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Vodafone: Was ein top ausgebautes Koaxialnetz kosten würde
Technik · 03.08.2026 17:54

Vodafone: Was ein top ausgebautes Koaxialnetz kosten würde

Kurz: Was würde ein vollständiges Upgrade des Vodafone-Kabelnetzes auf Docsis 4.0 kosten? Eine Analyse der Investitionssummen und technischen Herausforderungen.

Investitionsbedarf für moderne Kabelnetze

Die Modernisierung des deutschen Kabelnetzes ist ein zentrales Thema für die digitale Infrastruktur. Aktuelle Berechnungen, die auf Analysen des Vodafone Instituts und Goldmedia basieren, beziffern die Kosten für eine vollständige Umstellung des Vodafone-Netzes auf den Übertragungsstandard Docsis 4.0 auf rund 11,9 Milliarden Euro. Diese Summe setzt sich aus zwei wesentlichen Komponenten zusammen: dem Ausbau der physischen Infrastruktur sowie der Bereitstellung neuer Endgeräte bei den Kunden.

Die reinen Netzkosten werden dabei auf etwa 10 Milliarden Euro geschätzt, basierend auf einer Kalkulation von 400 Euro pro Haushalt für die rund 25 Millionen versorgbaren Einheiten (Homes Passed). Hinzu kommen die Kosten für die notwendigen Router. Bei aktuell etwa 7,5 Millionen aktiven Kabelinternetkunden und geschätzten Hardwarekosten zwischen 150 und 250 Euro pro Gerät ergibt sich ein zusätzlicher Finanzbedarf von bis zu 1,875 Milliarden Euro.

Technische Hürden und Kapazitätsfragen

Ein Upgrade auf Docsis 4.0 würde theoretisch Downloadraten von bis zu 10 GBit/s und Uploadraten von bis zu 6 GBit/s ermöglichen. Der Prozess ist jedoch komplex: Um Frequenzen bis zu 1,8 Gigahertz und die High-Split-Technik zu unterstützen, müssten zahlreiche Netzkomponenten wie Verstärker, Verteiler und Kabelverzweiger ausgetauscht oder technisch aufwendig angepasst werden. Trotz dieser Möglichkeiten hat Vodafone bisher keine Pläne für einen flächendeckenden Einsatz von Docsis 4.0 kommuniziert.

Ein wesentlicher Faktor für die Netzstabilität ist die Anzahl der Haushalte, die sich die Kapazität eines sogenannten Nodes (Netzknoten) teilen. Während Vodafone keine aktuellen Durchschnittswerte nennt, hingen laut Angaben von Anfang 2023 noch rund 500 Haushalte an einem Cluster. Die Datenrate, die sich diese Nutzer teilen, sollte laut einer Vodafone-Auftragsstudie bis Mitte 2022 bei 7 GBit/s im Download und 1 GBit/s im Upload liegen. Zum Vergleich: Andere Anbieter zeigen, dass durch alternative Standards bereits heute höhere Geschwindigkeiten für einen Teil der Haushalte realisierbar sind.

Datenwachstum und Netzmodernisierung

Das Vodafone-Kabelnetz verzeichnet ein stetiges Wachstum des Datenverkehrs. In den vergangenen zwölf Monaten wurden 47,6 Milliarden Gigabyte übertragen, was einem Anstieg von 12,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Über einen längeren Zeitraum betrachtet – seit 2022 – liegt das Plus sogar bei 40 Prozent. Dieses Wachstum bewegt sich im Rahmen der allgemeinen Trends im deutschen Festnetz, die laut Bundesnetzagentur meist zwischen 10 und 15 Prozent pro Jahr liegen.

Um Überlastungen zu vermeiden, setzt Vodafone auf kontinuierliche Modernisierungsmaßnahmen. Im vergangenen Jahr waren 2.438 Eingriffe in das Netz erforderlich, darunter:

* 2.168 Segmentierungen zur Verkleinerung der Nutzergruppen pro Node.

* 270 Fiber-Deep-Ausbauten, bei denen die Glasfaser näher an die Endkunden herangeführt wurde.

In den vergangenen fünf Jahren wurden insgesamt 19.000 neue Segmente im Upstream und 9.000 im Downstream geschaffen.

Auswirkungen auf die Netzqualität

Die Investitionen zeigen sich laut Unternehmensangaben in einer verbesserten Stabilität. So sank die Zahl der Ausfallstunden im Festnetz seit 2022 um 50 Prozent, und die Anzahl der betroffenen Haushalte reduzierte sich um 52 Prozent. Auch im Bereich Upload gab es Anpassungen: Mit der Freischaltung des sogenannten Upload-Boosters Anfang 2026 stieg die Kapazität auf 75 MBit/s, was zu einer messbaren Zunahme des Upload-Datenvolumens führte.

Obwohl die Modernisierung des Netzes zu einer höheren Zuverlässigkeit führt, bleibt die Frage der langfristigen Kapazitätsplanung bestehen. Im Vergleich zu den jährlichen Investitionen anderer Marktteilnehmer, wie etwa der Deutschen Telekom, die nach eigenen Angaben jährlich rund sechs Milliarden Euro in den Glasfaserausbau investiert, verdeutlicht die geschätzte Summe von knapp zwölf Milliarden Euro für ein Docsis-4.0-Upgrade die Größenordnung der finanziellen Herausforderungen, vor denen Kabelnetzbetreiber bei der langfristigen Sicherung ihrer Wettbewerbsfähigkeit stehen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/hande-smartphone-laptop-arbeiten-20044367/ · Foto: Airam Dato-on
Quelle: https://www.golem.de/news/vodafone-was-ein-top-ausgebautes-koaxialnetz-kosten-wuerde-2608-211557.html