Ein Projekt vor dem Aus: Die Finanzierungshürden für Lilly Wachowski
Die renommierte Filmemacherin Lilly Wachowski, die gemeinsam mit ihrer Schwester Lana durch den stilbildenden Science-Fiction-Klassiker »Matrix« weltweite Bekanntheit erlangte, sieht sich derzeit mit erheblichen Schwierigkeiten bei der Realisierung ihres neuesten Filmprojekts konfrontiert. Wie die Regisseurin in dem Branchenpodcast »The Business« des kalifornischen Radiosenders KCRW öffentlich machte, erweist sich die Suche nach einer Finanzierung für ihren geplanten Thriller mit dem Arbeitstitel »The Hunted« als äußerst schwierig. Obwohl das Drehbuch, das sie in Zusammenarbeit mit ihrem Lebensgefährten Mickey Ray Mahoney verfasst hat, bei potenziellen Partnern in der Industrie durchaus auf inhaltliches Interesse stößt, scheitern die konkreten Zusagen regelmäßig an einer zentralen Vorgabe der Regisseurin: der Besetzung. Wachowski plant, den Film ausschließlich mit trans Personen zu besetzen. Genau dieser Umstand scheint in der aktuellen Hollywood-Landschaft ein unüberwindbares Hindernis darzustellen, da die Filmindustrie derzeit eine auffällige Zurückhaltung gegenüber trans Themen und entsprechenden Repräsentationsansätzen zeigt. Die Filmemacherin sieht sich somit in einer Situation, in der ihre künstlerische Vision an den ökonomischen und ideologischen Vorbehalten der großen Produktionshäuser abprallt, was die Verwirklichung des Projekts in seiner geplanten Form derzeit unmöglich macht.
Die Details zum Projekt und die Haltung der Industrie
Das Drehbuch zu »The Hunted« ist laut Wachowski ein zutiefst persönliches Werk, das als direkte Reaktion auf die weltweite Situation und die Erfahrungen von trans Menschen entstanden ist. Gemeinsam mit ihrem Partner Mickey Ray Mahoney, der selbst ein trans Mann ist, hat sie eine Geschichte entwickelt, die ihr als emotionales Ventil diente. Wachowski beschrieb im Podcast, wie sie in das Skript all ihre Wut, ihren Zorn und ihre Frustration über die gesellschaftlichen Zustände einfließen ließ, was sie als einen unglaublich befreienden Prozess empfand. Das geplante Budget für den Thriller beläuft sich auf 10 Millionen US-Dollar, eine Summe, die im Hollywood-Kontext für ein solches Projekt durchaus als moderat gelten kann. Doch trotz des Interesses am Stoff selbst, stoßen die Produzenten auf die Ablehnung der Geldgeber, sobald die Besetzungsliste thematisiert wird. Wachowski berichtet, dass die Leute den Film zwar mögen, ihn aber schlichtweg nicht produzieren wollen, weil der Cast durch und durch aus trans Personen besteht. Es sei, so die Regisseurin, aktuell leider nicht die beste Zeit in der Filmindustrie, um derartige Projekte voranzutreiben. Die Möglichkeiten, Geschichten mit unterrepräsentierten Stimmen und randständigen Perspektiven zu erzählen, würden in der aktuellen wirtschaftlichen und kulturellen Großwetterlage der Branche zunehmend schrumpfen.
Ein Blick zurück: Der Weg der Wachowski-Geschwister
Die Karriere der Wachowski-Geschwister ist eng mit der Geschichte des modernen Hollywood-Kinos verknüpft. Nach ihrem bahnbrechenden Erfolg mit »Matrix« im Jahr 1999, als sie noch als die »Wachowski-Brüder« bekannt waren, etablierten sie sich als visionäre Regisseure. Im März 2016 machte Lilly Wachowski ihre Identität als trans Frau öffentlich, einige Jahre nachdem ihre Schwester Lana diesen Schritt bereits vollzogen hatte. Die öffentliche Bekanntgabe war von einem ironischen Umgang mit der Boulevardpresse geprägt: Nachdem ein Reporter der »Daily Mail« an ihrer Haustür erschienen war, um sie zu einer Stellungnahme zu drängen, wählte sie für ihre Erklärung die Überschrift »SEX CHANGE SHOCKER—WACHOWSKI BROTHERS NOW SISTERS!!!«. Damit nahm sie den erwartbaren, reißerischen Ton der Boulevardmedien vorweg und entzog ihm die Wirkung. Über die Jahre hinweg haben die Geschwister eine beeindruckende Filmografie aufgebaut, die von »Speed Racer« (2008) über »Jupiter Ascending« (2015) bis hin zur Zusammenarbeit mit dem deutschen Regisseur Tom Tykwer bei »Cloud Atlas« reicht. Auch im Serienbereich setzten sie mit dem Netflix-Projekt »Sense8« (2015–2018) neue Maßstäbe. Während Lana Wachowski 2021 mit »Matrix Resurrections« den vierten Teil der berühmten Reihe verantwortete, war es um Lilly zuletzt ruhiger geworden, wobei sie unter anderem als ausführende Produzentin an verschiedenen Projekten mitwirkte.
Die Akteure hinter dem Vorhaben
Im Zentrum der aktuellen Debatte steht Lilly Wachowski als treibende Kraft hinter »The Hunted«. Als Regisseurin und Drehbuchautorin ist sie diejenige, die die künstlerische Integrität des Projekts verteidigt und die mangelnde Bereitschaft der Industrie zur Finanzierung offen kritisiert. An ihrer Seite steht Mickey Ray Mahoney, ihr Lebensgefährte und Co-Autor des Drehbuchs. Die beiden bilden ein kreatives Duo, das durch ihre gemeinsame Identität und ihre persönlichen Erfahrungen das Projekt maßgeblich geprägt hat. Auf der Gegenseite stehen die namenlosen Entscheider in Hollywood, die zwar das Potenzial des Stoffes anerkennen, aber aufgrund der spezifischen Besetzung vor einer Finanzierung zurückschrecken. Die Institutionen, die hier implizit angesprochen werden, sind die großen Produktionsstudios und Investoren, deren Zurückhaltung Wachowski als systemisches Problem innerhalb der Filmindustrie identifiziert. Dass sie sich nun an die Öffentlichkeit wendet, unterstreicht die Frustration über die festgefahrenen Strukturen, die es Filmemachern mit spezifischen, unterrepräsentierten Perspektiven schwer machen, ihre Geschichten auf die Leinwand zu bringen.
Einordnung der aktuellen Situation
Einzuordnen ist die Schilderung von Lilly Wachowski als Symptom einer breiteren Debatte über Inklusion und Diversität in Hollywood. Während in den vergangenen Jahren oft über die Notwendigkeit einer besseren Repräsentation gesprochen wurde, zeigen Fälle wie dieser, dass die ökonomische Realität oft hinter den gesellschaftlichen Diskursen zurückbleibt. Den Berichten zufolge ist die Zurückhaltung der Investoren nicht unbedingt auf eine inhaltliche Ablehnung des Thrillers zurückzuführen, sondern auf eine Risikoabwägung, die trans Themen als kommerziell schwierig oder politisch aufgeladen einstuft. Wachowskis Kritik ist dabei als ein Appell an die Branche zu verstehen, den Fokus wieder stärker auf die künstlerische Qualität und die Relevanz von Geschichten zu legen, statt sich von Vorurteilen leiten zu lassen. Dass eine Regisseurin ihres Kalibers, die maßgeblich zum Erfolg eines der größten Film-Franchises der Geschichte beigetragen hat, solche Schwierigkeiten bei der Finanzierung eines 10-Millionen-Dollar-Projekts hat, verdeutlicht, wie tief verwurzelt die Vorbehalte gegenüber trans-zentrierten Erzählungen in den Entscheidungsebenen der Filmstudios weiterhin sind.
Offene Fragen und der weitere Weg
Der Quelltext lässt einige Fragen unbeantwortet, die für die weitere Entwicklung des Projekts von Bedeutung sein könnten. So bleibt unklar, welche konkreten Produktionsfirmen oder Studios das Projekt bereits abgelehnt haben und ob es alternative Finanzierungsmodelle, etwa über Streaming-Plattformen oder unabhängige Geldgeber, gibt, die bisher noch nicht ausgeschöpft wurden. Auch die inhaltlichen Details des Thrillers bleiben weitgehend im Dunkeln; außer der Tatsache, dass es sich um einen Thriller handelt, der eine Reaktion auf die Situation trans Menschen ist, gibt es keine Informationen zur Handlung oder zum Genre-Mix. Wie es nun weitergeht, ist ebenfalls offen. Wachowski hat angekündigt, »kreativ werden« zu wollen, um andere Wege zu finden, die Geschichte zu erzählen. Ein erster Schritt in diese Richtung war bereits Anfang des Monats eine öffentliche Lesung aus dem Drehbuch in einem Theater in Los Angeles. Ob dies der Beginn einer alternativen Veröffentlichungsstrategie ist oder lediglich dazu diente, Aufmerksamkeit für das Projekt zu generieren, bleibt abzuwarten. Es gibt derzeit keine festen Termine für einen Drehstart oder eine Produktion, was den Status des Projekts als »in der Schwebe« bestätigt.