News aus aller Welt
Start
Kulturstiftung fördert neue Stolpersteine in Meimbressen
Regional · 09.09.2026 16:08

Kulturstiftung fördert neue Stolpersteine in Meimbressen

Kurz: Die Kulturstiftung des Landkreises Kassel fördert 25 neue Stolpersteine in Meimbressen, die an das Schicksal vertriebener jüdischer Mitbürger erinnern.

Was geschehen ist – die Kernmeldung ausführlich

In dem zur Gemeinde Calden gehörenden Ortsteil Meimbressen wurde ein bedeutendes Projekt zur Erinnerungskultur vollendet. Am 9. September 2026 wurden dort 25 weitere Stolpersteine feierlich verlegt, um an die Schicksale jüdischer Menschen zu erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus unter dem Unrechtsregime gelitten haben. Diese Gedenksteine, die vor den ehemaligen Wohnhäusern der betroffenen Personen in den Boden eingelassen wurden, markieren einen weiteren Schritt in der Aufarbeitung der lokalen Geschichte. Die Initiative für dieses Vorhaben ging von dem Verein „Judaica in Meimbressen“ aus, der sich intensiv mit der Erforschung und Dokumentation der jüdischen Geschichte des Ortes befasst. Finanziell unterstützt wurde die Verlegung durch die Kulturstiftung des Landkreises Kassel, die eine Fördersumme von insgesamt 1.490 Euro bereitstellte. Die Veranstaltung zur Einweihung der Stolpersteine wurde durch die Anwesenheit von Nachfahren der betroffenen Familien sowie durch die aktive Beteiligung der lokalen Schülerschaft zu einem würdigen Akt des Gedenkens. Neben der Erinnerungsarbeit stand auch eine persönliche Würdigung im Mittelpunkt: Heinrich Neutze, eine zentrale Figur des Vereins, wurde für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement mit dem Ehrenschild des Landkreises Kassel in Bronze ausgezeichnet.

Die Einzelheiten – Zahlen, Namen und Orte

Die neuen 25 Stolpersteine ergänzen die bereits seit dem Jahr 2019 bestehende Gedenklandschaft in Meimbressen. Die Steine wurden an insgesamt vier verschiedenen Standorten im Ort verlegt, wobei es sich jeweils um die ehemaligen Wohnstätten der betroffenen Frauen, Männer und Kinder handelt. Jeder dieser Steine ist individuell gestaltet und trägt den Namen sowie das Geburtsjahr der jeweiligen Person, ergänzt durch eine kurze Information über deren spezifisches Schicksal während der NS-Zeit. Die Förderung durch die Kulturstiftung des Landkreises Kassel in Höhe von 1.490 Euro ermöglichte die Umsetzung dieses Vorhabens. Zu den Gästen der Zeremonie zählten insbesondere Angehörige und Nachfahren der drei jüdischen Familien Goldwein, Loewenstein und Frankenberg, die eigens aus Israel angereist waren. Die inhaltliche Gestaltung der Veranstaltung wurde durch zwei Abschlussklassen der Heinrich-Grupe-Schule aus Grebenstein unterstützt, die mit Lesungen einen Beitrag zum Gedenken leisteten. Die offizielle Auszeichnung von Heinrich Neutze wurde durch den Caldener Bürgermeister Maik Mackewitz sowie den Kreistagsvorsitzenden Andreas Güttler vorgenommen, die das Ehrenschild in Bronze überreichten.

Hintergrund – Die Geschichte des Gedenkens

Die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Meimbressen reicht bis in die Zeit vor der nationalsozialistischen Machtübernahme zurück. Bis Anfang des Jahres 1933 lebten etwa 70 Menschen jüdischen Glaubens in dem Ort und waren fester Bestandteil der dörflichen Gemeinschaft. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten änderte sich das Leben dieser Menschen drastisch. Sie wurden systematisch verfolgt, ihrer Rechte beraubt, vertrieben, deportiert oder ermordet. Das Ziel des Vereins „Judaica in Meimbressen“ ist es, dieses dunkle Kapitel der lokalen Historie nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Bereits im Jahr 2019 begann der Verein damit, erste Stolpersteine zu verlegen, um den Opfern ihre Namen und ihre Würde zurückzugeben. Die aktuelle Erweiterung um 25 weitere Steine ist eine direkte Fortführung dieser Arbeit. Es geht dabei nicht nur um das bloße Gedenken an die Vergangenheit, sondern auch darum, eine Brücke zu den Nachfahren zu schlagen, die heute über die ganze Welt verteilt leben. Die Arbeit des Vereins ist somit ein fortlaufender Prozess der historischen Aufarbeitung und der aktiven Erinnerung an die Menschen, die einst willkürlich aus der Mitte der Gesellschaft gerissen wurden.

Die Beteiligten – Wer entscheidet und wer sich äußert

Verschiedene Akteure tragen zum Erfolg und zur Bedeutung dieser Gedenkinitiative bei. Der Kreistagsvorsitzende Andreas Güttler betonte im Rahmen der Veranstaltung die historische Verantwortung, die aus der Vergangenheit erwachse. Er bezeichnete die Stolpersteinverlegungen als besonders unterstützenswert, insbesondere angesichts der aktuellen politischen Lage und der Notwendigkeit, sich gegen Antisemitismus und Ausgrenzung zu positionieren. Heinrich Neutze, als Vorsitzender des Vereins „Judaica in Meimbressen“, unterstrich die Bedeutung der namentlichen Erinnerung. Für ihn ist die Arbeit eine Mahnung für die Gegenwart, um bei Ausgrenzung oder Israelhass laut die Stimme zu erheben. Neutze selbst wurde für sein breites ehrenamtliches Wirken geehrt. Sein Engagement erstreckt sich über Jahrzehnte: Seit 1972 ist er im Musikverein Harmonie Meimbressen aktiv, zudem fungiert er als Kirchenvorsteher in der Evangelischen Kirchengemeinde und ist Mitglied der Kreissynode der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen und Waldeck. Als Gründungsmitglied des Vereins „Judaica“ verbindet er sein zivilgesellschaftliches Engagement mit der historischen Bildungsarbeit. Auch die Heinrich-Grupe-Schule Grebenstein leistete durch die Einbindung der Schülerschaft einen wichtigen Beitrag zur generationenübergreifenden Vermittlung der Geschichte.

Einordnung – Was das bedeutet

Einzuordnen ist das Projekt als ein wesentlicher Beitrag zur lokalen Erinnerungskultur, der weit über die Grenzen des Dorfes hinausreicht. Den Berichten zufolge ist die Verlegung der Stolpersteine nicht als isoliertes Ereignis zu betrachten, sondern als Teil eines breiteren gesellschaftlichen Diskurses über historische Verantwortung. Die symbolische Rückkehr der Namen in die Mitte der Dorfgemeinschaft durch die Stolpersteine dient dazu, die Anonymität der Opfer aufzuheben und die Unmenschlichkeit der 1930er Jahre greifbar zu machen. Die Beteiligung der Nachfahren aus Israel unterstreicht die internationale Dimension des Gedenkens und zeigt, dass die Verbindung zwischen der ehemaligen Heimat und den Vertriebenen auch nach Jahrzehnten noch besteht. Die Auszeichnung von Heinrich Neutze durch den Landkreis Kassel würdigt dabei nicht nur seine spezifische Arbeit im Verein „Judaica“, sondern erkennt auch sein jahrzehntelanges, vielfältiges ehrenamtliches Wirken als beispielhaft für gesellschaftlichen Zusammenhalt an. Die Einbindung junger Menschen durch die Schule verdeutlicht zudem den pädagogischen Anspruch, historische Verantwortung an nachfolgende Generationen weiterzugeben und sie für aktuelle gesellschaftliche Gefahren wie Antisemitismus zu sensibilisieren.

Offene Fragen – Was der Quelltext nicht beantwortet

Obwohl der Quelltext detaillierte Informationen über die Verlegung der Stolpersteine, die finanzielle Förderung und die Ehrung von Heinrich Neutze liefert, bleiben einige Aspekte unbeantwortet. So geht aus dem Text nicht hervor, wie viele Stolpersteine insgesamt in Meimbressen verlegt wurden, wenn man die 25 neuen Exemplare zu den bereits seit 2019 existierenden hinzurechnet. Auch bleibt unklar, wie viele weitere Familien oder Einzelpersonen, die vor 1933 in Meimbressen lebten, noch nicht durch einen Stolperstein gewürdigt wurden. Die genaue Auswahl der vier Standorte, an denen die 25 Steine verlegt wurden, wird nicht im Detail erläutert, ebenso wenig wie die Kriterien, nach denen die betroffenen Familien für die aktuelle Verlegung ausgewählt wurden. Zudem wird nicht spezifiziert, welche weiteren Projekte der Verein „Judaica in Meimbressen“ für die Zukunft plant, um die Erinnerungsarbeit fortzuführen. Auch über die genaue Anzahl der anwesenden Gäste oder die Dauer der Vorbereitungsphase für diese spezifische Verlegung gibt der Text keine Auskunft. Diese Lücken zeigen, dass die Gedenkarbeit in Meimbressen ein fortlaufender Prozess ist, dessen vollständiger Umfang und weitere Planungsschritte im Rahmen dieser Pressemitteilung nicht abschließend dokumentiert wurden.

Wie es weitergeht – Angekündigte Schritte

Der Quelltext enthält keine expliziten Termine für zukünftige Stolpersteinverlegungen oder spezifische Daten für weiterführende Veranstaltungen. Dennoch deutet die kontinuierliche Arbeit des Vereins „Judaica in Meimbressen“ darauf hin, dass die Erinnerungsarbeit auch in Zukunft ein zentraler Bestandteil des Vereinslebens bleiben wird. Die Einbindung der Heinrich-Grupe-Schule Grebenstein lässt zudem darauf schließen, dass die pädagogische Begleitung der Gedenkprojekte auch bei künftigen Vorhaben eine Rolle spielen könnte. Da der Verein bereits seit 2019 aktiv Stolpersteine verlegt und nun eine weitere Tranche von 25 Steinen realisiert hat, ist davon auszugehen, dass das Ziel der vollständigen Dokumentation der Schicksale der ehemaligen jüdischen Bewohner von Meimbressen weiter verfolgt wird. Die Förderung durch die Kulturstiftung des Landkreises Kassel unterstreicht die institutionelle Unterstützung für dieses Vorhaben. Weitere Entscheidungen über künftige Verlegungen oder ergänzende Gedenkformate hängen vermutlich von der weiteren Recherchearbeit des Vereins und der fortlaufenden Kooperation mit den Nachfahren der betroffenen Familien sowie den lokalen Behörden ab.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/symmetrische-weisse-backsteinmauer-mit-grossen-fenstern-39147468/ · Foto: Jan van der Wolf
Quelle: http://landkreiskassel.de/pressemitteilungen/september/stolpersteine.php