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Wunderläufer und Wundertüte - Jakob Ingebrigtsen fühlt sich bereit für Birmingham
Sport · 09.08.2026 17:42

Wunderläufer und Wundertüte - Jakob Ingebrigtsen fühlt sich bereit für Birmingham

Kurz: Jakob Ingebrigtsen kehrt bei der Leichtathletik-EM in Birmingham nach langer Verletzungspause zurück. Kann der Norweger über 5000 Meter direkt um Gold mitlaufen

Ein Comeback unter Vorzeichen

Die Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham rücken in den Fokus, und mit ihnen eine der spannendsten Personalien der Szene: Jakob Ingebrigtsen. Der norwegische Mittelstrecken-Superstar, der als Olympiasieger, Weltmeister und Weltrekordhalter über 3000 Meter die Szene über Jahre dominierte, gibt bei diesem Championat sein Wettkampf-Debüt des Jahres. Doch sein Start am Montagabend über die 5000-Meter-Distanz ist mit zahlreichen Fragezeichen versehen.

Die Leidenszeit nach Tokio

Der Hintergrund für die lange Abwesenheit des 25-Jährigen liegt in einer hartnäckigen gesundheitlichen Problematik. Bereits bei den Weltmeisterschaften im vergangenen Jahr in Tokio war Ingebrigtsen deutlich gehandicapt. Eine chronische Achillessehnenentzündung beeinträchtigte seine Leistung massiv. Während er über 1500 Meter bereits im Vorlauf ausschied, biss er sich über 5000 Meter durch und erreichte den zehnten Platz. Trotz der Schmerzen betonte er damals den Wert der Erfahrung, doch die erhoffte Besserung blieb aus.

Die Konsequenz war ein medizinischer Eingriff im Februar 2026. Seit dem Rennen in Tokio im September 2025 hat der Norweger an keinem offiziellen Wettkampf mehr teilgenommen. Die Operation an der Sehne markierte den Beginn einer langen Phase der Rehabilitation und des vorsichtigen Wiederaufbaus.

Zwischen Selbstvertrauen und Vorsicht

Lange Zeit war unklar, ob Ingebrigtsen überhaupt nach Birmingham reisen würde. Zeitweise wurde sogar über einen Doppelstart auf seinen Paradestrecken spekuliert. Letztlich entschied sich der Athlet jedoch für eine fokussierte Herangehensweise: Er verzichtet auf die 1500 Meter und konzentriert sich ausschließlich auf die 5000 Meter. Über soziale Medien ließ er verlauten, dass er sich gesund fühle und das Training positiv verlaufen sei. Dennoch schränkte er ein, dass er sich derzeit nicht in seiner absoluten Bestform befinde.

Die Entscheidung zur Teilnahme begründete er mit der Liebe zu großen Meisterschaften. Für die Konkurrenz bleibt er dennoch eine Unbekannte. ARD-Experte Frank Busemann bringt die Situation auf den Punkt: Es ist unklar, was ein nicht in Bestform befindlicher Ingebrigtsen leisten kann. Die Tatsache, dass er in den Monaten zuvor einen Großteil seines Trainings in Joggingschuhen absolvierte, lässt Raum für Spekulationen über seine aktuelle Leistungsfähigkeit auf Weltklasseniveau.

Die Perspektive der Konkurrenz

Nicht nur Experten beobachten den Norweger genau, auch seine Mitstreiter haben ihn fest auf dem Zettel. Einer von ihnen ist der deutsche Läufer Florian Bremm. Der Polizist aus dem bayerischen Colmberg hat sich mit einer Zeit von 12:56,80 Minuten – der ersten Zeit eines Deutschen unter der 13-Minuten-Schallmauer – selbst in den Kreis der Anwärter auf vordere Platzierungen gelaufen.

Bremm konnte sich ein eigenes Bild von Ingebrigtsens Zustand machen, da beide zuletzt gemeinsam in St. Moritz trainierten. Trotz der allgemeinen Unsicherheit zeigt sich der Deutsche optimistisch hinsichtlich der Fitness seines Konkurrenten. Er geht davon aus, dass der Norweger in einer konkurrenzfähigen Verfassung antreten wird. Für Bremm ist das Duell mit dem Ausnahmeläufer eine Herausforderung, auf die er sich freut, auch wenn er betont, bisher nur den „fitten Jakob“ zu kennen.

Was das Rennen am Montag bedeutet

Wenn am Montagabend um 21:40 Uhr der Startschuss fällt, wird sich zeigen, ob Ingebrigtsens Zuversicht gerechtfertigt ist. Für den Norweger geht es nicht nur um Medaillen, sondern auch um eine Standortbestimmung nach einer der schwierigsten Phasen seiner Karriere. Sollte er trotz der langen Pause und der Operation erfolgreich sein, wäre dies ein Beleg für seine außergewöhnliche Qualität. Sollte er hingegen den Anschluss an die Spitze verlieren, könnte dies den Beginn einer längeren Phase der Neuorientierung einläuten.

Für die Zuschauer und die Konkurrenz bleibt das Rennen eine Wundertüte. Eines ist jedoch sicher: Die Augen der Leichtathletik-Welt werden auf den Mann gerichtet sein, der trotz aller körperlichen Rückschläge bisher immer wieder Wege zurück an die Spitze gefunden hat.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/sommer-spielen-gras-park-16942933/ · Foto: Ricardo Santanna
Quelle: https://www.sportschau.de/leichtathletik/em/wunderlaeufer-als-wundertuete-ingebrigtsen-fuehlt-sich-bereit,la-em-2026-birmingham-ingebrigtsen-vorbericht-100.html