Ein Sommeranfang mit neuem Sound
Lange wurde spekuliert, wann der musikalische Sommer in diesem Jahr offiziell eingeläutet wird. Mit der Veröffentlichung von Pashanims neuem Album „Lounge Musik“ am 24. Juli scheint die Antwort für viele Fans festzustehen. Der Berliner Rapper, der als Mitbegründer der Berliner New Wave gilt, hat mit seinen früheren Erfolgen wie „Shababs botten“ (2019) und „Airwaves“ (2020) den Klang des Deutschraps maßgeblich geprägt. Nach dem Debütalbum „2000“ vor zwei Jahren stellt sich nun die Frage, ob der Künstler weiterhin als Avantgardist fungiert oder sich in nostalgischen Gefilden verliert.
Rückgriff auf die Ästhetik der Zehnerjahre
Die Inspiration für das aktuelle Werk scheint Pashanim in der visuellen und akustischen Gestaltung des Hip-Hops der Zehnerjahre gefunden zu haben. Dies zeigt sich bereits in der Vorabsingle „Goldrichtig“, deren Video mit einer Ästhetik arbeitet, die an R&B-Produktionen vergangener Tage erinnert. Auch musikalische Anleihen sind unverkennbar: Der Song „Gucci Tom Ford“ nutzt ein Sample von „Show Me Love“, ein Vorgehen, das bereits um 2010 populär war.
Dieser Trend reiht sich in eine breitere kulturelle Entwicklung ein, die derzeit die Rückkehr von Digicams, iPods und Skinny Jeans feiert. Pashanim beweist erneut ein Gespür für den Zeitgeist, wobei die Frage offen bleibt, ob der bewusste Rückgriff auf das Jahrzehnt eine ironische Distanz ausdrückt oder eine inhaltliche Neuausrichtung markiert.
Zwischen Collage und Gleichförmigkeit
Bekannt ist der Rapper für seine Arbeitsweise, die stark an eine Collage erinnert. Seine Songs zeichnen sich durch extreme Kürze und eine Schnipsellogik aus, die sowohl in den Videos als auch in den Texten präsent ist. Auch auf „Lounge Musik“ finden sich diese Elemente wieder, etwa wenn er den Namen des Rappers Rondonumbanine mit Ursula von der Leyen reimt.
Dennoch stößt das Konzept bei diesem Album an seine Grenzen. Während die Dichte der Texte früher eine Stärke war, wirkt die Aneinanderreihung der Songs nun oft überfordernd. Kritiker merken an, dass viele Stücke eine sehr ähnliche Struktur aufweisen – bestehend aus Loop, Beat und einer dominanten Stimme –, was die Unterscheidbarkeit der einzelnen Tracks erschwert. Die für Pashanim typische Beiläufigkeit und Melancholie, die das Vorgängeralbum „2000“ so abwechslungsreich machten, scheinen hier in den Hintergrund gerückt zu sein.
Musikalische Highlights und Ausblick
Trotz der Kritik gibt es Momente, in denen das Album überzeugt. Zu den Anspieltipps zählen:
* **Maradona:** Ein Beat, der durch geschickte Sample-Arbeit besticht.
* **Gucci Tom Ford:** Hier überzeugt der Einsatz der Stimme auf den Drums.
* **Lounge City:** Das Herzstück des Albums, das durch einen für Pashanim untypischen Einsatz von Autotune überrascht.
* **Augenblick & Promi Party:** Diese Songs haben das Potenzial zu echten Ohrwürmern.
Die Zusammenarbeit mit Produzent Stickle führt das Duo stilistisch näher an den Sound von Bushido heran, während der für Pashanim einst charakteristische Mix aus Rap und Dancebeats weitgehend fehlt. Der Infotext des Labels betont die hohe Relevanz des Künstlers, die sich durch die ständige Medienpräsenz bestätige. Ob Pashanim seinen Status als Ausnahmetalent langfristig halten kann, wird davon abhängen, wie er seine künstlerische Entwicklung gestaltet. Hätte er sich mehr Zeit für die Produktion genommen, wäre der avantgardistische Anspruch möglicherweise deutlicher gewahrt geblieben.