News aus aller Welt
Start
Geheimnis der Mars-Krater: Neue Methode zeigt Zweiteilung im Planeteninneren
Technik · 27.08.2026 14:00

Geheimnis der Mars-Krater: Neue Methode zeigt Zweiteilung im Planeteninneren

Kurz: Ein Forschungsteam hat mittels Gezeitentomografie eine massive thermische Anomalie im Marsmantel entdeckt, die neue Einblicke in die Mars-Dichotomie gewährt.

Was geschehen ist – die Kernmeldung ausführlich

Ein internationales Team von Planetenforschern hat eine bahnbrechende Entdeckung gemacht, die unser Verständnis des Mars grundlegend verändert. Mithilfe einer neuartigen Untersuchungsmethode, der sogenannten Gezeitentomografie, konnten die Wissenschaftler tief unter die Oberfläche des roten Planeten blicken. Dabei wurde eine ausgedehnte thermische Anomalie im Marsmantel identifiziert, die eine bisher ungeklärte Asymmetrie aufdeckt. Die südliche Hemisphäre des Mars ist demnach deutlich heißer als die nördliche. Die Temperaturunterschiede im Mantel belaufen sich auf Werte zwischen 200 und 400 Grad Celsius. Diese Entdeckung, die kürzlich im renommierten Wissenschaftsmagazin Nature publiziert wurde, liefert ein völlig neues Erklärungsmodell für die seit Jahrzehnten diskutierte Mars-Dichotomie. Dieses Phänomen beschreibt die auffällige geografische Zweiteilung des Planeten, bei der der Norden durch flache, tiefgelegene Ebenen geprägt ist, während der Süden von einer rauen, hochgelegenen Kraterlandschaft dominiert wird. Die neuen Daten deuten darauf hin, dass die thermischen Prozesse im Inneren des Planeten maßgeblich für diese geologische Spaltung verantwortlich sein könnten.

Die Einzelheiten der Untersuchung

Die wissenschaftliche Untersuchung wurde von einem Team unter der Leitung des Planetenforschers Nick Wagner von der Brown University im US-Bundesstaat Rhode Island durchgeführt. Um die verborgenen Strukturen unter der Marskruste zu analysieren, werteten die Forscher über einen Zeitraum von 16 Jahren hinweg Tracking-Daten der drei NASA-Raumsonden Mars Global Surveyor, Mars Odyssey und Mars Reconnaissance Orbiter aus. Die Methode der Gezeitentomografie ermöglichte es den Experten, minimale gravitative Abweichungen des Mars während seines Umlaufs um die Sonne präzise zu messen. Die Ergebnisse waren verblüffend: Die gemessenen Asymmetrien wichen um bis zu 300 Prozent von den Werten ab, die bei einem theoretisch perfekten, kugelsymmetrischen Planeten zu erwarten wären. Neben der reinen Temperaturmessung ergaben die Modellierungen auch kompositorische Unterschiede. Es besteht die Vermutung, dass der Mantel unter den südlichen Hochebenen eine bis zu fünfprozentige Anreicherung mit Eisen aufweisen könnte. Diese chemische Zusammensetzung stützt die Hypothese, dass historische Schmelzprozesse im Inneren des Planeten eine entscheidende Rolle bei der Formung der heutigen Oberfläche gespielt haben.

Hintergrund der Mars-Dichotomie

Die Frage, warum der Mars zwei derart unterschiedliche Hemisphären aufweist, beschäftigt die Planetenforschung bereits seit Jahrzehnten. Bisher fehlte ein schlüssiger Beweis, der die geologischen Unterschiede zwischen den flachen nördlichen Ebenen und den kraterreichen südlichen Hochländern physikalisch fundiert erklären konnte. Die Forschungsgruppe um Nick Wagner hat nun einen entscheidenden Schritt nach vorne gemacht, indem sie die thermische Komponente in die Gleichung einbezog. Die Vermutung liegt nahe, dass heutige Konvektionsströme im Mantel oder die isolierende Wirkung der besonders dicken südlichen Kruste über Milliarden von Jahren hinweg zu dem massiven Temperaturgefälle geführt haben könnten. Die Gezeitentomografie, die bereits erfolgreich bei der Erforschung der Erde und des Mondes eingesetzt wurde, kam nun erstmals beim Mars zum Einsatz. Sie bietet den großen Vorteil, dass sie eine Untersuchung des Planeteninneren aus der Ferne ermöglicht, ohne dass kostspielige und technisch aufwendige Landemissionen erforderlich sind. Damit schließt die Studie eine wichtige Lücke in der planetaren Geodynamik und bietet eine neue theoretische Basis für zukünftige Missionen.

Die Beteiligten und ihre Rollen

Zentraler Akteur in diesem Forschungsprojekt ist der Planetenforscher Nick Wagner von der Brown University. Er fungiert als Kopf des Teams und ordnet die Ergebnisse in einem breiteren Kontext ein. In seinen Stellungnahmen gegenüber 404 Media betonte er, dass das Innere des Mars noch immer weitgehend unbekannt sei. Er sieht die aktuelle Studie nicht als endgültige Antwort auf alle Fragen zur Entstehung der Dichotomie, sondern als einen weiteren, essentiellen Beweisstein, um die Prozesse unter der Marskruste besser zu verstehen. Die beteiligten Institutionen, allen voran die US-Raumfahrtbehörde NASA, stellten die notwendige Datenbasis zur Verfügung. Ohne die über 16 Jahre gesammelten Tracking-Daten der Raumsonden Mars Global Surveyor, Mars Odyssey und Mars Reconnaissance Orbiter wäre diese Art der Analyse nicht möglich gewesen. Die Arbeit der Forscher zeigt eindrucksvoll, wie die Kombination aus historischen Archivdaten und modernen mathematischen Analyseverfahren neue wissenschaftliche Durchbrüche erzielen kann, selbst wenn die primären Missionen der Sonden bereits Jahre zurückliegen oder ihre ursprünglichen Ziele andere waren.

Einordnung der Ergebnisse

Einzuordnen ist das so: Die Studie liefert eine physikalische Erklärung für Phänomene, die bisher lediglich beobachtet, aber nicht kausal verknüpft werden konnten. Die Hitze im Planeteninneren könnte laut den Berichten zufolge die Kruste in der Frühphase des Mars punktuell stark erhitzt haben. Ein besonders interessanter Aspekt ist hierbei die Restmagnetisierung der südlichen Hemisphäre. Wenn Magma aufstieg und in der dicken südlichen Kruste stecken blieb, entzog es dem umliegenden Mantel bestimmte Elemente, was die beobachteten Schwankungen im Datenmaterial stützt. Als das Gestein abkühlte, während das planetare Magnetfeld noch aktiv war, wurde die magnetische Signatur dauerhaft in den Hochebenen konserviert. Den Berichten zufolge verdeutlicht dies die enge Verzahnung von thermischen Prozessen, Geologie und der planetaren Geschichte. Diese Erkenntnisse sind zudem von hoher Relevanz für die Frage nach der Habitabilität des Mars. Da das Verständnis der inneren Dynamik ein notwendiger Baustein ist, um die frühere Bewohnbarkeit zu beurteilen, gewinnen diese Daten an Bedeutung. Vor etwa vier Milliarden Jahren bot der Mars Bedingungen, die jenen der frühen Erde ähnelten, was die geodynamische Forschung zu einem Schlüsselfaktor für die Astrobiologie macht.

Offene Fragen zur Methodik

Trotz der beeindruckenden Ergebnisse weisen die Autorinnen und Autoren der Studie selbst auf bestehende Schwächen in der Modellrechnung hin. Die Berechnungen sind keineswegs frei von Unsicherheiten. Ein wesentlicher Faktor, der die Ergebnisse beeinflussen kann, ist die Atmosphäre des Planeten. Insbesondere die saisonale Kondensation von Kohlendioxid an den Polkappen stellt eine komplexe Variable dar, die in den Modellen ständig korrigiert werden muss. Diese Korrekturen sind fehleranfällig und können die Präzision der thermischen Kartierung beeinflussen. Zudem bleibt die Frage nach der exakten Ursache der Temperaturunterschiede ein Thema für weitere Untersuchungen. Ob es sich primär um Konvektionsströme handelt oder ob die isolierende Wirkung der Kruste der dominierende Faktor ist, lässt sich derzeit nicht abschließend klären. Auch die Hypothese der Eisenanreicherung im Mantel unter den südlichen Hochebenen ist eine Schlussfolgerung aus Modellierungen, die noch durch direkte Messungen oder alternative Methoden validiert werden müsste. Die Lücke zwischen mathematischer Näherung und realer geologischer Beschaffenheit bleibt somit bestehen.

Wie es weitergeht

Die Forschungsgruppe macht deutlich, dass das durch die Studie gezeichnete Bild des Marsinneren zwar fundiert, aber noch nicht vollständig validiert ist. Ein wesentlicher nächster Schritt wird die seismische Analyse direkt auf der Marsoberfläche sein. Nur durch Daten von seismischen Messgeräten, die vor Ort platziert sind, lässt sich die Genauigkeit der durch Gezeitentomografie gewonnenen Ergebnisse verifizieren. Bis dahin bleiben die thermischen Vorgänge tief im Marsmantel ein Forschungsgegenstand, der vorwiegend auf mathematischen Näherungswerten und Fernerkundungsdaten basiert. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden ihre Modelle weiter verfeinern müssen, um die atmosphärischen Störeinflüsse, wie die Kondensation von Kohlendioxid, besser herauszurechnen. Zukünftige Marsmissionen, die spezifisch auf die Erforschung des Planeteninneren ausgerichtet sind, könnten hierbei entscheidende Daten liefern. Die aktuelle Studie dient somit als wichtige Wegmarke, die den Fokus der planetaren Forschung wieder stärker auf die geodynamischen Ursachen der Mars-Dichotomie lenkt und den Weg für präzisere Messungen in der Zukunft ebnet.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/tippen-studio-drinnen-digital-8721342/ · Foto: cottonbro studio
Quelle: https://t3n.de/news/mars-dichotomie-sonden-daten-thermische-anomalie-1760195/?utm_source=rss&utm_medium=newsFeed&utm_campaign=newsFeed