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Niedriger Donaupegel: Rumänien schaltet einziges AKW komplett ab
Schlagzeilen · 13.08.2026 15:36

Niedriger Donaupegel: Rumänien schaltet einziges AKW komplett ab

Kurz: Wegen des extrem niedrigen Pegelstands der Donau hat Rumänien sein einziges Atomkraftwerk Cernavoda komplett vom Netz genommen. Ein Fünftel der Stromproduktion

Ein kritischer Engpass in der Energieversorgung

Die anhaltende Trockenheit und der daraus resultierende, historisch niedrige Pegelstand der Donau haben Rumänien in eine ernste energiewirtschaftliche Lage gebracht. Am 13. August 2026 musste das Land sein einziges Atomkraftwerk, den Standort Cernavoda, vollständig vom Stromnetz trennen. Dieser Schritt war unumgänglich, da die für den Betrieb der Kühlpumpen erforderliche Wassermenge im Fluss nicht mehr in ausreichendem Maße zur Verfügung stand. Die Abschaltung des zweiten Reaktorblocks am Vormittag markiert den vorläufigen Höhepunkt einer Entwicklung, die bereits Ende Juli mit der Stilllegung des ersten Blocks begann. Mit der vollständigen Außerbetriebnahme des Kraftwerks verliert das nationale Stromnetz schlagartig rund 20 Prozent seiner gesamten Produktionskapazität. Die rumänische Regierung steht nun vor der Herausforderung, diesen massiven Ausfall kurzfristig zu kompensieren, um die Versorgungssicherheit für Industrie und Bevölkerung aufrechtzuerhalten. Während in den betroffenen Regionen bereits erste Sparmaßnahmen greifen, laufen auf politischer Ebene intensive Bemühungen, den Ausfall durch Energieimporte aus den Nachbarstaaten sowie die Reaktivierung von Reservekapazitäten auszugleichen.

Die technischen Details und Maßnahmen vor Ort

Der Prozess der Abschaltung war das Ergebnis einer verzweifelten Suche nach technischen Lösungen, um den Betrieb des zweiten Reaktorblocks so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Wie Cristian Bușoi, Staatssekretär im rumänischen Energieministerium, erläuterte, reichte die Durchflussmenge der Donau schlichtweg nicht mehr aus, um die notwendige Kühlung der Reaktoren zu gewährleisten. Vor der finalen Stilllegung hatten die Behörden noch versucht, den Wasserstand künstlich zu beeinflussen. So ließ das Militär einen Felsen im Flussbett sprengen, und an anderen Stellen wurden mit Steinen beladene Lastkähne im Fluss versenkt, um den Wasserstrom gezielt in Richtung der Kühlwasserentnahmestellen des Kraftwerks zu leiten. Diese Maßnahmen konnten den Betrieb des zweiten Blocks zwar um einige Tage verlängern, doch der sinkende Pegel zwang die Verantwortlichen schließlich zur schrittweisen Abschaltung. Der betroffene Block 2 produzierte im Durchschnitt zwischen 680 und 700 Megawatt. Diese Leistung muss nun durch eine Kombination aus Importen und kurzfristig aktivierten Reserven ersetzt werden, wobei insbesondere die Windenergie in den aktuellen Tagen eine unterstützende Rolle spielt.

Hintergrund der Energiekrise und lokale Auswirkungen

Die aktuelle Situation ist kein isoliertes Ereignis, sondern das Resultat einer seit Wochen zunehmenden Knappheit. Bereits Ende Juli war der erste Reaktorblock in Cernavoda vom Netz gegangen. Die angespannte Lage betrifft nicht nur die großen Kraftwerke, sondern schlägt sich auch in der kommunalen Verwaltung nieder. Im Dorf Scoarța, das etwa vier Autostunden von Bukarest entfernt liegt, hat Bürgermeister Ion Grigore Stamatoiu bereits drastische Sparmaßnahmen eingeleitet. Seit Anfang August bleibt dort die Straßenbeleuchtung zwischen Mitternacht und vier Uhr morgens ausgeschaltet. Diese Entscheidung stieß bei der Bevölkerung auf breite Akzeptanz, da die Bürger die Notwendigkeit des Energiesparens erkannt haben. Die Region, die historisch stark vom Kohlebergbau geprägt war, befindet sich ohnehin in einem Strukturwandel. Während in Scoarța ein neuer Solarpark kurz vor der Inbetriebnahme steht, um die lokale Energieautarkie zu fördern, verdeutlicht die aktuelle Krise die Verwundbarkeit durch die Abhängigkeit von fossilen und nuklearen Großkraftwerken, deren Betrieb massiv von klimatischen Bedingungen wie dem Wasserstand der Donau abhängt.

Die Akteure und ihre Verantwortungsbereiche

In der aktuellen Krise agieren verschiedene Akteure auf unterschiedlichen Ebenen. Staatssekretär Cristian Bușoi vom Energieministerium koordiniert die landesweiten Maßnahmen und kommuniziert die Strategie zur Deckung des Strombedarfs. Auf lokaler Ebene ist Bürgermeister Ion Grigore Stamatoiu aus Scoarța ein zentraler Akteur, der durch Sparmaßnahmen und den Ausbau erneuerbarer Energien wie Solarparks versucht, die Gemeinde resilienter aufzustellen. Marius Bîzgă, der Direktor des Kohlekraftwerks Rovinari, spielt ebenfalls eine Schlüsselrolle bei der Bewältigung der Krise. Sein Kraftwerk, das bereits zwei Blöcke in Betrieb hat, bereitet sich darauf vor, einen dritten Block wieder ans Netz zu bringen, um die durch den Ausfall in Cernavoda entstandene Lücke zu schließen. Die Mitarbeiter vor Ort sind laut Bîzgă in einem guten Zustand und technisch bereit für den Hochlauf. Auf internationaler Ebene steht Rumänien in engem Austausch mit der Europäischen Kommission, insbesondere um die Genehmigung für die Verschiebung der Stilllegung weiterer Kohlekraftwerke zu erwirken, da die aktuelle Energiekrise den ursprünglichen Zeitplan in Frage stellt.

Einordnung der Situation und Bewertung der Lage

Einzuordnen ist die aktuelle Lage als eine Zuspitzung der klimatischen Herausforderungen für die europäische Energieinfrastruktur. Dass ein modernes Industrieland wie Rumänien gezwungen ist, sein gesamtes nukleares Potenzial aufgrund von Niedrigwasser in einem Hauptstrom wie der Donau zu deaktivieren, unterstreicht die Dringlichkeit eines neuen Wassermanagements. Den Berichten zufolge ist die Abhängigkeit von der Donau als Kühlwasserquelle ein strukturelles Risiko, das durch die zunehmenden Dürreperioden an Relevanz gewinnt. Die Strategie, den Ausfall durch Importe aus Ungarn und Bulgarien zu kompensieren, zeigt die Bedeutung eines vernetzten europäischen Strommarktes. Während in Ungarn das AKW Paks nach einer kurzen Unterbrechung wieder zwei Turbinen am Netz hat und das bulgarische Werk Kosloduj stabil läuft, ist die Lage in Rumänien deutlich prekärer. Die Entscheidung, die Stilllegung von Kohlekraftwerken zu verzögern, ist als kurzfristige Notlösung zu werten, die jedoch in einem Spannungsfeld zu den langfristigen Klimazielen steht. Die Akzeptanz der Bevölkerung für nächtliche Stromabschaltungen deutet darauf hin, dass die Bürger die Ernsthaftigkeit der Lage verstanden haben.

Offene Fragen und verbleibende Unsicherheiten

Trotz der detaillierten Informationen durch das Energieministerium bleiben einige zentrale Fragen unbeantwortet. Es ist unklar, wie lange die Donaupegel auf einem kritisch niedrigen Niveau verharren werden und ob die derzeitigen Importkapazitäten ausreichen, um die Versorgungssicherheit über einen längeren Zeitraum zu garantieren, sollte die Trockenheit anhalten. Zudem bleibt offen, wie die Europäische Kommission auf das Gesuch Rumäniens reagieren wird, die Stilllegung der Kohlekraftwerke offiziell zu verschieben. Auch die genauen Auswirkungen auf die Strompreise für die Endverbraucher in Rumänien wurden im Quelltext nicht explizit thematisiert. Es bleibt zudem unklar, welche langfristigen technischen Anpassungen am AKW Cernavoda vorgenommen werden könnten, um den Betrieb bei zukünftigen Niedrigwasserereignissen weniger anfällig zu machen. Ebenso ist nicht bekannt, ob die geplanten Solarparks in Gemeinden wie Scoarța schnell genug in Betrieb genommen werden können, um einen nennenswerten Beitrag zur Entlastung des nationalen Netzes zu leisten, da hier noch die Inbetriebnahme der Speicher und der Netzanschluss ausstehen.

Ausblick auf die kommenden Schritte

Die nächsten Tage werden entscheidend für die Stabilität des rumänischen Stromnetzes sein. Der Fokus liegt nun auf der Reaktivierung des dritten Blocks des Kohlekraftwerks Rovinari, der bereits für den kommenden Montag als einsatzbereit gilt. Parallel dazu wird die Regierung die Importe aus den Nachbarländern Ungarn und Bulgarien intensivieren, um die Versorgungslücke von rund 700 Megawatt zu schließen. Die rumänische Regierung wartet zudem auf eine Rückmeldung der Europäischen Kommission bezüglich der Verschiebung der Kohlekraftwerksstilllegungen, was eine strategische Neuausrichtung der Energiepolitik bedeuten könnte. In den Gemeinden wird derweil der Ausbau lokaler, erneuerbarer Energieträger wie in Scoarța vorangetrieben, wobei die Inbetriebnahme der dortigen Solaranlagen und der zugehörigen Speichertechnologien als nächster wichtiger Meilenstein gilt. Die Entwicklung der Pegelstände der Donau wird von den Behörden weiterhin engmaschig überwacht, um zu entscheiden, wann eine Wiederinbetriebnahme der Reaktorblöcke in Cernavoda technisch verantwortbar und sicher möglich ist. Ein konkreter Termin für das Wiederanfahren des Atomkraftwerks wurde bisher nicht genannt, da dies vollständig von der hydrologischen Situation abhängt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/landschaft-natur-urlaub-entspannung-28071619/ · Foto: Wolfgang Weiser
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/europa/rumaenien-akw-102.html