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Bigsky SF-2U870: Sifive zeigt eigenen Risc-V-Server
Technik · 25.08.2026 17:45

Bigsky SF-2U870: Sifive zeigt eigenen Risc-V-Server

Kurz: Sifive überrascht mit der Vorstellung des Bigsky SF-2U870, eines RISC-V-Servers mit 32 Kernen, der durch Cuda-Support für KI-Anwendungen attraktiv werden soll.

Was geschehen ist – die Kernmeldung

Überraschend und ohne große Vorankündigung hat das Unternehmen Sifive seine neue Entwicklungsplattform namens Bigsky SF-2U870 vorgestellt. Bei diesem System handelt es sich um einen Server im 2-HE-Format, also mit zwei Höheneinheiten, der auf der RISC-V-Architektur basiert. Die Plattform ist mit einem eigens entwickelten Prozessor ausgestattet, der über 32 Rechenkerne verfügt. Während in der Branche RISC-V-Serverprozessoren über Jahre hinweg lediglich angekündigt wurden, ohne dass marktreife Produkte erschienen, markiert dieser Server einen konkreten Schritt in Richtung Verfügbarkeit. Sifive richtet sich mit dem Bigsky SF-2U870 primär an Entwickler und Unternehmen, die die Plattform evaluieren möchten. Trotz der im Vergleich zu aktuellen High-End-Lösungen von AMD oder Intel geringeren Kernanzahl stößt die Hardware bereits auf Interesse bei namhaften Akteuren. Laut Angaben von Sifive prüfen derzeit große Hyperscaler sowie verschiedene Software- und Hardwareunternehmen die Einsatzmöglichkeiten des Systems. Die Plattform soll insbesondere durch ihre Fertigung in einem bewährten Prozess attraktiv bepreist sein und durch die Integration von Cuda-Unterstützung für KI-Server-Szenarien relevant werden.

Die Einzelheiten der Hardware

Das Herzstück des Bigsky SF-2U870 ist ein Prozessor, der auf den P807-D-Kernen von Sifive basiert. Diese Architektur stellt eine Weiterentwicklung des im Jahr 2023 vorgestellten P870-Modells dar. Während die grundlegende Mikroarchitektur identisch geblieben ist, wurden gezielte Verbesserungen vorgenommen, insbesondere im Bereich der RAS-Funktionen, die für Reliability, Availability und Serviceability stehen. Eine technische Neuerung ist die Implementierung einer AMBA-CHI-Bridge, also einer Schnittstelle für ARMs Coherent Hub Interface. Diese ermöglicht es, die Kernanzahl im Vergleich zum ursprünglichen P870 von 32 auf bis zu 256 Kerne pro Chip zu skalieren. Gefertigt wird der Prozessor im N6-Prozess von TSMC, was eine kosteneffiziente Produktion verspricht. Die Taktrate der Kerne liegt bei 2 GHz. Der Arbeitsspeicher umfasst 256 GByte DDR5-RAM mit einer Anbindung von 5.600 MT/s. Für Erweiterungen stehen 64 PCIe-Gen5-Lanes zur Verfügung. Die Evaluationsplattform bietet zudem ausreichend Platz für den Einbau einer GPU mit doppelter Bauhöhe, was die Flexibilität bei der Hardwarekonfiguration erhöht.

Hintergrund und bisheriger Verlauf

Die Entwicklung von RISC-V-Serverprozessoren galt lange Zeit als schwieriges Unterfangen, das von zahlreichen Ankündigungen, aber kaum greifbaren Ergebnissen geprägt war. Über Jahre hinweg blieb die Branche in einer Phase der theoretischen Planung stecken, ohne dass ein fertiges Produkt den Markt erreichte. Sifive hat mit der Vorstellung des Bigsky SF-2U870 nun eine Zäsur gesetzt und den Sprung von der Ankündigung zur physischen Plattform vollzogen. Die Entscheidung, auf den N6-Prozess von TSMC zu setzen, unterstreicht das Ziel, eine wirtschaftlich attraktive Lösung anzubieten, anstatt sich ausschließlich auf die neuesten, teuersten Fertigungsverfahren zu konzentrieren. Die Entwicklung der P807-D-Kerne und die gezielte Ergänzung von RAS-Funktionen zeigen zudem, dass Sifive die spezifischen Anforderungen von Rechenzentren – etwa im Hinblick auf Zuverlässigkeit und Wartbarkeit – in den Fokus gerückt hat. Die Portierung von Cuda auf RISC-V, die etwa ein Jahr nach der ersten Ankündigung realisiert wurde, stellt einen weiteren Meilenstein dar, um die Plattform für das KI-Ökosystem zu öffnen und sie aus der Nische der reinen Entwicklungsboards in Richtung produktiver Serverumgebungen zu führen.

Die Beteiligten und ihre Rollen

Sifive agiert als Hauptakteur und Entwickler der Bigsky-Plattform. Das Unternehmen zeichnet sowohl für das Design des Prozessors als auch für die Bereitstellung des Servers verantwortlich. Eine zentrale Rolle bei der Software-Unterstützung spielt Nvidia, das maßgeblich an der Portierung von Cuda für RISC-V beteiligt war. Nvidia hat im Rahmen der Konferenz Hot Chips detailliert dargelegt, welche Anforderungen für eine erfolgreiche Cuda-Portierung erfüllt sein müssen, darunter das RVA23-Profil, ACPI-Unterstützung und PCIe-Kohärenz. Auf Seiten der Software-Infrastruktur wird die Plattform durch die direkte Unterstützung von Ubuntu 26.04 sowie Red Hat Enterprise Linux 10 (RHEL) gestützt. Als potenzielle Nutzer und Evaluatoren nennt Sifive große Hyperscaler sowie diverse Unternehmen aus dem Soft- und Hardwaresektor. Diese Akteure befinden sich in einer Phase der Prüfung, um das Potenzial der RISC-V-Architektur für ihre spezifischen Workloads im Rechenzentrum zu bewerten. Das Verkaufsteam von Sifive fungiert dabei als zentrale Anlaufstelle für Interessenten, die aufgrund der begrenzten Stückzahlen eine direkte Kontaktaufnahme suchen müssen.

Einordnung der technologischen Bedeutung

Einzuordnen ist der Bigsky SF-2U870 als ein wichtiger Testballon für die RISC-V-Architektur im Serverumfeld. Den Berichten zufolge ist die Plattform zwar nicht darauf ausgelegt, mit der schieren Rechenleistung aktueller Spitzenmodelle wie AMDs Zen6-Epycs oder Intels Diamond Rapids zu konkurrieren, doch das ist auch nicht das primäre Ziel. Vielmehr geht es Sifive darum, ein funktionsfähiges Ökosystem zu etablieren. Die Einbindung von Cuda ist in diesem Zusammenhang als strategisch bedeutsam zu bewerten, da sie den Zugriff auf die dominierende Programmierumgebung im Bereich der KI-Beschleunigung ermöglicht. Die Unterstützung von PCIe Peer-to-Peer-Zugriffen und die Vereinfachung der Cache-Verwaltung durch PCIe-Kohärenz zeigen, dass Sifive die Hürden für Programmierer aktiv senken will. Dass die Nachfrage nach der Plattform laut Unternehmensangaben das aktuelle Angebot übersteigt, lässt sich als Indikator für ein wachsendes Interesse an Alternativen zu den etablierten x86- und ARM-Architekturen im Rechenzentrum deuten, auch wenn die Plattform aktuell noch in kleineren Stückzahlen produziert wird.

Offene Fragen und Lücken im Quelltext

Der vorliegende Quelltext lässt einige Aspekte offen, die für eine vollständige Bewertung der Plattform von Bedeutung wären. So wird zwar erwähnt, dass die Nachfrage das Angebot übersteigt, konkrete Zahlen zur tatsächlichen Produktionskapazität oder zu den Lieferzeiten werden jedoch nicht genannt. Auch bleibt unklar, in welchem Preisrahmen sich der Bigsky SF-2U870 bewegt, obwohl die Wahl des N6-Prozesses als Indiz für eine attraktive Preisgestaltung angeführt wird. Ebenso fehlen detaillierte Benchmarks oder Leistungsdaten, die einen direkten Vergleich zu etablierten Server-Architekturen in realen Anwendungsszenarien ermöglichen würden. Während die Unterstützung von Nvidia-GPUs als gesichert gilt, bleibt die Kompatibilität mit einer breiten Palette an weiterer Hardware, etwa spezialisierten Netzwerk- oder Speichercontrollern, im Detail unerwähnt. Auch die langfristige Roadmap für die Weiterentwicklung der P807-D-Kerne oder geplante Nachfolgemodelle des SF-2U870 werden nicht weiter ausgeführt. Die genauen Zeitpläne für eine breitere Verfügbarkeit außerhalb der aktuellen Evaluationsphase für ausgewählte Partner bleiben somit ebenfalls unbeantwortet.

Wie es weitergeht

Die Plattform befindet sich derzeit in einer Phase, in der sie von ausgewählten Partnern evaluiert wird. Sifive stellt die Bigsky-Server in kleineren Stückzahlen her und konzentriert sich darauf, die Plattform in die Hände von Entwicklern zu geben. Da die Nachfrage nach dem System die derzeitigen Produktionskapazitäten übersteigt, sind Interessenten aufgefordert, den direkten Kontakt zum Verkaufsteam von Sifive zu suchen, um den Zugang zu den Systemen zu koordinieren. Für die nähere Zukunft ist davon auszugehen, dass die gesammelten Erfahrungen aus den Evaluierungen durch Hyperscaler und andere Unternehmen in die weitere Optimierung der Software-Umgebung und möglicherweise in künftige Hardware-Iterationen einfließen werden. Da Nvidia die Cuda-Portierung bereits vorangetrieben hat, wird die weitere Entwicklung des Software-Stacks, insbesondere im Hinblick auf die Unterstützung neuer Cuda-Features und die Ausnutzung der Hardware-Beschleunigung, ein zentraler Punkt für die kommenden Monate sein. Konkrete Termine für eine Massenverfügbarkeit oder die Ankündigung weiterer Hardware-Varianten wurden bisher nicht kommuniziert.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/futuristische-benutzeroberflache-auf-einem-laptop-mit-neon-tastatur-38117127/ · Foto: Rafael Minguet Delgado
Quelle: https://www.golem.de/news/bigsky-sf-2u870-sifive-zeigt-eigenen-risc-v-server-2608-212276.html