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Urheberrechtsverletzungen: New York Times verklagt Brave Software
Technik · 02.11.2026 21:55

Urheberrechtsverletzungen: New York Times verklagt Brave Software

Kurz: Die New York Times und weitere US-Medienhäuser haben Klage gegen Brave Software eingereicht. Vorwurf: Unerlaubtes KI-Training und Umgehung von Bezahlschranken.

Was geschehen ist – die Kernmeldung ausführlich

Ein bedeutender Rechtsstreit erschüttert die Schnittstelle zwischen Webtechnologie und journalistischem Urheberrecht. Eine Gruppe einflussreicher US-amerikanischer Tageszeitungen, zu denen unter anderem die renommierte „New York Times“ sowie die „New York Daily News“ zählen, hat am vergangenen Montag eine Klage gegen das IT-Unternehmen Brave Software eingereicht. Der juristische Schlagabtausch findet vor einem Bundesgericht in Manhattan statt und richtet sich gegen die Geschäftspraktiken des Browser-Herstellers. Den Verlagen zufolge hat Brave Software in massiver Weise gegen geltendes Urheberrecht verstoßen. Im Kern der Vorwürfe steht die unautorisierte Nutzung von journalistischen Inhalten für das Training von Künstlicher Intelligenz. Darüber hinaus wird dem Unternehmen vorgeworfen, seinen Nutzern gezielt Werkzeuge an die Hand zu geben, um die Bezahlschranken – die sogenannten Paywalls – der Medienhäuser zu umgehen. Die Kläger sehen darin eine direkte Bedrohung ihrer wirtschaftlichen Grundlage, da ihre exklusiven Inhalte ohne Zustimmung kopiert, verbreitet und für kommerzielle Zwecke innerhalb der KI-Industrie verwertet werden, ohne dass ein finanzieller Ausgleich für die Urheber stattfindet.

Die Einzelheiten – Zahlen, Namen und Orte

Die Klageschriften wurden offiziell beim US-Bezirksgericht für den südlichen Bezirk von New York eingereicht. Die Aktenzeichen lauten 1:26-CV-09549 für die Klage der New York Times Co. gegen Brave Software Inc. sowie 1:26-CV-09554 für die Klage der Daily News LP gegen dasselbe Unternehmen. Die Vorwürfe wiegen schwer: Laut den Dokumenten soll Brave Software KI-Unternehmen wie Anthropic, Perplexity oder xAI gegen eine entsprechende Vergütung Zugriff auf „Echtzeit-Online-Inhalte aus dem Brave-Index“ gewährt haben. Diese KI-Akteure nutzen den Index, um ihre Sprachmodelle zu trainieren oder um in Echtzeit auf Nutzeranfragen zu reagieren. Obwohl diese KI-Firmen die Daten nutzen, sind sie in den aktuellen Verfahren nicht als Beklagte gelistet; der Fokus liegt ausschließlich auf Brave Software als dem zentralen Vermittler. Ein Sprecher der New York Times betonte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass Brave die Medienhäuser niemals um Erlaubnis für den Zugriff auf ihre Websites gebeten habe. Zudem habe das Unternehmen technische Maßnahmen ergriffen, die es den Verlagen faktisch unmöglich machen, Brave den Zugriff auf ihre Inhalte zu verwehren. Trotz wiederholter Aufforderungen der „Times“, dieses rechtswidrige Verhalten einzustellen, habe Brave die Bedenken ignoriert.

Hintergrund – Vorgeschichte und bisheriger Verlauf

Die Auseinandersetzung mit Brave Software ist kein isoliertes Ereignis, sondern fügt sich in eine längere Reihe von Konflikten zwischen traditionellen Medienhäusern und Technologiekonzernen ein. Bereits Ende 2023 hatte die New York Times eine wegweisende Klage gegen OpenAI und Microsoft angestrengt. Auch hier geht es um die unerlaubte Verwendung von Millionen urheberrechtlich geschützter Texte für das Training von KI-Modellen wie ChatGPT und Copilot. Intern wurde dieses Vorgehen bei Microsoft laut Berichten sogar als „erstaunlicher Diebstahl von beispiellosem Umfang“ charakterisiert. Die New York Times geht dabei konsequent vor: Im Juli dieses Jahres beantragte das Medienhaus sogar Sanktionen gegen OpenAI und warf dem KI-Unternehmen Täuschung sowie die bewusste Vernichtung von Beweismitteln vor. Die aktuelle Klage gegen Brave Software stellt somit eine Eskalation dar, da sie nun auch Browser-Hersteller ins Visier nimmt, die durch ihre technischen Funktionen – wie etwa die beworbene Möglichkeit, Paywalls zu umgehen – eine Infrastruktur für den Zugriff auf geschützte Inhalte bereitstellen. Die Medienhäuser sehen sich in einem Abwehrkampf gegen eine technologische Entwicklung, die ihre Geschäftsmodelle durch den Entzug von Abonnenteneinnahmen und die kostenlose Verwertung ihrer Arbeit bedroht.

Die Beteiligten – Wer entscheidet und wer sich äußert

Auf der Seite der Kläger stehen die New York Times Co. sowie die Daily News LP, die ihre Interessen vor dem Bundesgericht in Manhattan vertreten. Sie sehen sich als Opfer einer systematischen Urheberrechtsverletzung. Auf der Beklagtenseite steht Brave Software Inc., ein Unternehmen, das für seinen datenschutzorientierten Browser bekannt ist, nun aber wegen seiner Indexierungs- und Paywall-Blocker-Funktionen unter Druck gerät. Interessanterweise sind die KI-Unternehmen Anthropic, Perplexity und xAI zwar in der Klageschrift als Nutznießer des „Brave-Index“ namentlich genannt, treten in diesen spezifischen Verfahren jedoch nicht als direkte Beklagte auf. Eine weitere, indirekt beteiligte Institution ist das Weiße Haus: Die US-Regierung hat sich in den laufenden Verfahren gegen OpenAI bereits positioniert und unterstützt das KI-Unternehmen. Die Regierung argumentiert, dass das Training von KI-Modellen kein Urheberrechtsverstoß sei, sondern für die technologische Sicherheit und Entwicklung des Landes als essenziell angesehen werden müsse. Diese Haltung der Regierung verleiht dem juristischen Tauziehen eine zusätzliche politische Dimension, da sie im direkten Widerspruch zu den Interessen der klagenden Medienhäuser steht.

Einordnung – Was das bedeutet

Einzuordnen ist das so: Die Klage gegen Brave Software markiert eine neue Front im Kampf um die Kontrolle über digitale Inhalte. Während es in den bisherigen Verfahren gegen OpenAI primär um die Frage ging, ob das Training von Modellen eine „faire Nutzung“ darstellt, zielt die Klage gegen Brave auf die technische Ermöglichung des Datenabgriffs ab. Den Berichten zufolge bewirbt Brave seine Funktion zum Umgehen von Paywalls offensiv, was die Verlage als bewusste Beihilfe zur Urheberrechtsverletzung werten. Die juristische Auseinandersetzung ist von fundamentaler Bedeutung für das Internet: Sollten die Gerichte den Verlagen recht geben, könnte dies die Funktionsweise von Browsern und Suchmaschinen grundlegend verändern. Wenn technische Barrieren wie Paywalls rechtlich als unantastbar eingestuft werden und das bloße Indexieren von Inhalten für KI-Zwecke ohne Lizenz untersagt wird, müssten viele KI-Unternehmen ihre Geschäftsmodelle auf eine völlig neue, lizenzbasierte Grundlage stellen. Die Unterstützung der US-Regierung für die KI-Industrie verdeutlicht jedoch, dass hier ein massiver Interessenskonflikt zwischen dem Schutz geistigen Eigentums und dem Streben nach technologischer Dominanz im Bereich der Künstlichen Intelligenz besteht.

Offene Fragen – Was der Quelltext nicht beantwortet

Der Quelltext lässt einige zentrale Fragen unbeantwortet, die für den weiteren Verlauf des Verfahrens jedoch entscheidend sein könnten. Zunächst bleibt unklar, wie Brave Software auf die konkreten Vorwürfe reagieren wird, da im Text keine direkte Stellungnahme des Unternehmens enthalten ist. Es wird nicht erläutert, welche technischen Mechanismen Brave genau einsetzt, um die Paywalls zu umgehen, und ob diese Methoden als „Hacking“ oder lediglich als geschickte Ausnutzung von Web-Standards gewertet werden. Zudem bleibt offen, wie die Gerichte die Rolle des „Brave-Index“ bewerten werden: Ist dieser Index mit einer herkömmlichen Suchmaschine vergleichbar, die Inhalte lediglich auflistet, oder geht er durch die Bereitstellung für KI-Unternehmen über eine bloße Suchfunktion hinaus? Auch die genaue Summe der geforderten Entschädigungen oder die angestrebten Unterlassungsansprüche werden nicht spezifiziert. Schließlich ist unklar, inwieweit die Klage gegen Brave die bereits laufenden Verfahren gegen OpenAI und Microsoft beeinflussen könnte, insbesondere angesichts der gegensätzlichen Positionierung der US-Regierung, die das KI-Training als sicherheitsrelevant und rechtmäßig einstuft.

Wie es weitergeht – Angekündigte Schritte

Das Verfahren befindet sich in einem frühen Stadium vor dem US-Bezirksgericht für den südlichen Bezirk von New York. Da die Klagen unter den Aktenzeichen 1:26-CV-09549 und 1:26-CV-09554 registriert wurden, steht nun zunächst die Phase der Beweisaufnahme und der schriftlichen Erwiderung durch Brave Software an. Die Medienhäuser haben mit der Einreichung der Klage den juristischen Druck erhöht, nachdem ihre vorherigen Aufforderungen zur Einstellung des Verhaltens laut eigenen Angaben ignoriert wurden. Es ist davon auszugehen, dass die Gerichte in den kommenden Monaten über die Zulässigkeit der Klagepunkte entscheiden müssen. Da die US-Regierung in ähnlichen Fällen bereits eine klare Haltung zugunsten der KI-Entwickler eingenommen hat, könnten die kommenden Gerichtstermine wegweisende Urteile hervorbringen, die definieren, wo die Grenze zwischen technischer Innovation und der Verletzung von Urheberrechten verläuft. Für die beteiligten Verlage geht es dabei nicht nur um die Vergangenheit, sondern um die Sicherung ihrer zukünftigen Einnahmequellen in einer zunehmend durch KI geprägten digitalen Informationslandschaft.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/nahaufnahme-eines-computerbildschirms-mit-code-34804024/ · Foto: Daniil Komov
Quelle: https://www.heise.de/news/Urheberrechtsverletzungen-New-York-Times-verklagt-Brave-Software-11508651.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag