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Ridley Scotts Das Ende der Sterne: Kontemplativ durch die Apokalypse
Technik · 27.08.2026 12:00

Ridley Scotts Das Ende der Sterne: Kontemplativ durch die Apokalypse

Kurz: Ridley Scott verfilmt Peter Hellers Roman 'Das Ende der Sterne'. Eine ungewöhnliche, kontemplative Endzeitgeschichte über Hoffnung und Menschlichkeit.

Ein neuer Blick auf den Untergang der Welt

Ridley Scotts neuester Film, eine Adaption des Romans von Peter Heller, bricht mit den gewohnten Konventionen des Postapokalypse-Genres. Während derartige Produktionen üblicherweise von einer düsteren, deprimierenden Atmosphäre geprägt sind, schlägt Scott einen kontemplativen Weg ein. Die Erzählung, die am 27. August 2026 im Rahmen einer Rezension von Peter Osteried besprochen wurde, setzt nicht primär auf den reinen Überlebenskampf, sondern rückt Menschlichkeit, Hoffnung und die ästhetische Schönheit der Natur in den Fokus. Die Handlung spielt in einer Welt, die durch eine verheerende Grippewelle weitgehend entvölkert wurde. In diesem Setting, das von einer tiefen Stille und dem Verlust der Zivilisation gezeichnet ist, entfaltet sich eine Geschichte, die trotz der widrigen Umstände einen grenzenlosen Optimismus ausstrahlt. Scott gelingt es, die Apokalypse nicht nur als Schauplatz des Verderbens zu inszenieren, sondern als einen Raum, in dem die grundlegenden Fragen des menschlichen Daseins neu verhandelt werden. Die visuelle Gestaltung unterstützt diesen Ansatz, indem sie die weiten, von Bergen eingerahmten Landschaften als einen Ort der Ruhe und der Reflexion darstellt, statt sie lediglich als Kulisse für Gewalt und Chaos zu nutzen. Es ist diese bewusste Entscheidung gegen den Zynismus, die den Film aus der Masse ähnlicher Werke hervorhebt und ihn zu einer besonderen filmischen Erfahrung macht.

Die Protagonisten und ihr täglicher Überlebenskampf

Im Zentrum der Handlung stehen zwei gegensätzliche Charaktere, die in einer isolierten Umgebung ausharren müssen. Hig, verkörpert von Jacob Elordi, ist ein Pilot und Mechaniker, der trotz der Zerstörung der Welt seinen Glauben an das Gute im Menschen nicht verloren hat. Er verkörpert die Suche nach Sinn und Verbindung, die über das bloße biologische Überleben hinausgeht. Sein Gegenpart ist Bangley, gespielt von Josh Brolin, ein Mann, der sich voll und ganz auf das Überleben spezialisiert hat. Bangley ist ein Pragmatiker, der die Welt in einer binären Logik sieht: Wer sich nähert, ist eine Bedrohung, die eliminiert werden muss. Sein Credo, erst zu schießen und dann Fragen zu stellen, verdeutlicht seine pessimistische Weltsicht. Er ist davon überzeugt, dass der Zusammenbruch der Zivilisation lediglich die dunklen Seiten des Menschen an die Oberfläche befördert hat, die ohnehin immer vorhanden waren. Diese Dynamik zwischen Higs Hoffnung und Bangleys Misstrauen bildet den Kern der erzählerischen Spannung. Während sie auf einem Flugfeld leben, das von Bergen umgeben ist, führen sie ein Leben, das von ständiger Wachsamkeit geprägt ist. Doch während Bangley in der Isolation Sicherheit findet, sehnt sich Hig nach mehr. Der Wendepunkt tritt ein, als Hig während eines Aufklärungsfluges einen Funkspruch empfängt, der ihn dazu bewegt, seine sichere Umgebung zu verlassen und den Kontakt zur Außenwelt zu suchen.

Ein langer Weg von der Romanvorlage zum Film

Die Geschichte von der Entstehung dieses Films ist eng mit der Faszination verbunden, die Ridley Scott für Peter Hellers 2012 erschienene Romanvorlage hegte. Nachdem das Buch zu einem Erfolg wurde, sicherte sich Scotts Produktionsfirma Scott Free die Filmrechte. Der Weg zur Leinwand war jedoch langwierig und von zahlreichen Unterbrechungen durch andere Projekte geprägt, die den Regisseur immer wieder von diesem Vorhaben abhielten. Was Scott an der Vorlage besonders reizte, war der minimalistische Erzählstil. Heller verzichtet auf ausufernde Erklärungen und konzentriert sich stattdessen auf die essenziellen Themen Liebe, Menschlichkeit und Hoffnung in einer Zeit, in der diese Werte kaum noch einen Platz zu haben scheinen. Dieser Fokus auf das Wesentliche ist es, der den Roman und nun auch den Film von anderen Werken des Genres abhebt. Der deutsche Titel des Films, 'Das Ende der Sterne', orientiert sich an der lyrischen Vorlage, die im Original den Untertitel 'wie Big Hig sie kannte' trägt. Dieser Titel reflektiert die melancholische, aber dennoch poetische Stimmung, die Scott in seiner filmischen Adaption einfangen wollte. Die lange Vorbereitungszeit scheint dabei dem Projekt nicht geschadet zu haben, sondern hat vielmehr dazu geführt, dass die Vision des Regisseurs über die Jahre hinweg gereift ist.

Die philosophische Dimension der Apokalypse

Einzuordnen ist der Film als ein Werk, das die Endzeit nicht als bloßes Action-Szenario begreift, sondern als philosophisches Experiment. Den Berichten zufolge stellt Scott die Frage, was von der Menschheit übrig bleibt, wenn die Strukturen der modernen Gesellschaft vollständig weggebrochen sind. Während Bangley die Ansicht vertritt, dass die Apokalypse den wahren, oft grausamen Kern des Menschen freigelegt hat, steht Hig als Repräsentant einer anderen Perspektive dagegen. Er glaubt fest daran, dass das Leben mehr sein muss als nur der tägliche Kampf um Ressourcen. Diese philosophische Auseinandersetzung verleiht dem Film eine Tiefe, die über das Genre-Kino hinausgeht. Die Entscheidung, den Fokus auf die kontemplativen Momente zu legen, ist eine bewusste Abkehr von der oft reißerischen Darstellung postapokalyptischer Szenarien. Der Film lädt das Publikum dazu ein, über den Wert zwischenmenschlicher Beziehungen und die Bedeutung von Hoffnung in einer scheinbar ausweglosen Situation nachzudenken. Es ist eine Einladung zur Reflexion, die den Zuschauer dazu zwingt, seine eigene Haltung zur Welt und zu den Mitmenschen zu hinterfragen, während er die Entwicklung der beiden Hauptfiguren verfolgt.

Was im Dunkeln bleibt: Die Lücken der Erzählung

Obwohl der Film und die zugrunde liegende Geschichte viele Aspekte des menschlichen Überlebens beleuchten, lässt die vorliegende Berichterstattung einige Fragen offen. Es wird zwar erwähnt, dass eine Grippewelle den Großteil der Bevölkerung ausgelöscht hat, doch wie genau diese Katastrophe ablief oder wie die Welt unmittelbar nach dem Zusammenbruch aussah, wird nicht näher erläutert. Auch die spezifische Rolle von Bangley in der Zeit vor der Apokalypse bleibt im Vagen; seine Expertise im Überleben wirkt wie ein Handwerkszeug, dessen Ursprung ungeklärt bleibt. Ebenso wenig wird detailliert beschrieben, wer genau die anderen Menschen sind, die Hig durch den Funkspruch zu finden hofft. Die Erzählung konzentriert sich so stark auf die psychologische und emotionale Ebene der beiden Protagonisten, dass die äußeren Umstände der Welt, in der sie leben, weitgehend im Hintergrund bleiben. Diese Leerstellen sind jedoch möglicherweise ein bewusstes stilistisches Mittel, um die Isolation der Charaktere zu unterstreichen. Dennoch bleibt für den Zuschauer offen, wie groß die verbliebene Welt tatsächlich ist und welche anderen Gruppierungen oder Individuen in dieser Einöde existieren könnten. Die Konzentration auf den Mikrokosmos des Flugfeldes lässt den Rest der Welt zu einem abstrakten, fast schon mythischen Ort werden.

Der Aufbruch ins Ungewisse als narrative Klammer

Wie es für die Figur des Hig weitergeht, ist eng mit seinem Entschluss verknüpft, das Flugfeld zu verlassen. Der Funkspruch, den er empfängt, fungiert als Katalysator für eine Reise, die den Film in eine neue Phase überführt. Die Entscheidung, sich auf die Suche nach anderen zu begeben, markiert den Übergang von einem statischen Leben in der Defensive zu einer aktiven Suche nach Sinn. Ob diese Reise erfolgreich sein wird oder in eine weitere Enttäuschung mündet, lässt der Quelltext offen. Die Ankündigung, dass Hig sicher ist, dass es da draußen mehr geben muss, deutet jedoch darauf hin, dass der Film den Zuschauer mit einer offenen, hoffnungsvollen Note entlässt. Die Dynamik zwischen ihm und Bangley wird durch diesen Aufbruch auf die Probe gestellt, da sie nun gezwungen sind, ihre unterschiedlichen Philosophien in einer neuen, unbekannten Umgebung zu bewähren. Die Reise steht symbolisch für die menschliche Natur, die selbst unter den widrigsten Bedingungen nicht aufhört, nach Gemeinschaft und Verbindung zu streben. Damit schließt sich der Kreis zu Scotts Vision, die Apokalypse als einen Ort der Menschlichkeit zu inszenieren, der trotz aller Zerstörung den Raum für einen neuen Anfang bietet.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-schreibtisch-sitzung-sitzen-9832472/ · Foto: Ron Lach
Quelle: https://www.golem.de/news/ridley-scotts-das-ende-der-sterne-kontemplativ-durch-die-apokalypse-2608-212241.html