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Sammler Joop van Caldenborgh: Wer seinen Augen traut, wird von der Kunst bewegt
Kultur · 27.08.2026 11:07

Sammler Joop van Caldenborgh: Wer seinen Augen traut, wird von der Kunst bewegt

Kurz: Das Museum Voorlinden feiert sein zehnjähriges Bestehen. Gründer Joop van Caldenborgh gewährt Einblicke in seine Leidenschaft und die Kunst des Sammelns.

Ein Jahrzehnt voller Kunst und Leidenschaft

Das Museum Voorlinden in Wassenaar bei Den Haag feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Was im Jahr 2016 als ambitioniertes Projekt des Unternehmers Joop van Caldenborgh begann, hat sich zu einer festen Größe in der niederländischen Museumslandschaft entwickelt. Das Museum beherbergt die umfangreiche Caldic Collection, die als eine der bedeutendsten privaten Sammlungen für moderne und zeitgenössische Kunst in den Niederlanden gilt. Der Gründer, ein erfolgreicher Hafenmagnat und Selfmademan, blickt auf eine sieben Jahrzehnte währende Sammelleidenschaft zurück. Anlässlich des Jubiläums gewährt van Caldenborgh Einblicke in seine Arbeitsweise, die von einer tiefen Intuition geprägt ist. Er betont stets die Bedeutung des persönlichen Blicks auf ein Werk. Für ihn ist das Sammeln weit mehr als eine bloße Anhäufung von Objekten; es ist eine lebenslange Auseinandersetzung mit der Ästhetik und der eigenen Wahrnehmung. Die Jubiläumsausstellung „Celebrating the Icons of Art“, die am 12. September eröffnet wird, markiert einen weiteren Höhepunkt in der Geschichte dieses besonderen Ortes, der Kunst in einer einzigartigen Umgebung zwischen Architektur und Natur präsentiert.

Einblicke in den Auswahlprozess und die Macht des ersten Eindrucks

Die Arbeitsweise von Joop van Caldenborgh ist legendär und oft von einer unmittelbaren Entscheidungsgewalt geprägt. Ein anschauliches Beispiel hierfür ist die monumentale Zeichnung „A29“ des südkoreanischen Künstlers Lee Bae, die 2024 entstand. Als die Museumsdirektorin Suzanne Swarts das Werk zunächst nur auf einem Foto sah, war ihre Reaktion verhalten. Auch nach der Ankunft des Werkes in einer Transportkiste blieb ihre Skepsis bestehen. Erst als die großformatige Arbeit mit ihrer tiefschwarzen Holzkohletinte an der Wand hing und vom richtigen Licht getroffen wurde, entfaltete sich die volle Wirkung. Die Kohlepartikel begannen zu leben, und der Pinselstrich gewann eine beinahe dreidimensionale Tiefe. Dieses Erlebnis unterstreicht das Vertrauen, das Swarts in das Auge des Sammlers setzt. Van Caldenborgh verlässt sich bei seinen Ankäufen selten auf externe Berater. Er folgt seinem Credo „Listen to your eyes“, das auch in einem Werk des Lichtkünstlers Maurizio Nannucci innerhalb der Sammlung verewigt ist. Diese persönliche Verbindung zum Kunstwerk steht für ihn stets an erster Stelle.

Die Geschichte einer lebenslangen Sammelleidenschaft

Die Wurzeln der Sammlung reichen weit zurück, bis in die Jugend des heute 85-jährigen Unternehmers. Bereits im Alter von 16 Jahren erwarb van Caldenborgh sein erstes Kunstwerk: einen Siebdruck des niederländischen Computerkünstlers Peter Struycken. Das notwendige Kapital hatte er sich mühsam als Zeitungsjunge zusammengespart. Diese frühe Erfahrung legte den Grundstein für eine Leidenschaft, die er selbst als eine Art Virus beschreibt, den man nicht mehr loswird. Während er beruflich zunächst Wirtschaftswissenschaften und Chemie studierte und als Luftwaffenpilot tätig war, baute er parallel dazu seinen Chemiekonzern Caldic im Rotterdamer Hafen auf. Die Kunst blieb dabei stets ein fester Bestandteil seines Lebens. Mit der Zeit wuchs die Kollektion so stark an, dass sie täglich um durchschnittlich ein Werk erweitert wurde. Diese enorme Dynamik führte schließlich zur Notwendigkeit, einen dauerhaften Ort für die Präsentation zu schaffen, was 2011 in den konkreten Planungen für das Museum Voorlinden mündete.

Die Struktur und Finanzierung des Museums

Das Museum Voorlinden ist kein klassisches staatliches Institut, sondern ein privates Unterfangen, das auf einer soliden finanziellen Basis steht. Um den langfristigen Bestand der Sammlung und den Museumsbetrieb zu sichern, wurden zwei Stiftungen gegründet. Eine Stiftung hält die umfangreiche Kunstsammlung, während eine zweite ein Endowment-Fonds verwaltet, dessen Grundkapital unangetastet bleibt. Die operativen Kosten und die laufenden Ankäufe werden ausschließlich aus den Erträgen dieses Fonds finanziert. Diese Struktur ermöglicht eine gewisse Unabhängigkeit und Kontinuität, die für den Betrieb eines Privatmuseums von entscheidender Bedeutung ist. Die Direktorin Suzanne Swarts spielt in diesem Gefüge eine zentrale Rolle. Sie verfügt über ein eigenes Budget und hat die Befugnis, selbstständig Ankäufe zu tätigen. Dennoch ist die Zusammenarbeit mit van Caldenborgh eng und vertrauensvoll. Gemeinsam besuchen sie regelmäßig Kunstmessen und Galerien, um den Puls der aktuellen Kunstszene zu fühlen und die Sammlung gezielt zu erweitern.

Die Philosophie des Sammelns und der Umgang mit dem Markt

Für Joop van Caldenborgh ist Kunst niemals eine reine Investition. Er warnt ausdrücklich davor, Kunstwerke unter dem Aspekt der Wertsteigerung zu erwerben, da der Markt für Kunst unberechenbar sei. Die zentrale Frage bei jedem Ankauf lautet für ihn: „Gefällt mir das? Finde ich, dass es gute Kunst ist?“ Ob ein Künstler zum Zeitpunkt des Kaufs bereits berühmt ist oder erst später Bekanntheit erlangt, ist für den Sammler zweitrangig. Diese Haltung spiegelt sich in der Vielfalt der Sammlung wider, die Namen wie Anselm Kiefer, Maurizio Cattelan, Tracey Emin und Ai Weiwei umfasst. Dennoch gibt er zu, dass sich die Rahmenbedingungen für Sammler über die Jahrzehnte verändert haben. Insbesondere die finanziellen Dimensionen auf dem heutigen Kunstmarkt erfordern einen bewussteren Umgang mit den eigenen Mitteln. Trotz dieser ökonomischen Realitäten bleibt sein Rat an angehende Sammler unverändert: Man solle keine Kompromisse eingehen, nicht auf Trends achten und vor allem auf die eigene Intuition vertrauen.

Die Einordnung der Sammlung in den zeitgenössischen Kontext

Einzuordnen ist die Sammlung Voorlinden als ein Spiegelbild der persönlichen Entwicklung und des Geschmacks ihres Gründers. Die Kollektion umfasst rund 10.000 Werke und deckt ein breites Spektrum der modernen und zeitgenössischen Kunst ab. Besonders bemerkenswert ist die Präsentation der Werke, die oft in einen Dialog mit der Architektur des Museums und der umgebenden Natur treten. Das Museum selbst, ein Bau aus Stahl, Naturstein und Glas, fügt sich harmonisch in die Dünenlandschaft von Wassenaar ein. Die Skulptur „Open ended“ von Richard Serra, ein 18 Meter langes Labyrinth aus rostigen Stahlplatten, ist hierfür ein prägnantes Beispiel. Van Caldenborgh betont, dass man solche Werke erfahren und erleben müsse, statt sie nur zu betrachten. Diese physische Komponente des Kunstgenusses ist ein wesentliches Merkmal des Museums, das weit über die reine visuelle Wahrnehmung hinausgeht. Die Sammlung fungiert somit als ein lebendiger Organismus, der sich ständig weiterentwickelt.

Offene Fragen und die Grenzen der Dokumentation

Obwohl der Quelltext einen tiefen Einblick in die Geschichte und Philosophie des Museums Voorlinden bietet, bleiben einige Aspekte unbeantwortet. So werden keine konkreten Details zur langfristigen Nachfolgeregelung des Museums genannt, nachdem der Gründer nun das 85. Lebensjahr erreicht hat. Auch die genaue Zusammensetzung des Endowment-Fonds oder die spezifische Höhe der jährlichen Ankaufsetats bleiben im Dunkeln, was angesichts der privaten Natur der Institution jedoch zu erwarten ist. Ebenso wenig wird detailliert erläutert, wie das Museum auf die Herausforderungen des Klimawandels oder die Erhaltung der in den Dünen gelegenen Bausubstanz reagiert. Der Text konzentriert sich primär auf die künstlerische Vision und die persönliche Geschichte des Gründers. Die operativen Details, die den Alltag eines Museums dieser Größe prägen, werden nur am Rande gestreift. Es bleibt offen, welche weiteren Schwerpunkte die Sammlung in den kommenden Jahren setzen wird, jenseits der bewährten Vorlieben für Minimalismus und zeitgenössische Positionen.

Ausblick auf die kommenden Aktivitäten

Die unmittelbare Zukunft des Museums steht ganz im Zeichen des Jubiläums. Mit der Eröffnung der Schau „Celebrating the Icons of Art“ am 12. September wird das zehnjährige Bestehen gebührend gewürdigt. Diese Ausstellung verspricht, einen Querschnitt der bedeutendsten Werke der Sammlung zu zeigen und die Entwicklung des Hauses seit seiner Gründung im Jahr 2016 zu reflektieren. Van Caldenborgh selbst zeigt keine Anzeichen, seine Sammeltätigkeit einzuschränken. Die Dynamik, mit der er neue Werke erwirbt, bleibt ungebrochen. Für die Besucher des Museums bedeutet dies, dass Voorlinden auch in den kommenden Jahren ein Ort der ständigen Veränderung und Entdeckung bleiben wird. Die Kombination aus der festen Verankerung in der niederländischen Kulturlandschaft und der persönlichen, fast schon leidenschaftlichen Führung durch den Gründer und die Direktorin Swarts sichert dem Museum eine lebendige Zukunft. Die Einladung an das Publikum, Kunst nicht nur zu sehen, sondern zu erleben, bleibt das zentrale Versprechen für die nächsten Jahre.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/kirche-st-salvatoris-30796119/ · Foto: Wolfgang Weiser
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunstmarkt/joop-van-caldenborgh-sein-privatmuseum-voorlinden-wird-10-jahre-alt-accg-201142993.html