News aus aller Welt
Start
Linke klar vor CDU - schwierige Regierungsbildung erwartet
Schlagzeilen · 20.09.2026 23:46

Linke klar vor CDU - schwierige Regierungsbildung erwartet

Kurz: Die Linke triumphiert bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl, während die SPD ein historisches Debakel erlebt. Die Regierungsbildung verspricht kompliziert zu we

Ein historischer Wahlsieg für Die Linke in Berlin

Bei der jüngsten Abgeordnetenhauswahl in Berlin hat sich eine signifikante politische Verschiebung vollzogen. Die Linke, angeführt von ihrer Spitzenkandidatin Elif Eralp, konnte einen historischen Erfolg verbuchen und sicherte sich mit 25,7 Prozent der Stimmen den ersten Platz. Damit lässt die Partei die CDU, die unter der Führung von Stefan Evers auf 18,8 Prozent kommt, deutlich hinter sich. Die AfD etabliert sich mit einem Ergebnis von 16,2 Prozent als drittstärkste Kraft im Parlament und lässt damit sowohl die Grünen (14,3 Prozent) als auch die SPD (12,1 Prozent) hinter sich. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) scheiterte mit 4,7 Prozent am Einzug in das Abgeordnetenhaus. Die Wahlbeteiligung stieg im Vergleich zur Wiederholungswahl im Jahr 2023, die bei 62,9 Prozent lag, auf beachtliche 73 Prozent an. Erstmals in der Geschichte der Stadt geht Die Linke als stärkste politische Kraft aus einer Wahl hervor, nachdem sie mit einem Programm angetreten war, das durch weitreichende und teilweise als radikal eingestufte Versprechen geprägt war. Der Wahlabend markiert damit einen deutlichen Kontrast zur Wahl von 2023, bei der die CDU noch als strahlender Sieger hervorgegangen war.

Die detaillierte Sitzverteilung im neuen Abgeordnetenhaus

Die rechnerische Zusammensetzung des neuen Berliner Abgeordnetenhauses gestaltet sich nach der aktuellen Hochrechnung wie folgt: Insgesamt ziehen 162 Abgeordnete in das Landesparlament ein, womit eine absolute Mehrheit von 82 Sitzen erforderlich ist, um eine Regierung zu bilden. Die Linke erhält 48 Sitze, die CDU kommt auf 35 Sitze, die AfD erreicht 30 Sitze, die Grünen erzielen 27 Sitze und die SPD stellt 22 Abgeordnete. Das bisherige schwarz-rote Bündnis, das nach der Wahl 2023 gebildet wurde, ist somit rechnerisch abgewählt, da CDU und SPD gemeinsam lediglich 57 Sitze auf sich vereinen können. Die politische Landschaft ist durch diese Zersplitterung geprägt, was den Spielraum für stabile Koalitionen erheblich einschränkt. Da die AfD von allen anderen Parteien als Koalitionspartner ausgeschlossen wurde und die CDU eine Zusammenarbeit mit der Linken kategorisch ablehnt, verbleiben nur wenige Optionen für eine tragfähige Regierungsbildung. Die mathematisch möglichen Konstellationen beschränken sich auf zwei Dreierbündnisse: Ein Bündnis aus Linken, Grünen und SPD, das über 97 Sitze verfügen würde, oder eine Koalition aus CDU, Grünen und SPD, die auf 84 Sitze käme.

Der Weg zur Wahl und die politische Vorgeschichte

Die Ausgangslage für diese Wahl war durch eine Reihe von Ereignissen geprägt, die das politische Klima in der Hauptstadt maßgeblich beeinflussten. Die CDU hatte im Juli 2026 einen Wechsel an der Spitze vollzogen, nachdem der Regierende Bürgermeister Kai Wegner aufgrund einer fehlerhaften Kommunikation nach einem Anschlag auf das Berliner Stromnetz im Januar in die Kritik geraten war und schließlich seine Spitzenkandidatur zurückzog. Stefan Evers übernahm daraufhin die Führung des Wahlkampfes. Auf der anderen Seite stand die SPD vor einer massiven Herausforderung, da sie nach Jahrzehnten der Dominanz, in denen sie Persönlichkeiten wie Willy Brandt oder Klaus Wowereit stellte, erneut ein historisch schlechtes Ergebnis hinnehmen musste. Der Spitzenkandidat der Sozialdemokraten, Steffen Krach, sah sich zudem mit Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hannover wegen des Anfangsverdachts der Vorteilsannahme in zwei Fällen konfrontiert, was die ohnehin schwierige Lage der Partei zusätzlich belastete. Die SPD-Führung räumte ein, dass das Ergebnis katastrophal sei und man keinen Rückenwind für den Wahlkampf habe verspüren können.

Die Akteure und ihre Reaktionen auf das Wahlergebnis

Die Reaktionen auf den Wahlausgang fielen höchst unterschiedlich aus. Bei der Linken herrschte ausgelassene Stimmung; Elif Eralp betonte, dass man Berlin gemeinsam verändern und zu einem besseren Ort machen wolle. Sie sprach davon, dass in der Stadt die Liebe und Gerechtigkeit über den Hass gesiegt hätten. Demgegenüber äußerte sich der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, kritisch und warf der Linken vor, im Wahlkampf durch antisemitische Grenzüberschreitungen aufgefallen zu sein, ohne dass dies personelle oder politische Konsequenzen nach sich gezogen habe. CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers sprach von gemischten Gefühlen; er zeigte sich demütig angesichts der deutlichen Verluste im Vergleich zum Vorjahr, lobte jedoch den Einsatz seiner Wahlkämpfer unter schwierigen Bedingungen. Bundeskanzler Friedrich Merz bewertete das Ergebnis für die Berliner CDU als ordentlich, wenngleich er das Gesamtergebnis des Abends, insbesondere mit Blick auf Mecklenburg-Vorpommern, als Desaster bezeichnete. Steffen Krach von der SPD erklärte, man sei abgewählt worden und der Regierungsauftrag liege nun bei anderen Kräften.

Einordnung der politischen Bedeutung

Einzuordnen ist das Wahlergebnis als Ausdruck einer tiefen Verunsicherung in der Berliner Bevölkerung, die sich in den unterschiedlichen Wahlpräferenzen nach Altersgruppen widerspiegelt. Während die jüngere Generation zwischen 16 und 24 Jahren zu 47 Prozent für Die Linke stimmte, zeigt sich bei den über 60-Jährigen ein deutlich anderes Bild, bei dem die Linke hinter CDU, SPD und AfD zurückblieb. Den Berichten zufolge ist die Regierungsbildung nun eine Frage der Überzeugungskraft gegenüber den Grünen und der SPD, da diese beiden Parteien als Zünglein an der Waage für die beiden möglichen Dreierbündnisse fungieren. Die Grünen zeigten sich im Vorfeld offen für ein Linksbündnis, während die SPD sich nach dem Wahlabend zunächst zurückhaltend äußerte. Die Bedeutung für die Bundespolitik ist ebenfalls nicht zu unterschätzen: Trotz der Wahlniederlagen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern betonte Bundeskanzler Friedrich Merz seinen Willen, im Amt zu bleiben und den Reformkurs fortzusetzen. Auch SPD-Chef Lars Klingbeil kündigte an, am Reformkurs festzuhalten, deutete jedoch Anpassungen an, insbesondere bei der Rentenpolitik, um der Verunsicherung in der Bevölkerung entgegenzuwirken.

Offene Fragen zur weiteren Entwicklung

Der Quelltext lässt eine Reihe von Fragen unbeantwortet, die für die politische Zukunft Berlins von entscheidender Bedeutung sind. Zunächst bleibt völlig unklar, wie die konkreten Verhandlungen zwischen den Parteien verlaufen werden, da die inhaltlichen Differenzen zwischen den potenziellen Partnern in den Dreierbündnissen – insbesondere zwischen der Linken und den Grünen oder der SPD – erheblich sein könnten. Ebenso bleibt offen, inwieweit die laufenden Ermittlungen gegen den SPD-Spitzenkandidaten Steffen Krach das Vertrauen der Wähler nachhaltig beschädigt haben und welche Auswirkungen dies auf seine persönliche politische Zukunft innerhalb der SPD haben wird. Auch die Frage, wie die Linke mit der massiven Kritik des Zentralrats der Juden umgehen wird und ob dies die Koalitionsgespräche belasten könnte, bleibt im Raum stehen. Zudem ist nicht geklärt, wie die CDU ihre Rolle als stärkste Kraft der Opposition oder als potenzieller Juniorpartner in einer Koalition mit Grünen und SPD definieren wird, nachdem sie den Anspruch auf den Regierenden Bürgermeister verloren hat.

Wie es weitergeht: Ausblick auf die Regierungsbildung

Die kommenden Tage und Wochen werden von Sondierungsgesprächen geprägt sein, um eine handlungsfähige Mehrheit im Abgeordnetenhaus zu finden. Da die Möglichkeiten auf zwei Dreierkonstellationen begrenzt sind, wird der Fokus darauf liegen, wer die Grünen und die SPD von einer Zusammenarbeit überzeugen kann. Während die Linke den Anspruch auf die Regierungsführung durch ihren Wahlsieg unterstreicht, müssen die potenziellen Partner abwägen, welches Bündnis ihre programmatischen Ziele am ehesten widerspiegelt. Termine für offizielle Koalitionsverhandlungen wurden im Quelltext noch nicht genannt, jedoch ist davon auszugehen, dass nach der Analyse der Wahlergebnisse durch die Parteigremien zeitnah erste informelle Gespräche stattfinden werden. Die SPD-Spitze hat bereits signalisiert, dass es für detaillierte Koalitionsaussagen unmittelbar nach der Wahl noch zu früh sei. Die politische Dynamik in Berlin bleibt somit hochgradig volatil, und die Parteien stehen unter dem Druck, eine stabile Regierung zu bilden, um die drängenden Probleme der Stadt, wie etwa die Mietenpolitik, anzugehen, die laut Analysen der Forschungsgruppe Wahlen ein zentrales Thema für die Berliner Wählerinnen und Wähler darstellte.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/neues-rathaus-hannover-22813505/ · Foto: Daniel Lengies
Quelle: https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/wahl-berlin-wahlergebnisse-cdu-die-linke-evers-eralp-100.html