News aus aller Welt
Start
Vor der Supernova: Alma-Teleskop zeigt, wie der sterbende Stern Beteigeuze wirklich aussieht
Technik · 27.08.2026 12:00

Vor der Supernova: Alma-Teleskop zeigt, wie der sterbende Stern Beteigeuze wirklich aussieht

Kurz: Das ALMA-Teleskop liefert neue, hochdetaillierte Einblicke in die Atmosphäre des roten Überriesen Beteigeuze und stellt bisherige wissenschaftliche Modelle infr

Ein Blick in das Sterben eines Giganten

Der rote Überriese Beteigeuze, der sich in einer Entfernung von rund 600 Lichtjahren von der Erde befindet, steht seit langem im Fokus der astrophysikalischen Forschung. Aktuelle Beobachtungen, die mit dem Atacama Large Millimeter/Submillimeter Array (ALMA) durchgeführt wurden, ermöglichen nun einen beispiellosen Einblick in die physikalischen Prozesse, die in der Endphase der Existenz dieses massereichen Sterns ablaufen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Europäischen Südsternwarte (ESO) konnten mithilfe dieser hochauflösenden Daten Strukturen auf der Oberfläche des Sterns identifizieren, die bisher verborgen blieben. Diese Aufnahmen sind von besonderer Bedeutung, da sie uns zeigen, wie sich ein Stern kurz vor seinem endgültigen Kollaps verhält. Die Beobachtungen aus dem Jahr 2023 liefern dabei nicht nur ein statisches Bild, sondern erlauben Rückschlüsse auf die hochdynamischen Prozesse, die in der Atmosphäre des Sterns stattfinden. Beteigeuze, der aufgrund seiner enormen Ausmaße – sein Radius ist etwa 800-mal so groß wie der unserer Sonne – als eines der größten Objekte im bekannten Universum gilt, dient den Forschenden als Modellobjekt, um die komplexen Mechanismen der Sternentwicklung besser zu verstehen. Die gewonnenen Daten bieten eine Grundlage, um die Theorie der Konvektion in Überriesen auf den Prüfstand zu stellen und die physikalischen Bedingungen in der letzten Lebensphase eines solchen Sterns präzise zu kartieren.

Die technischen Details der Beobachtung

Die von der ESO betriebene ALMA-Anlage in der nordchilenischen Atacama-Wüste hat im Jahr 2023 eine Reihe von Aufnahmen gemacht, die das Verständnis von Beteigeuze maßgeblich erweitern. Die Daten zeigen eine durchschnittliche Oberflächentemperatur des Sterns von rund 2300 Kelvin. Besonders auffällig sind dabei mindestens zwei deutlich heißere Regionen, die sich im Nordosten und Südwesten der Sternscheibe befinden. Der hellste dieser sogenannten Hotspots weist eine Temperatur auf, die bis zu 800 Kelvin über der des umgebenden Gases liegt. Diese Temperaturunterschiede sind ein direkter Hinweis auf die massiven Energieumwälzungen, die im Inneren des Sterns stattfinden. Zudem konnte das ALMA-Teleskop Schwankungen im sichtbaren Radius des Sterns von etwa sechs Prozent nachweisen. Gleichzeitig wurden schwächere Emissionen registriert, die sich über mehrere Sternradien in die Atmosphäre hinein erstrecken. Diese Messungen verdeutlichen die enorme Ausdehnung und die instabile Natur der äußeren Schichten von Beteigeuze. Die Fähigkeit von ALMA, diese feinen Strukturen bei einem Objekt dieser Distanz aufzulösen, ist ein technischer Meilenstein, der es ermöglicht, die physikalischen Parameter, wie etwa die Gasdichte und die Strahlungsintensität in verschiedenen Bereichen der Sternatmosphäre, exakt zu bestimmen.

Der Weg zur aktuellen Forschung

Beteigeuze ist in der Astronomie vor allem für seine ausgeprägten Helligkeitsschwankungen bekannt, die in der Vergangenheit immer wieder für Spekulationen sorgten. Ein besonders markantes Ereignis ereignete sich zwischen Ende 2019 und Anfang 2020, als der Stern eine deutlich sichtbare Abschwächung seiner Helligkeit zeigte. In der Fachwelt und in der Öffentlichkeit führte dies zu der Vermutung, dass eine Supernova unmittelbar bevorstehen könnte. Diese Erwartung hat sich nach heutigem Kenntnisstand jedoch nicht bestätigt; die Forschenden sind mittlerweile deutlich vorsichtiger in ihrer Einschätzung, ob eine solche Explosion kurzfristig eintreten wird. Dennoch hat dieses Ereignis das wissenschaftliche Interesse an dem Stern massiv intensiviert. Die nun vorliegenden Ergebnisse sind das Resultat einer kontinuierlichen Überwachung, die darauf abzielt, die Dynamik des Sterns über längere Zeiträume hinweg zu verstehen. Die Einordnung der aktuellen Daten erfolgte durch den Vergleich mit Beobachtungen, die bereits im Jahr 2015 mit demselben Instrumentarium durchgeführt wurden. Dieser zeitliche Vergleich war entscheidend, um zu erkennen, dass die physikalischen Phänomene auf der Oberfläche nicht nur kurzlebige Zufallsprodukte sind, sondern eine bemerkenswerte Beständigkeit aufweisen, die bisherige theoretische Modelle zur Lebensdauer konvektiver Strukturen infrage stellt.

Die Akteure und ihre wissenschaftliche Arbeit

Die Untersuchung von Beteigeuze wird federführend von Astronominnen und Astronomen der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern vorangetrieben. Ein zentraler Akteur in diesem Prozess ist der ESO-Astronom Bill Dent, der die Bedeutung der aktuellen Beobachtungen unterstreicht. In den wissenschaftlichen Beiträgen des Teams wird betont, dass das Schicksal von Beteigeuze als Supernova das Interesse an seinem aktuellen Erscheinungsbild maßgeblich antreibt. Die Forschungsergebnisse wurden bereits zur Veröffentlichung in der renommierten Fachzeitschrift Astronomy & Astrophysics angenommen und sind zudem auf der Plattform Arxiv für die wissenschaftliche Gemeinschaft zugänglich gemacht worden. Die Arbeit des Teams stützt sich auf die Annahme, dass die beobachteten hellen Strukturen das Ergebnis enormer konvektiver Bewegungen im Inneren des Sterns sind. Wenn heißes Gas aus tieferen Schichten an die Oberfläche gelangt, entstehen beim Eintritt in die äußere Atmosphäre Stoßwellen, die für die ungleichmäßigen und hellen Merkmale verantwortlich sind. Diese Interpretation ist das Ergebnis einer intensiven Analyse, bei der die Daten von 2023 mit den älteren Datensätzen in Beziehung gesetzt wurden, um die physikalischen Prozesse hinter der sichtbaren Oberfläche zu deuten.

Einordnung der wissenschaftlichen Erkenntnisse

Die Entdeckung, dass der markante nordöstliche Hotspot nach sieben Jahren nahezu an derselben Stelle und mit ähnlicher Intensität wieder aufgetaucht ist, stellt eine signifikante Herausforderung für die aktuelle Astrophysik dar. Den Berichten zufolge existiert diese Struktur deutlich länger, als es die gängigen Modelle zur Lebensdauer großer konvektiver Zellen in roten Überriesen vorhersagen. Einzuordnen ist das so, dass unsere bisherigen Vorstellungen über die Stabilität und die Dynamik der Sternoberflächen in dieser späten Entwicklungsphase möglicherweise lückenhaft sind. Die Beständigkeit der Hotspots deutet darauf hin, dass die konvektiven Prozesse in Beteigeuze komplexeren Gesetzmäßigkeiten unterliegen könnten als bisher angenommen. Die Beobachtungen liefern somit nicht nur ein Bild des Sterns, sondern zwingen die Wissenschaft dazu, die zugrunde liegenden theoretischen Modelle zu überarbeiten. Die Tatsache, dass sich die Struktur über einen Zeitraum von sieben Jahren so stabil hält, legt nahe, dass die Mechanismen des Massenverlusts und die strukturelle Beschaffenheit der ausgedehnten Atmosphäre des Sterns enger miteinander verknüpft sind, als man es bisher für möglich gehalten hätte. Es handelt sich hierbei um eine wichtige Erkenntnis, die das Verständnis über die letzten Phasen der Sternentwicklung maßgeblich beeinflusst.

Offene Fragen und der weitere Forschungsbedarf

Trotz der detaillierten Aufnahmen des ALMA-Teleskops bleiben zahlreiche Fragen unbeantwortet, die den weiteren Forschungsbedarf definieren. Der Quelltext macht deutlich, dass derzeit noch nicht abschließend geklärt ist, ob die beobachteten Hotspots dauerhaft ortsfest bleiben oder ob sie sich über längere Zeiträume doch noch verschieben. Ebenso unklar ist der exakte Zusammenhang zwischen diesen Hotspots und den fundamentalen Prozessen wie der Konvektion im Sterninneren sowie dem Massenverlust, der für das Ende des Sterns entscheidend ist. Auch die Frage, wie genau die Struktur der ausgedehnten Atmosphäre mit den beobachteten Emissionen korreliert, bleibt Gegenstand weiterer Untersuchungen. Der Quelltext lässt zudem offen, wann genau die Supernova eintreten wird, da die Experten ihre ursprüngliche Einschätzung einer unmittelbar bevorstehenden Explosion revidiert haben. Es fehlen konkrete Angaben darüber, welche weiteren Beobachtungsmethoden oder Instrumente neben ALMA eingesetzt werden könnten, um die noch offenen Lücken in der Modellierung der Sternoberfläche zu schließen. Die Wissenschaft steht hier vor der Herausforderung, aus den punktuellen Beobachtungen ein geschlossenes Bild der physikalischen Dynamik zu entwickeln, was ohne weitere hochauflösende Daten kaum möglich sein wird.

Der Blick in die Zukunft der Beobachtung

Die wissenschaftliche Arbeit an Beteigeuze ist mit den aktuellen Ergebnissen keineswegs abgeschlossen. Die ESO-Forschenden planen, die Beobachtungen des Sterns fortzusetzen, um die Dynamik seiner Atmosphäre weiterhin genau zu verfolgen. Ziel ist es, durch weitere hochauflösende Messungen mit dem ALMA-Teleskop zu klären, welche Rolle die Hotspots im langfristigen Lebenszyklus des Sterns spielen. Es wird erwartet, dass zukünftige Datenreihen Aufschluss darüber geben, ob die beobachteten Strukturen ihre Position beibehalten oder sich im Laufe der Zeit verändern. Diese kontinuierliche Überwachung ist essenziell, um die Zusammenhänge zwischen Konvektion, Massenverlust und der atmosphärischen Struktur besser zu verstehen. Die wissenschaftliche Gemeinschaft wartet nun auf die offizielle Veröffentlichung der Ergebnisse in der Fachzeitschrift Astronomy & Astrophysics, die eine detaillierte Auswertung der Daten bieten wird. Die Forschung an Beteigeuze bleibt somit ein dynamischer Prozess, bei dem jede neue Beobachtung dazu beiträgt, das Rätsel um einen der faszinierendsten Sterne unseres Himmels Stück für Stück zu lösen und die Vorhersagen über sein letztendliches Schicksal zu präzisieren.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-beobachtet-himmel-mit-teleskop-im-freien-29647179/ · Foto: Alex Gamaliel
Quelle: https://t3n.de/news/supernova-alma-stern-beteigeuze-1760082/?utm_source=rss&utm_medium=newsFeed&utm_campaign=newsFeed