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Klettern unter Kirchenfenstern: Boulder Church in Bad Orb ausgezeichnet
Regional · 26.08.2026 13:37

Klettern unter Kirchenfenstern: Boulder Church in Bad Orb ausgezeichnet

Kurz: Die Boulder Church in Bad Orb verwandelt ein ehemaliges Gotteshaus in eine Kletterhalle und erhält dafür den Hessischen Demografie-Preis 2026.

Ein Ort der Begegnung in alten Mauern

In Bad Orb hat ein ungewöhnliches Umnutzungsprojekt für Aufsehen gesorgt und wurde nun offiziell gewürdigt: Die sogenannte Boulder Church hat den Hessischen Demografie-Preis gewonnen. Wo früher Gläubige in andächtiger Stille beteten, finden heute Sportler beim Klettern an den Wänden unter den historischen Kirchenfenstern eine neue sportliche Herausforderung. Das Projekt hat es geschafft, ein zuvor leerstehendes Kirchengebäude in einen lebendigen Treffpunkt für die Gemeinschaft zu verwandeln. Die Jury des Wettbewerbs lobte ausdrücklich, dass durch diese kreative Umnutzung ein neuer Ort der Begegnung geschaffen wurde, der den Ortskern von Bad Orb spürbar aufwertet. Die Auszeichnung unterstreicht, wie durch innovative Ideen aus dem ländlichen Raum eine attraktive Freizeitgestaltung entstehen kann, die Menschen verschiedener Altersgruppen zusammenbringt und den Ort auch für die Zukunft lebenswert gestaltet.

Details zur Auszeichnung und den Preisträgern

Die offizielle Preisverleihung fand am Mittwoch statt, bei der Staatskanzleichef Benedikt Kuhn (CDU) die Bedeutung des Projekts hervorhob. Die Boulder Church erhält für den ersten Platz ein Preisgeld in Höhe von 8.000 Euro. Insgesamt ist der Hessische Demografie-Preis, der bereits seit dem Jahr 2010 jährlich vergeben wird, mit einer Gesamtsumme von 25.000 Euro dotiert. In diesem Jahr gab es eine beachtliche Resonanz mit insgesamt 110 eingereichten Bewerbungen. Neben dem Sieger aus Bad Orb wurden weitere Projekte prämiert: Der zweite Platz ging zu gleichen Teilen an das Alsfelder Kinderfestival „Leo feiert“, das kürzlich in seine dritte Auflage startete, sowie an ein innovatives Mehrfamilienhaus-Projekt in Kirchhain im Kreis Marburg-Biedenkopf, das flexibel für sozialen und frei finanzierten Wohnraum konzipiert wurde. Beide Projekte erhielten jeweils 5.000 Euro. Den dritten Platz belegte das „Café der kleinen Schätze“ in Rotenburg an der Fulda, welches mit 2.000 Euro bedacht wurde, da es niedrigschwellige Beratungsangebote zu sozialen und finanziellen Themen bereitstellt. Die verbleibenden 5.000 Euro der Gesamtsumme wurden auf drei weitere, nicht namentlich genannte Projekte aufgeteilt.

Hintergrund und Motivation des Preises

Der Hessische Demografie-Preis dient dazu, beispielhafte Initiativen hervorzuheben, die sich den Herausforderungen des demografischen Wandels in Hessen stellen. Die Staatskanzlei möchte mit dieser Auszeichnung Projekte fördern, die zeigen, wie ländliche Regionen trotz gesellschaftlicher Veränderungen attraktiv bleiben können. Die Boulder Church ist in dieser Hinsicht ein Paradebeispiel, da sie nicht nur ein bestehendes Gebäude vor dem Verfall rettet, sondern dieses aktiv in den Alltag der Bürger integriert. Die Umnutzung von Kirchengebäuden ist oft ein schwieriger Prozess, doch in Bad Orb gelang es, die bauliche Substanz zu erhalten und gleichzeitig eine neue, moderne Nutzung zu etablieren. Damit leistet das Projekt einen Beitrag zur Belebung des Ortskerns, was eines der zentralen Ziele der Landesregierung bei der Vergabe dieses Preises ist. Es geht darum, Perspektiven für den ländlichen Raum zu schaffen, damit dieser auch künftig ein attraktives Lebensumfeld für seine Bewohner bietet.

Einordnung der Bedeutung

Einzuordnen ist das Projekt der Boulder Church als ein erfolgreiches Modell für die Revitalisierung von Leerständen. Den Berichten zufolge ist die Jury besonders von der Kombination aus sportlicher Nutzung und der Erhaltung des historischen Ambientes beeindruckt. Während viele Kirchengebäude in Deutschland aufgrund sinkender Mitgliederzahlen oder finanzieller Engpässe vor der Schließung stehen, zeigt dieses Beispiel, dass eine Umnutzung nicht zwangsläufig den Verlust des sozialen Wertes bedeuten muss. Vielmehr kann ein solcher Ort eine neue Funktion als „dritter Ort“ – also ein Raum zwischen Zuhause und Arbeitsplatz – einnehmen. Die Auszeichnung durch die Hessische Staatskanzlei verleiht dem Projekt nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch eine landesweite Aufmerksamkeit, die als Inspiration für andere Gemeinden dienen könnte, die vor ähnlichen strukturellen Herausforderungen stehen.

Offene Fragen und Ausblick

Obwohl die Auszeichnung eine deutliche Anerkennung für die bisher geleistete Arbeit darstellt, lässt der Quelltext einige Punkte offen. So wird nicht explizit erläutert, wie sich die Boulder Church langfristig finanziell trägt oder ob es weitere bauliche Veränderungen an der historischen Substanz geben wird. Auch bleibt unklar, wie die lokale Kirchengemeinde oder die Denkmalschutzbehörden in den Prozess der Umnutzung eingebunden waren. Zudem wird nicht detailliert ausgeführt, welche weiteren drei Projekte die verbleibenden 5.000 Euro erhalten haben. Wie es mit der Boulder Church weitergeht, ist nach der Preisverleihung noch nicht im Detail bekannt; es ist jedoch davon auszugehen, dass das Preisgeld in die weitere Instandhaltung oder den Ausbau des Angebots fließen wird. Der Erfolg des Projekts könnte jedoch dazu führen, dass in Zukunft verstärkt auf ähnliche Konzepte zur Nachnutzung von leerstehenden Gebäuden im gesamten Bundesland gesetzt wird.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/frau-mauer-wand-gesichtslos-5384391/ · Foto: Allan Mas
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-klettern-unter-kirchenfenstern-boulder-church-in-bad-orb-ausgezeichnet-100.html