Ein kosmisches Gewitter und die Folgen für die Vorstadt
Was als gewöhnlicher Tag in einer typisch amerikanischen Vorstadtstraße beginnt, entwickelt sich in „The End of Oak Street“ zu einem surrealen Überlebenskampf. Der Protagonist Mel Jacobs findet in seinem Garten Hinterlassenschaften, die in ihrer schieren Größe und Konsistenz jedes bekannte Haustier als Verursacher ausschließen. Was zunächst wie ein Ärgernis mit dem Hund der Nachbarn wirkt, entpuppt sich als Vorbote einer existentiellen Krise. Ein kosmisches Gewitter, begleitet von Blitzen und Donner, markiert den Beginn eines Risses in der Zeit. Dieser Riss sorgt dafür, dass ein kleiner Ausschnitt der Oak Street – samt Häusern, gepflegten Rasenflächen und Autos – in eine Epoche zurückversetzt wird, die 250 Millionen Jahre in der Vergangenheit liegt. Die Bewohner der Straße finden sich plötzlich in einer Welt wieder, in der die Menschheit noch nicht existierte, während sie gleichzeitig versuchen, ihren Alltag in der gewohnten Umgebung aufrechtzuerhalten. Die Konfusion ist groß, als die ersten prähistorischen Bewohner dieser Urzeitwelt beginnen, die idyllische Ordnung der Vorstadt zu stören und die Bewohner mit einer Realität zu konfrontieren, die jenseits ihrer Vorstellungskraft liegt.
Die Akteure und die Bedrohung aus der Urzeit
Im Zentrum der Ereignisse steht die Familie Platt, deren Hund Starbuck zunächst fälschlicherweise für das Chaos im Garten verantwortlich gemacht wird. Doch die wahren Verursacher sind weit gefährlicher. Es handelt sich um echte, 250 Millionen Jahre alte Urzeitwesen, die den Garten von Mel Jacobs und die angrenzenden Grundstücke verwüsten. Die Kinder der Familie Platt, Audrey und Brian, spielen eine entscheidende Rolle, da sie als Erste spüren, dass mit ihren Eltern etwas nicht stimmt. Der Vater hütet ein Geheimnis, während die Mutter heimlich an einem Roman arbeitet, der von einem Leben weit weg von der Enge der Vorstadt erzählt. Die Dinosaurier, die im Film auftauchen, unterscheiden sich grundlegend von den digitalen Kreaturen aus Steven Spielbergs „Jurassic Park“. Sie sind physisch präsent und bedrohen das Familienidyll direkt. Zur Verteidigung greifen die Bewohner zu improvisierten Mitteln wie Baseballschlägern, Pfeil und Bogen, wobei auch der Familienhund in einem entscheidenden Moment aktiv in das Geschehen eingreift, um die Familie vor den urzeitlichen Eindringlingen zu schützen.
Eine Hommage an das Spielberg-Kino der achtziger Jahre
Regisseur David Robert Mitchell wählt für seinen Film ein Setting, das tief in der amerikanischen Mittelschichtswirklichkeit der frühen achtziger Jahre verwurzelt ist. Der Film ist eine bewusste Hommage an die Ästhetik und Erzählweise von Steven Spielberg, insbesondere an dessen Werke „Jäger des verlorenen Schatzes“ aus dem Jahr 1981 und „E.T. – Der Außerirdische“ aus dem Jahr 1982. Diese Filme haben die Kindheit vieler Zuschauer, offenbar auch die von Mitchell, maßgeblich geprägt. Die Darstellung der Oak Street als idealtypischer Ort der amerikanischen Vorstadt dient als Kontrastfolie für das übernatürliche Ereignis. Mitchell nimmt sich viel Zeit, um diese Welt zu etablieren, bevor er die fantastischen Elemente in die Handlung integriert. Es ist eine bewusste Entscheidung, die Konfrontation mit den Dinosauriern langsam aufzubauen, um zunächst die soziale Dynamik und die verborgenen Spannungen innerhalb der Familien zu beleuchten, die durch den Zeitsprung und die damit verbundene Bedrohung erst richtig an die Oberfläche treten.
Die Entwicklung des Regisseurs und die Rolle der Produzenten
David Robert Mitchell hat eine bemerkenswerte filmische Laufbahn hinter sich, die mit dem Horrorfilm „It Follows“ im Jahr 2012 begann. Dieser Film etablierte eine eigenwillige Mythologie rund um die Themen Sex und Zustimmung und verschaffte ihm Kultstatus. Sein Nachfolgeprojekt „Under the Silver Lake“ aus dem Jahr 2018 zeigte ihn als Kenner der Filmgeschichte, der die Zeichen der Stadt Los Angeles auf eine Weise interpretierte, die selbst David Lynchs „Mulholland Drive“ wie eine logische Studie erscheinen ließ. Mit „The End of Oak Street“ schlägt er nun einen neuen Weg ein. Unterstützt wird er dabei von J. J. Abrams, der als maßgeblicher Produzent fungiert. Abrams, bekannt für „Lost“ und seine Arbeit an „Star Trek“, hat mit seinem Film „Super 8“ aus dem Jahr 2011 bereits bewiesen, dass er ein Händchen für Geschichten hat, in denen übernatürliche Phänomene in die Kindheitserinnerungen der späten siebziger Jahre einbrechen. Diese Zusammenarbeit unterstreicht den nostalgischen und zugleich fantastischen Anspruch des Projekts.
Die Besetzung und die Zeitreise der Darstellerin Ann Hathaway
Für die Schauspielerin Ann Hathaway stellt „The End of Oak Street“ eine besondere Herausforderung dar. Nach Rollen in Christopher Nolans „Die Odyssee“ und der Rückkehr zu ihrer bekannten Figur aus „Der Teufel trägt Prada“ wirkt der Film für sie selbst wie eine Art Zeitreise. Die Dreharbeiten fanden bereits im Jahr 2024 statt, doch die Veröffentlichung verzögerte sich erheblich. Diese lange Wartezeit deutet darauf hin, dass es innerhalb der Produktion möglicherweise Unstimmigkeiten darüber gab, wie der Film in die aktuelle Kinolandschaft passen könnte. Hathaway verkörpert eine Mutter, die mit den familiären Spannungen und dem unerwarteten Zeitsprung kämpft. Ihre Darstellung fügt sich in ein Ensemble ein, das ein Amerika porträtiert, das vor der heutigen programmatischen Diversität steht. Der Film bildet ein weißes Amerika ab, in dem die Darstellung von Vielfalt, etwa durch die Figur des Mädchens Jeanette, eher als Alibi-Funktion denn als tiefgreifende soziale Auseinandersetzung wahrgenommen wird, was den Film in seiner Haltung als zeitlich entrückt erscheinen lässt.
Einordnung der filmischen Logik und der Welten
Einzuordnen ist der Film als ein Werk, das versucht, zwei völlig unterschiedliche Welten – die amerikanische Vorstadt von 1982 und die Ära der Dinosaurier – miteinander zu verschmelzen. Mitchell nutzt das Bild einer schillernden Blase oder Glocke als Portal, durch das man in die jeweils andere Welt gelangen kann. Doch genau hier liegt ein Kritikpunkt: Die innere Logik der Zeitreise bleibt den Berichten zufolge oft unklar. Es wird nicht ausreichend begründet, warum ausgerechnet diese Riesenechsen als Bewährungsprobe für die Familien dienen müssen. Die Verbindung zwischen der suburbanen Alltagswelt und dem prähistorischen Abgrund wirkt stellenweise unbeholfen. Während die Idee einer Bewährungsprobe durch archaische Bedrohungen filmisch reizvoll sein mag, mangelt es der Umsetzung an einer kohärenten Erklärung für das „Warum“ hinter dem Riss in der Zeit. Die Vermischung der Genres – Familiendrama, Abenteuer und Science-Fiction – führt zu einem Ergebnis, das zwar visuell ambitioniert ist, aber inhaltlich Fragen offen lässt.
Offene Fragen und erzählerische Lücken
Der Quelltext lässt zahlreiche Fragen unbeantwortet, die für das Verständnis der Handlung entscheidend wären. So bleibt völlig unklar, was die Ursache für den Riss in der Zeit war. Ist es ein kosmisches Phänomen, ein wissenschaftliches Experiment oder eine metaphysische Anomalie? Auch die Frage, warum nur ein kleiner Teil der Oak Street von diesem Ereignis betroffen ist, wird nicht geklärt. Ebenso bleibt offen, ob die Bewohner jemals wieder in ihre ursprüngliche Zeit zurückkehren können oder ob sie dauerhaft in dieser prähistorischen Umgebung gefangen sind. Der Film thematisiert zwar die Fluchtgedanken der Mutter und die Geheimnisse des Vaters, doch wie diese persönlichen Konflikte mit dem Zeitsprung korrespondieren oder ob sie gar die Ursache für das Portal sein könnten, bleibt im Dunkeln. Die Motivation der Dinosaurier, die Vorstadt anzugreifen, wird ebenfalls nicht vertieft; sie wirken eher wie unkontrollierbare Naturgewalten als wie bewusste Antagonisten.
Die ungewisse Zukunft des Projekts
Obwohl „The End of Oak Street“ ursprünglich als potenzieller Sommer-Blockbuster konzipiert worden sein mag, landet der Film im Jahr 2026 eher wie ein verschollenes Projekt. Es gibt keine Informationen über geplante Fortsetzungen oder ein erweitertes Franchise. Die lange Produktionszeit und die verzögerte Veröffentlichung deuten darauf hin, dass der Film Schwierigkeiten hatte, seinen Platz in der gegenwärtigen Kinokonstellation zu finden. Es bleibt abzuwarten, wie das Publikum auf diese Mischung aus nostalgischer Spielberg-Hommage und prähistorischem Chaos reagieren wird. Für David Robert Mitchell markiert der Film eine Rückkehr nach einer längeren Pause, doch ob er damit an den Erfolg seiner früheren, eher düsteren Arbeiten anknüpfen kann, ist ungewiss. Die Entscheidung, den Film nach zwei Jahren Wartezeit in die Kinos zu bringen, lässt darauf schließen, dass die Verantwortlichen nun versuchen, das Projekt trotz seiner vermeintlichen „Zeitlosigkeit“ oder „Entrücktheit“ einem breiten Publikum zugänglich zu machen, ohne dass weitere Schritte oder Termine für die Zukunft bekannt gegeben wurden.