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Regional · 27.09.2026 16:51

Digitale Teilhabe im Alter: Wo Senioren in Hessen Hilfe bekommen

Kurz: Frankfurt fördert ab Oktober digitale Geräte für Senioren mit 250 Euro. Hessenweit unterstützen zudem Di@-Lotsen ältere Menschen bei der digitalen Teilhabe.

Ein neuer Weg zur digitalen Teilhabe in Frankfurt

Die Stadt Frankfurt am Main setzt ein deutliches Zeichen für die Inklusion älterer Menschen in einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft. Ab Oktober dieses Jahres führt die Mainmetropole ein gezieltes Förderprogramm ein, das es Frankfurterinnen und Frankfurtern ab einem Alter von 65 Jahren ermöglicht, einen finanziellen Zuschuss in Höhe von 250 Euro für die Anschaffung digitaler Endgeräte zu erhalten. Dies umfasst Smartphones, Tablets sowie Laptops, die für den Alltag essenziell geworden sind. Die Maßnahme ist Teil des umfassenden Projekts „Digitale Teilhabe im Alter“ (DiTA), das in enger Kooperation mit der Frankfurt University of Applied Sciences entwickelt wurde. Ziel ist es, bis Mai 2027 eine flächendeckende Unterstützungsstruktur zu etablieren. Neben der rein finanziellen Komponente legt die Stadt einen starken Fokus auf die Vermittlung von Kompetenzen. In den Sozialrathäusern der Stadt sollen Senioren künftig nicht nur finanzielle Unterstützung beantragen, sondern auch Beratung zur Bedienung ihrer neuen Geräte erhalten können. Damit reagiert die Verwaltung auf den Umstand, dass viele alltägliche Erledigungen – vom Buchen von Arztterminen bis hin zur Kommunikation mit Angehörigen – heute zwingend digitale Zugänge voraussetzen.

Details zur Förderung und den Hilfsangeboten

Der Anspruch auf den Zuschuss von 250 Euro ist an spezifische soziale Kriterien geknüpft. Antragsberechtigt sind Personen über 65 Jahren, die entweder Grundsicherung oder Wohngeld beziehen oder im Besitz eines Frankfurt-Passes sind. Diese gezielte Auswahl stellt sicher, dass die Mittel dort ankommen, wo sie am dringendsten benötigt werden, um Barrieren abzubauen. Doch die Stadt Frankfurt belässt es nicht bei der Hardware-Förderung. Wer bereits über ein Gerät verfügt, aber an der technischen Anwendung scheitert, findet in einer stadtweiten Übersicht zahlreiche Anlaufstellen. Das Angebotsspektrum ist vielfältig und reicht von persönlichen Beratungsgesprächen in den Stadtteilen bis hin zu strukturierten Kursen und Workshops. Während einige dieser Angebote kostenfrei zur Verfügung stehen, erheben andere Träger eine Gebühr, die pro Stunde zwischen vier und zehn Euro liegt. In ausgewählten Einrichtungen besteht zudem die Möglichkeit, Computer oder Tablets direkt vor Ort zu nutzen, was besonders für jene hilfreich ist, die sich kein eigenes Gerät anschaffen können oder wollen. Die Stadt verfolgt damit einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl die finanzielle Hürde als auch die Wissenslücke adressiert.

Der Hintergrund der Initiative

Die Notwendigkeit für solche Programme ergibt sich aus einer tiefgreifenden Veränderung der gesellschaftlichen Infrastruktur. Viele Dienstleistungen, die früher analog erbracht wurden, sind heute in den digitalen Raum abgewandert. Dies betrifft den Kauf von Fahrkarten ebenso wie den Kontakt zu Behörden oder das Online-Banking. Für viele Senioren stellt dies eine erhebliche Hürde dar. Nanine Delmas, die Leiterin des Frankfurter Jugend- und Sozialamtes, unterstreicht die Dringlichkeit: Nicht alle älteren Menschen könnten die Chancen der Digitalisierung gleichermaßen nutzen. Oftmals fehle es an den notwendigen digitalen Vorkenntnissen oder schlicht an den finanziellen Mitteln für die Anschaffung moderner Hardware. Wenn die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben durch diese Faktoren erschwert werde, dürfe die Stadt dies nicht tatenlos hinnehmen. Das Projekt DiTA ist somit eine direkte Antwort auf die wachsende digitale Kluft, die insbesondere die ältere Generation von wesentlichen Teilen der modernen Infrastruktur auszuschließen droht. Die Zusammenarbeit mit der Frankfurt University of Applied Sciences soll dabei wissenschaftlich fundierte und nachhaltige Lösungen für diese Herausforderung liefern.

Die Akteure und ihre Rollen

An der Umsetzung dieser digitalen Inklusionsstrategien sind verschiedene Akteure beteiligt. Auf kommunaler Ebene ist das Frankfurter Jugend- und Sozialamt federführend, das unter der Leitung von Nanine Delmas die strategische Ausrichtung verantwortet. Die Frankfurt University of Applied Sciences fungiert als wissenschaftlicher Partner, der das Projekt DiTA konzeptionell begleitet. Hessenweit spielen die sogenannten Di@-Lotsen eine zentrale Rolle. Dabei handelt es sich um ein Netzwerk von über 680 ehrenamtlich tätigen Personen, die an 80 Stützpunkten in ganz Hessen aktiv sind. Diese Stützpunkte werden von einer Vielzahl an Institutionen getragen, darunter Kommunen, Kirchengemeinden, Vereine und Mehrgenerationenhäuser. Ein Beispiel für die praktische Umsetzung ist das Zukunftswerk im Luisenforum in Wiesbaden, das offene Sprechstunden anbietet. Diese ehrenamtliche Struktur ist mittlerweile in allen hessischen Landkreisen und kreisfreien Städten präsent. Sie bildet das Rückgrat der digitalen Unterstützung für Senioren außerhalb der direkten städtischen Förderprogramme und sorgt für eine niederschwellige Hilfe, die oft ohne Voranmeldung in Anspruch genommen werden kann.

Einordnung der digitalen Barrierefreiheit

Einzuordnen ist das Engagement der Stadt Frankfurt und des Landes Hessen als notwendige Reaktion auf eine zunehmende Digitalisierung, die jedoch nicht alle Bevölkerungsgruppen im gleichen Tempo mitnimmt. Statistiken des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2025 belegen, dass etwa jeder zehnte Mensch in der Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen noch nie das Internet genutzt hat. Diese sogenannten „Offline-Nutzer“ sind von vielen modernen Dienstleistungen faktisch abgeschnitten. Den Berichten zufolge greift diese Statistik jedoch zu kurz, da sie lediglich die Nutzung des Internets an sich misst, nicht aber die Kompetenz im Umgang mit komplexen Anwendungen wie Apps oder digitalen Behördenportalen. Kritiker wie die Organisation Digitalcourage oder die Verbraucherzentrale Hessen warnen daher vor einem „Digitalzwang“. Philipp Wendt, Vorstand der Verbraucherzentrale Hessen, mahnt an, dass ein Mindestmaß an analogen Zugangswegen für ein selbstbestimmtes Leben unerlässlich bleibt. Auch der hessische Datenschutzbeauftragte Alexander Roßnagel hat bereits mehrfach die mangelnde digitale Barrierefreiheit kritisiert und gefordert, dass Dienstleistungen der Daseinsvorsorge nicht exklusiv digital angeboten werden dürfen.

Die Kritik am Digitalzwang

Die Debatte um die Digitalisierung wird zunehmend kontrovers geführt. Während Projekte wie die Di@-Lotsen oder die Frankfurter Förderungen versuchen, Menschen zur digitalen Teilhabe zu befähigen, gibt es eine starke Gegenbewegung, die ein „Recht auf Leben ohne Digitalzwang“ einfordert. Im Mai dieses Jahres übergab die Organisation Digitalcourage mehr als 70.000 Unterschriften an Bundestagsabgeordnete, um diesem Anliegen Nachdruck zu verleihen. Die Kritik richtet sich insbesondere gegen die Exklusivität digitaler Angebote, etwa bei der Parkraumbewirtschaftung, die zunehmend nur noch per App möglich ist, oder bei Arztterminen, die ohne Online-Plattformen schwer zu erhalten sind. Die Sorge ist groß, dass durch die einseitige Ausrichtung auf digitale Kanäle Menschen, die diese nicht nutzen können oder wollen, systematisch ausgegrenzt werden. Es wird gefordert, dass wichtige Dienstleistungen des täglichen Bedarfs weiterhin analog zugänglich bleiben müssen. Die Idee von „EDV-Inseln“ in Bürgerbüros oder die Benennung von „Digitale-Hilfe-Beauftragten“ in Seniorenheimen sind Vorschläge, die darauf abzielen, den Übergang sanfter zu gestalten und Barrieren abzubauen, ohne die analoge Welt vollständig aufzugeben.

Offene Fragen zur Umsetzung

Trotz der klaren Zielsetzung des Frankfurter Förderprogramms und der hessenweiten Initiativen bleiben einige Fragen offen. Der Quelltext gibt beispielsweise keine Auskunft darüber, wie hoch das Gesamtbudget für den Frankfurter Zuschuss von 250 Euro ist und wie viele Anträge die Stadt insgesamt erwartet. Auch bleibt unklar, wie die Qualität der Beratung in den verschiedenen Sozialrathäusern sichergestellt wird, um eine einheitliche Hilfestellung zu gewährleisten. Des Weiteren stellt sich die Frage, wie die Nachhaltigkeit der digitalen Kompetenzvermittlung über den Förderzeitraum bis Mai 2027 hinaus gesichert werden soll. Die Statistik des Statistischen Bundesamtes zeigt zwar die Anzahl der „Offline-Nutzer“, lässt aber offen, wie viele Menschen zwar technisch online sind, aber dennoch an der Komplexität moderner Anwendungen scheitern. Es bleibt zudem abzuwarten, wie stark die Forderungen nach einem „Recht auf Leben ohne Digitalzwang“ die zukünftige Gestaltung von Behördengängen und Dienstleistungen beeinflussen werden, da hier ein Spannungsfeld zwischen Effizienzsteigerung durch Digitalisierung und gesellschaftlicher Teilhabe besteht.

Wie es weitergeht

Die nächsten Schritte sind bereits terminiert. Für die Stadt Frankfurt beginnt die Phase der finanziellen Förderung ab Oktober dieses Jahres. Senioren, die die genannten Kriterien erfüllen, können dann ihre Anträge in den Sozialrathäusern stellen. Parallel dazu läuft das Projekt DiTA weiter, mit dem Ziel, bis zum Mai 2027 eine flächendeckende Infrastruktur für digitale Hilfe in der Stadt aufzubauen. Auch in anderen hessischen Städten geht die Arbeit weiter: In Wiesbaden beispielsweise finden im Zukunftswerk im Luisenforum am 30. September und am 7. Oktober weitere offene Digitalsprechstunden statt. Die hessenweiten Di@-Lotsen setzen ihre Arbeit an den bestehenden 80 Stützpunkten fort, um die Nachfrage vor Ort zu bedienen. Die Debatte um den Digitalzwang wird unterdessen auf politischer Ebene weitergeführt werden, da die Forderungen nach analogen Alternativen bei Dienstleistungen der Daseinsvorsorge weiterhin im Raum stehen. Die weitere Entwicklung wird davon abhängen, wie erfolgreich die angebotenen Hilfsprogramme die digitale Kluft tatsächlich verringern können und ob die Politik bereit ist, ein „analoges Mindestangebot“ gesetzlich oder administrativ zu verankern.

Quelle: https://www.hessenschau.de/gesellschaft/digitale-teilhabe-im-alter-wo-senioren-in-hessen-hilfe-bekommen-v1,senioren-digitalisierung-100.html