Transparenz bei künstlicher Intelligenz: Die neuen EU-Vorgaben
Mit dem Inkrafttreten des EU AI Acts hat die Europäische Union ein weltweit wegweisendes Regelwerk zur Regulierung künstlicher Intelligenz geschaffen. Ein zentraler Bestandteil dieser Gesetzgebung ist die seit dem 2. August geltende Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Inhalte. Ziel dieser Maßnahme ist es, die Bevölkerung besser vor der Verbreitung täuschend echter Deepfakes und manipulierter Medien zu schützen.
Wer ist von der Kennzeichnungspflicht betroffen?
Die neuen Regeln richten sich primär an professionelle Akteure. Dazu gehören Unternehmen, die KI-Inhalte für Werbezwecke nutzen – sei es online oder auf klassischen Werbeträgern wie Plakaten. Auch Influencer, die mit ihren Inhalten Einnahmen erzielen, sind dazu verpflichtet, KI-generierte Beiträge entsprechend zu markieren.
Die Verantwortung für die technische Umsetzung der Kennzeichnung liegt dabei maßgeblich bei den KI-Anbietern selbst, etwa Unternehmen wie Google, Meta oder OpenAI. Sie müssen die notwendigen Funktionen integrieren, damit Nutzer die Manipulationen als solche identifizieren können.
Übergangsbereiche: Wenn Privates gewerblich wird
Obwohl rein private Nutzungen von der Kennzeichnungspflicht ausgenommen sind, warnt der IT-Rechtsexperte Michael Terhaag vor einer Grauzone. Die Grenzen zwischen privatem und beruflichem Handeln sind oft fließend. Wer beispielsweise regelmäßig Plattformen wie Ebay oder Vinted nutzt und dort KI-generierte Bilder als Produktfotos einsetzt, unterliegt bereits den neuen Vorgaben. Gleiches gilt für Vereine, die ihre Plakate mithilfe von KI-Tools gestalten.
Formate und ihre Kennzeichnung
Die EU gibt klare Empfehlungen für die Umsetzung der Transparenzpflichten, um Verbraucher vor Täuschung zu bewahren:
* **Videos:** Diese sollen direkt zu Beginn einen Hinweis enthalten, der entweder dauerhaft eingeblendet bleibt oder in regelmäßigen Abständen erscheint.
* **Bilder:** Hier werden interaktive Elemente empfohlen, beispielsweise Einblendungen, die erscheinen, wenn Nutzer mit dem Cursor über ein verfälschtes Gesicht fahren.
* **Audioinhalte:** KI-generierte Podcasts oder automatisierte Chatbots am Telefon müssen zu Beginn einen entsprechenden gesprochenen Hinweis enthalten.
* **Texte:** Ein KI-Hinweis sollte gut sichtbar oberhalb des Textes oder in unmittelbarer Nähe zur Überschrift platziert werden.
Sanktionen bei Verstößen
Die EU setzt bei der Durchsetzung des AI Acts auf empfindliche Strafen. Bei Missachtung der Transparenzpflichten oder unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen drohen Bußgelder ab 15 Millionen Euro oder bis zu drei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Bei schwerwiegenderen Verstößen gegen verbotene KI-Praktiken können die Strafen sogar auf mindestens 35 Millionen Euro oder sieben Prozent des Jahresumsatzes steigen.
Zeitplan für die Umsetzung
Für neue KI-Modelle gelten die Vorgaben der Europäischen Union ab sofort. Bestehende Systeme genießen hingegen eine Übergangsfrist, die bis zum 2. Dezember 2026 läuft. Bis zu diesem Zeitpunkt müssen auch ältere Anwendungen an die neuen Transparenzstandards angepasst werden, um rechtssicher in der EU betrieben werden zu können.