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heise+ | Evpn und Vxlan für effizientere Skalierung von Rechenzentren
Technik · 26.08.2026 15:00

heise+ | Evpn und Vxlan für effizientere Skalierung von Rechenzentren

Kurz: Moderne Rechenzentren fordern neue Netzwerkarchitekturen. EVPN und VXLAN bieten Lösungen, um klassische Grenzen bei Skalierbarkeit und Effizienz zu überwinden.

Was geschehen ist – die Kernmeldung

In der Welt der modernen IT-Infrastrukturen stoßen traditionelle Netzwerkstrukturen zunehmend an ihre Belastungsgrenzen. Benjamin Pfister, Leiter des Sachgebiets Netze und Telekommunikation der Stadt Kassel, analysiert in einem Fachbeitrag für das iX-Magazin, wie die Kombination aus dem Control-Plane-Protokoll EVPN (Ethernet VPN) und dem Overlay-Protokoll VXLAN (Virtual Extensible LAN) die Effizienz und Skalierbarkeit von Rechenzentren maßgeblich steigern kann. Die Kernbotschaft ist, dass klassische dreischichtige Hierarchien – bestehend aus Core, Distribution und Access – den heutigen Anforderungen an Flexibilität, Automatisierung und Performance nicht mehr gerecht werden. Durch die Implementierung von EVPN und VXLAN lassen sich diese starren Strukturen aufbrechen. Das Protokoll-Duo ermöglicht es, Netzwerkressourcen deutlich effizienter zu nutzen und gleichzeitig die komplexen Anforderungen moderner Workloads, wie sie etwa durch KI-Anwendungen oder weit verzweigte Rechenzentrumsverbünde entstehen, zu bewältigen. Diese technologische Umstellung markiert einen Paradigmenwechsel in der Netzwerkplanung, der ursprünglich für Rechenzentren konzipiert wurde, nun jedoch zunehmend auch in Campusnetzen an Bedeutung gewinnt.

Die Einzelheiten der technologischen Herausforderungen

Die technischen Einschränkungen klassischer Architekturen sind vielfältig. Ein zentrales Problem ist das Spanning Tree Protocol (STP), das in traditionellen Designs eingesetzt wird, um Netzwerkschleifen zu verhindern. Dies führt jedoch dazu, dass redundante Pfade blockiert werden und die verfügbare Bandbreite nicht vollständig ausgeschöpft werden kann. Ein weiterer kritischer Punkt ist die Begrenzung auf 4.094 VLANs, was insbesondere in Multi-Tenant-Umgebungen, in denen viele verschiedene Mandanten voneinander isoliert werden müssen, zu einer erheblichen Skalierungshürde führt. Zudem bereitet das sogenannte Routed Access in vielen Rechenzentrumsumgebungen Schwierigkeiten bei der Implementierung. Hier setzt die Lösung durch EVPN und VXLAN an: Während VXLAN als Overlay-Protokoll die starren VLAN-Grenzen überwindet, liefert EVPN als Control-Plane-Protokoll die notwendigen Routing-Informationen auf Layer 3. Dies reduziert den Broadcast-Verkehr im Netzwerk signifikant. Die Architektur empfiehlt dabei den Einsatz einer zweischichtigen Spine-Leaf-Struktur, die jedoch eine Anpassung der bestehenden Verkabelungsstrukturen voraussetzt, um die volle Leistungsfähigkeit des Protokoll-Duos zu entfalten.

Hintergrund und Entwicklung der Netzwerkstrukturen

Die Entwicklung hin zu EVPN und VXLAN ist das Ergebnis einer langen Evolution in der Netzwerktechnik. Lange Zeit war das hierarchische Dreischichtmodell der Standard in der Branche. Doch mit dem Aufkommen von Cloud-Computing, hochgradig virtualisierten Umgebungen und der Notwendigkeit für eine nahtlose Multimandantenfähigkeit reichten diese klassischen Ansätze nicht mehr aus. Die zunehmende Komplexität durch KI-Workloads und die Forderung nach einer höheren Resilienz zwangen IT-Verantwortliche dazu, nach Alternativen zu suchen. Frühere Versuche, diese Probleme durch komplexere Konfigurationen im klassischen Modell zu lösen, stießen oft auf die Grenzen der Skalierbarkeit. Die Einführung von VXLAN ermöglichte erstmals eine Kapselung von Layer-2-Ethernet-Frames über ein Layer-3-Netzwerk, doch erst die Kombination mit einer intelligenten Control Plane wie EVPN schuf die notwendige Stabilität und Effizienz. Diese Entwicklung spiegelt den allgemeinen Trend wider, weg von statischen, manuell verwalteten Netzwerken hin zu dynamischen, softwaregesteuerten Fabrics, die eine automatisierte Bereitstellung und Verwaltung von Netzwerkressourcen ermöglichen.

Die Beteiligten und ihre Rollen

Im Zentrum der fachlichen Auseinandersetzung steht Benjamin Pfister, der als Experte für Netze und Telekommunikation sowie als Inhaber der Pfister IT-Beratung fundierte Einblicke in die Materie gibt. Seine Analyse richtet sich primär an Netzwerkadministratoren und IT-Architekten, die für die Planung und den Betrieb von Rechenzentren verantwortlich sind. Diese Fachkräfte sind es, die vor der Entscheidung stehen, ob und wie sie ihre bestehende Infrastruktur auf die neue Architektur umstellen. Institutionell wird dieses Thema durch das iX-Magazin aufgegriffen, welches als Plattform für tiefgehende technische Analysen fungiert. Die Entscheidung für eine solche Umstellung liegt in der Regel bei den IT-Leitungen von Unternehmen oder öffentlichen Einrichtungen, die den Bedarf an Skalierbarkeit und Performance gegen den Aufwand der Migration abwägen müssen. Die Nutzer, die von diesen effizienteren Netzwerken profitieren, sind letztlich alle Anwender, die auf hochverfügbare und performante IT-Dienste angewiesen sind, ohne dass die zugrunde liegende Komplexität für sie direkt sichtbar wird.

Einordnung der technologischen Bedeutung

Einzuordnen ist der Einsatz von EVPN und VXLAN als notwendige Antwort auf die Digitalisierung der IT-Infrastruktur. Den Berichten zufolge stellt die Umstellung auf eine Spine-Leaf-Architektur in Kombination mit diesen Protokollen keinen rein optionalen Schritt dar, sondern eine strategische Entscheidung für Unternehmen, die zukunftsfähig bleiben wollen. Die Komplexität, die mit der Einführung einhergeht, ist dabei nicht zu unterschätzen. Administratoren müssen sich intensiv mit den neuen Abhängigkeiten und der Funktionsweise der Control Plane vertraut machen. Dennoch überwiegen die Vorteile: Eine EVPN/VXLAN-Fabric bietet eine deutlich höhere Flexibilität und eine bessere Ausnutzung der Hardware-Ressourcen. Die Abkehr von STP-basierten Designs hin zu einer Layer-3-basierten Fabric ermöglicht es, redundante Pfade aktiv zu nutzen, was die Performance und die Ausfallsicherheit des gesamten Rechenzentrums steigert. Es ist eine Abkehr von der klassischen, eher starren Netzwerkadministration hin zu einem modernen, skalierbaren Ansatz, der die Anforderungen an moderne Rechenzentren in den Vordergrund stellt.

Offene Fragen und Lücken in der Analyse

Obwohl die theoretischen Vorteile und die grundlegende Funktionsweise von EVPN und VXLAN detailliert beleuchtet werden, lässt der Quelltext einige praktische Aspekte offen. So wird beispielsweise nicht explizit darauf eingegangen, welche spezifischen Hardware-Anforderungen an die eingesetzten Switches gestellt werden, um die Protokolle performant zu unterstützen. Auch die konkreten Herausforderungen bei der Migration von einem laufenden, klassischen System auf eine EVPN/VXLAN-Fabric werden nur in Ansätzen thematisiert. Es bleibt offen, wie hoch der reale Zeitaufwand für eine solche Umstellung in mittelgroßen versus sehr großen Rechenzentren ist. Zudem werden keine spezifischen Hersteller-Empfehlungen gegeben, was bei der Komplexität der Implementierung für Administratoren eine wichtige Entscheidungshilfe wäre. Auch die Frage nach der langfristigen Wartbarkeit einer solchen hochkomplexen Umgebung durch kleine IT-Teams wird nicht abschließend geklärt. Diese Lücken deuten darauf hin, dass die Implementierung in der Praxis eine tiefgehende individuelle Planung erfordert, die über die rein protokolltechnische Betrachtung hinausgeht.

Wie es weitergeht – Ausblick und nächste Schritte

Die technische Auseinandersetzung mit dem Thema ist laut dem vorliegenden Material in eine Artikelserie eingebettet. Während der erste Teil die theoretische Architektur und die Funktionsweise des Protokoll-Duos EVPN und VXLAN beleuchtet, ist ein zweiter Teil angekündigt, der den Fokus auf praktische Konfigurationsbeispiele legen wird. Für IT-Verantwortliche bedeutet dies, dass sie in den kommenden Schritten konkrete Anleitungen und Best Practices erwarten können, um die theoretischen Konzepte in ihre eigene Umgebung zu übertragen. Die Entscheidung für oder gegen eine solche Architektur wird für viele Organisationen in den kommenden Monaten und Jahren ein zentrales Thema der IT-Strategieplanung sein. Administratoren sind dazu aufgerufen, sich kontinuierlich weiterzubilden, um die komplexen Abhängigkeiten zu beherrschen. Die technologische Entwicklung im Bereich der Rechenzentrumsnetzwerke bleibt dynamisch, und die Kombination aus EVPN und VXLAN stellt dabei einen wesentlichen Baustein für die Effizienzsteigerung dar, der in der Fachwelt weiterhin intensiv diskutiert und in der Praxis erprobt wird.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/nahaufnahme-foto-von-mining-rig-1148820/ · Foto: panumas nikhomkhai
Quelle: https://www.heise.de/hintergrund/EVPN-und-VXLAN-fuer-effizientere-Skalierung-von-Rechenzentren-11395385.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag_plus.beitrag_plus