausgerichtet gewesen.

Religiöse Radikalisierung und psychische Verfassung

Ein wesentlicher Aspekt des Prozesses war die Motivlage des Täters. Die Ermittler gehen von einer islamistischen Radikalisierung aus. Belege hierfür lieferten unter anderem die Auswertung von Aktivitäten in sozialen Medien, bei denen der Angeklagte Kontakt zu islamistischen Predigern gesucht hatte. Auch im Gerichtssaal zeigte der Mann durch die Verwendung religiöser Gesten eine entsprechende Symbolik.

Psychiatrische Sachverständige attestierten dem Angeklagten eine mittelgradige Persönlichkeitsstörung. Diese habe jedoch nicht zu einer Schuldunfähigkeit geführt. Die Anklage sieht durch die Kombination aus Wut, Einsamkeit und der bewussten Ausnutzung der Arg- und Wehrlosigkeit der Opfer das Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe sowie der Heimtücke als erfüllt an.

Auswirkungen auf die Betroffenen

Die Tat im Februar 2025 riss eine Mutter und ihre kleine Tochter aus dem Leben. Über 40 weitere Personen erlitten teils schwere Verletzungen, deren physische und psychische Folgen viele Betroffene bis heute belasten. Während des über 30-tägigen Prozesses schilderten Zeugen, Helfer und Überlebende die traumatischen Erlebnisse des Tages.

Die Hinterbliebenen der getöteten Mutter und ihres Kindes entschieden sich bewusst gegen eine persönliche Teilnahme am Prozess. In einem verlesenen Brief appellierten sie an die Öffentlichkeit, die Tat nicht für politische Zwecke zu instrumentalisieren oder Hass zu säen. Stattdessen solle das Andenken an die Verstorbenen im Vordergrund stehen.

Haltung der Nebenklage

Auch die Vertreter der Nebenklage schlossen sich der Forderung nach einer lebenslangen Haftstrafe an. Sie kritisierten das Verhalten des Angeklagten während des gesamten Verfahrens scharf. Insbesondere das Fehlen jeglicher Reuebekundungen oder Entschuldigungen gegenüber den Opfern wurde hervorgehoben. Eine schwer verletzte Nebenklägerin, die sich aufgrund ihrer erlittenen Verletzungen weiteren Operationen unterziehen muss, betonte in einem persönlichen Statement die Stärke der Überlebenden: Trotz der Zerstörung ihrer Unbeschwertheit habe der Täter sie nicht gebrochen.

Ausblick auf das Urteil

Der Prozess, der im Januar 2026 begann, befindet sich in der finalen Phase. Nach den Plädoyers der Anklage und der Nebenklage wird das Urteil des Gerichts für den 6. August erwartet. Die Entscheidung wird nicht nur für die Hinterbliebenen und Verletzten von großer Bedeutung sein, sondern auch die juristische Einordnung eines Anschlags markieren, der die Stadt München tief erschüttert hat.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/luxus-polizeiauto-in-istanbul-ausgestellt-28674693/ · Foto: Cihan Çimen
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/regional/bayern/prozess-anschlag-verdi-100.html