Der Weg zur Everything-App
Die Plattform X hat den offiziellen Start ihres Finanzdienstes X Money in den Vereinigten Staaten vollzogen. Das Angebot markiert einen bedeutenden Meilenstein in der Strategie von Eigentümer Elon Musk, die soziale Plattform in eine sogenannte „Everything App“ zu transformieren. Ziel ist es, sämtliche Finanztransaktionen der Nutzer direkt über das eigene System abzuwickeln, wie Musk bereits 2023 gegenüber seiner Belegschaft betonte.
Nach einer längeren Testphase, die nur auf Einladung zugänglich war, ist der Dienst nun für zahlende Abonnenten der Stufen X Premium und X Premium Plus in den USA verfügbar. Während Musk ursprünglich einen öffentlichen Zugang bereits für April in Aussicht gestellt hatte, erfolgte die Freischaltung nun Ende Juli 2026. Informationen zu einem möglichen Start in Deutschland oder anderen EU-Ländern liegen derzeit nicht vor; ein internationaler Zeitplan wurde vonseiten des Unternehmens bisher nicht kommuniziert.
Funktionsumfang: Wallet und Debitkarte
Das Kernstück von X Money ist eine digitale Geldbörse, die unter anderem Person-zu-Person-Zahlungen ermöglicht. Die Funktionalität ist dabei mit etablierten Diensten wie Venmo vergleichbar. Überweisungen zwischen Nutzern innerhalb der Plattform bleiben dabei gebührenfrei.
Zusätzlich zum rein digitalen Angebot erhalten Nutzer eine virtuelle Visa-Debitkarte, die sich in Apple Wallet integrieren lässt. Wer eine physische Karte bevorzugt, kann eine Ausführung aus Metall bestellen, die auf Wunsch mit dem persönlichen X-Benutzernamen individualisiert werden kann.
Attraktive Verzinsung als Lockmittel
Ein zentraler Anreiz für die Nutzung von X Money ist die Verzinsung des Guthabens. Das Unternehmen stellt einen Jahreszins von bis zu sechs Prozent in Aussicht. Die Konditionen für diesen Zinssatz variieren jedoch je nach Abonnement-Stufe:
* **X Premium Plus:** Abonnenten dieser Stufe erhalten den Höchstzins von sechs Prozent unmittelbar.
* **X Premium:** Nutzer der regulären Stufe müssen für den Zugriff auf den erhöhten Zinssatz eine Gehalts-Direkteinzahlung (Direct Deposit) auf ihr X-Konto vornehmen.
Politische Kritik und Sicherheitsbedenken
Der Markteintritt von X in den Finanzsektor stößt in den USA auf Widerstand. Die US-Senatorin Elizabeth Warren hat deutliche Sicherheitsbedenken geäußert. Ihre Kritik stützt sich auf mehrere Faktoren:
* **Sicherheitskultur:** Warren verweist auf Berichte über den Umgang der Plattform mit Missbrauchsdarstellungen von Minderjährigen sowie die Präsenz sanktionierter Nutzer mit Premium-Accounts.
* **Interessenkonflikte:** Es bestehen Bedenken hinsichtlich der Rolle von Elon Musk beim Abbau der Aufsichtsbehörde CFPB (Consumer Financial Protection Bureau).
* **Finanzielle Stabilität:** Die Senatorin hinterfragt die Nachhaltigkeit der hohen Verzinsung von sechs Prozent.
* **Bankpartner:** Es wurden Zweifel an der Zuverlässigkeit des Finanzpartners, der Cross River Bank, geäußert, wobei insbesondere frühere Verstöße gegen FDIC-Vorgaben angeführt werden.
Die weitere Entwicklung des Dienstes wird maßgeblich davon abhängen, wie X auf diese regulatorischen und politischen Bedenken reagiert und ob das Vertrauen der Nutzer in eine Finanzplattform unter dem Dach von X gewonnen werden kann.