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Sonnenfinsternis beobachten: Zwei Blatt Papier statt SoFi-Brille
Technik · 11.08.2026 12:41

Sonnenfinsternis beobachten: Zwei Blatt Papier statt SoFi-Brille

Kurz: Eine Sonnenfinsternis steht bevor. Wer keine spezielle Schutzbrille zur Hand hat, kann das Spektakel mit einer einfachen Methode sicher selbst projizieren.

Ein seltenes Himmelsereignis über Europa

Am kommenden Mittwoch bietet sich in weiten Teilen Europas die Gelegenheit, eine partielle Sonnenfinsternis zu verfolgen. Während der Kernschatten des Mondes primär Island, Grönland und den Norden Spaniens abdeckt, ist das Phänomen auch in Deutschland deutlich wahrnehmbar. Da die Sonne in den Abendstunden zwischen 19 und 21 Uhr einen tiefen Stand am Horizont einnimmt, wird die Verdeckung des Sonnenlichts durch den Mond für Beobachter in Deutschland gut sichtbar sein. Je nach Standort variiert der Grad der Abdeckung: In Städten wie München oder Frankfurt wird die Sonne zu fast 90 Prozent verdeckt, in Berlin liegt der Wert bei etwa 85 Prozent.

Sicherheit geht vor: Gefahren für das Augenlicht

Das Bundesamt für Strahlenschutz warnt eindringlich vor den Risiken einer ungeschützten Beobachtung. Der direkte Blick in die Sonne kann innerhalb kürzester Zeit zu schwerwiegenden Augenverletzungen führen, die bis zu bleibenden Schäden am Sehvermögen reichen können. Von improvisierten Hilfsmitteln wie herkömmlichen Sonnenbrillen oder Schweißergläsern ist dringend abzuraten, da diese den notwendigen Schutz nicht bieten.

Wer sich für den Kauf einer speziellen Sonnenfinsternisbrille (SoFi-Brille) entscheidet, sollte auf zertifizierte Qualität achten. Eine geeignete Brille muss zwingend das CE-Zeichen tragen und der Norm DIN EN ISO 12312-2:2015 entsprechen. Diese Informationen sind in der Regel direkt auf dem Produkt oder der Verpackung vermerkt. Zudem sollten alte Bestände – etwa aus dem Jahr 1999 – nicht mehr verwendet werden, da die Filterwirkung über die Jahrzehnte nachlassen kann und somit keine Sicherheit mehr garantiert ist.

Bezugsquellen für zertifizierte Schutzbrillen

Sollte noch keine Ausrüstung vorhanden sein, bieten Optiker, Fachgeschäfte für Astronomie- oder Fotobedarf sowie teilweise Buchhandlungen und Drogerien entsprechende Brillen an. Die Kosten für ein solches Exemplar belaufen sich üblicherweise auf etwa einen Euro. Auch der Versandhandel kann kurzfristig noch eine Option darstellen. Wichtig ist jedoch: Sollte kein zertifiziertes Produkt mehr rechtzeitig erhältlich sein, sollte auf den Versuch verzichtet werden, selbstgebaute Filter zu konstruieren.

Die sichere Alternative: Projektion statt direkter Blick

Für eine absolut gefahrlose Beobachtung des Naturphänomens ist keine spezielle Brille erforderlich. Mit einer simplen Methode, die auf dem Prinzip der Lochkamera basiert, lässt sich die Sonnenfinsternis indirekt verfolgen. Hierfür werden lediglich zwei Blatt Papier und eine Stecknadel benötigt:

* **Vorbereitung:** In das erste Blatt Papier wird mit einer dicken Stecknadel ein kleines Loch gestochen.

* **Positionierung:** Das Blatt mit dem Loch wird so platziert, dass das Sonnenlicht hindurchfällt – bei tiefem Sonnenstand kann es beispielsweise an ein nach Westen ausgerichtetes Fenster geklebt werden.

* **Projektion:** Das zweite Blatt dient als Auffangfläche. Wenn das Licht durch das Nadelöhr auf das zweite Blatt trifft, wird die Sonnenscheibe projiziert.

Durch die Variation des Abstands zwischen den beiden Blättern oder die Anpassung der Lochgröße lässt sich die Größe der projizierten Sonnenscheibe individuell anpassen. Diese Methode ermöglicht es, den Verlauf der Finsternis über den Abend hinweg zu beobachten, ohne dass das Auge jemals direkt der gefährlichen Sonnenstrahlung ausgesetzt ist. Auch eine Camera obscura folgt diesem physikalischen Prinzip, erfordert jedoch ebenfalls den Hinweis, dass keinesfalls durch die Öffnung direkt in die Sonne geblickt werden darf.

Hintergrund und Ausblick

Die Beobachtung solcher astronomischer Ereignisse erfordert stets eine sorgfältige Vorbereitung. Da die Sonne auch in der Phase der partiellen Verdeckung eine enorme Strahlungsintensität aufweist, bleibt der Schutz der Augen das oberste Gebot. Wer die Projektionsmethode bereits vorab testet, kann sich mit der Handhabung vertraut machen und den Prozess der zunehmenden Verdeckung am Abend entspannt und sicher verfolgen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/38848312/ · Foto: James Lee
Quelle: https://www.golem.de/news/sonnenfinsternis-so-gelingt-die-sichere-beobachtung-auch-ohne-sofi-brille-2608-211805.html