News aus aller Welt
Start
Spektakuläre Sonnenbilder: Physiker beobachten Kelvin-Helmholtz-Instabilität
Technik · 06.08.2026 16:14

Spektakuläre Sonnenbilder: Physiker beobachten Kelvin-Helmholtz-Instabilität

Kurz: Physikern ist erstmals der Nachweis der Kelvin-Helmholtz-Instabilität auf der Sonne gelungen. Die Entdeckung könnte das Rätsel der Korona-Aufheizung lösen.

Ein Meilenstein der Sonnenphysik

Einem internationalen Forschungsteam ist ein bedeutender Durchbruch in der Sonnenforschung gelungen: Mithilfe des Daniel-K.-Inouye-Sonnenteleskops auf Maui, Hawaii, konnten Wissenschaftler erstmals die Kelvin-Helmholtz-Instabilität (KHI) direkt in der Photosphäre der Sonne nachweisen. Was bisher lediglich als theoretisches Modell existierte, wurde nun durch hochauflösende Aufnahmen und komplexe physikalische Simulationen bestätigt.

Die KHI ist ein physikalisches Phänomen, das auftritt, wenn zwei Fluide mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten aneinander vorbeiströmen. Das Ergebnis sind charakteristische, wirbelartige Strukturen, die optisch an brechende Ozeanwellen erinnern. Während dieser Effekt bereits seit dem 19. Jahrhundert bekannt ist und unter anderem bei der Wolkenbildung auf der Erde oder in den Atmosphären von Gasriesen wie Saturn und Jupiter beobachtet wurde, blieb der direkte Nachweis auf der Sonnenoberfläche lange Zeit aus.

Präzise Beobachtung trifft auf Simulation

Der Erfolg der Untersuchung basiert auf der außergewöhnlichen Leistungsfähigkeit des Inouye-Sonnenteleskops, das mit einem 4-Meter-Spiegel ausgestattet ist. Die gewonnenen Bilder der Photosphäre erreichen eine Auflösung im Bereich weniger Kilometer und zeigen deutlich wirbelartige Strukturen an den Grenzen magnetischer Bereiche.

Um die Beobachtungen wissenschaftlich abzusichern, glich das Team die Aufnahmen mit Computersimulationen ab, die auf dem sogenannten MURaM-Code basieren. Diese Simulationen, die grundlegende physikalische Gleichungen nutzen, zeigten eine verblüffende Übereinstimmung mit der Realität. Ein entscheidendes Indiz war dabei die gemessene Wellenlänge der Instabilitäten: Während die Simulationen einen mittleren Abstand von etwa 49 Kilometern zwischen den Wirbeln ergaben, zeigten die realen Aufnahmen einen Wert von rund 65 Kilometern. Diese Übereinstimmung gilt in der Fachwelt als starker Beleg für die korrekte Identifizierung des Phänomens.

Der Schlüssel zur Korona-Aufheizung?

Die Entdeckung der KHI auf der Sonne könnte weitreichende Folgen für das Verständnis solarer Prozesse haben. Ein zentrales Rätsel der Astrophysik ist die sogenannte Korona-Aufheizung: Die äußere Sonnenatmosphäre ist Millionen Grad heiß, obwohl sie deutlich weiter vom Kernfusionszentrum entfernt liegt als die kühlere Photosphäre.

Die nun nachgewiesenen Wirbel könnten hier eine entscheidende Rolle spielen. Sie gelten als möglicher Auslöser für das „Flux Braiding“, also das Verdrillen von Magnetfeldlinien. Durch diesen Prozess wird Energie freigesetzt, die wiederum die Grundlage für solare Flares, Jets und koronale Massenauswürfe bildet. Da diese Wirbel permanent an Stellen mit ausreichend starken Magnetfeldern auftreten, könnten sie als kontinuierlicher Motor für die Verdrillung der Feldlinien fungieren. Zudem könnte die KHI die notwendige Durchmischung von magnetisiertem und nicht-magnetisiertem Plasma ermöglichen und damit die schnelle Diffusion des solaren Magnetfelds erklären.

Nächste Schritte in der Forschung

An der Studie, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Nature“ publiziert wurden, waren das National Solar Observatory (NSO), das NSF NCAR High Altitude Observatory (HAO) sowie das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) beteiligt. Die gewonnenen Daten bieten eine neue Grundlage, um die komplexen dynamischen Prozesse auf der Sonne besser zu verstehen. Zukünftige Untersuchungen werden sich vermutlich darauf konzentrieren, wie genau diese Instabilitäten die Energieübertragung in die äußeren Schichten der Sonnenatmosphäre steuern und inwieweit sie die Vorhersagekraft von Modellen für solare Aktivitäten verbessern können.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/vintage-technologie-computer-tastatur-16172593/ · Foto: Sidde
Quelle: https://www.heise.de/news/Kelvin-Helmholtz-Instabilitaet-Forscher-weisen-Effekt-erstmals-auf-Sonne-nach-11401751.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag